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Wettbewerbe


















Literaturwettbewerb Blaues Blatt 2013


Zu den vergangenen Wettbewerben





Liebe Autoren,

2013 schrieb der Blaue Salon seinen Literaturwettbewerb zum vierten Mal aus – und nun stehen die Gewinner fest!
Dieses Jahr durften lyrische Texte rund ums Wettbewerbsthema „Das Messer zum Traum" eingesandt werden. Über 700 Beiträge haben uns erreicht und es war keine leichte Aufgabe, unter ihnen die 6 Gewinnertexte zu finden. Umso mehr freut es uns, euch diese nun präsentieren zu können:





Die Wettbewerbssieger und ihre Texte



1. Platz: "Das träumende Auge, die Fliegenfalle" von Sonja Schierbaum aus Hamburg gewinnt 250 €




Geschickt verwebt Sonja Schierbaum in ihrem Gedicht metaphorische Elemente mit bloßer Beschreibung, könnte sich aber jederzeit auf ein Still-Leben zurückziehen. Sie zeigt, erschafft neue Assoziationen, erklärt aber nicht, vertraut der Wirkung ihrer Worte, der Bilder, die sie dem Leser vor Augen führt. Die übertragene Ebene liegt leicht und weitgreifend für den Leser darunter zu entdecken.

Schlicht und pur, ruhig erzählt, abgeklärt, aber nicht verhärtet, lassen die Worte den Schmerz sehen, geben dem Messer und auch dem sinnlichen Eindruck Raum zu wirken. Das Gedicht arbeitet mit Alltäglichem, Vertrautem, in dem sich jeder Leser wiederfinden und auf eigene Erfahrungen zurückgreifen kann. Zugleich entsteht durch ihre Verknüpfungen parallel auch ein surrealer Eindruck, das träumende Auge entrückt.

Sprachlich bleibt das Gedicht nüchtern, entzieht sich jeder Dramatik und Pathetik und ufert nicht aus.
Die Autorin beherrscht die Kunst der Reduktion. Es bleibt eine Essenz, die alle Sinne anspricht.
Fragen nach Verantwortung, Handeln, Erinnerungen, Träumen, Vergänglichkeit und ihren Wechselbeziehungen werden auf neue Art (be)greifbar, sichtbar, aber nicht aufgelöst. Auch der Blick des Lesers sinkt am Ende in das Messer.



[Zum Siegertext 'Das träumende Auge, die Fliegenfalle']





2. Platz: "Das Messer zum Traum" von Michaela Hanke aus Braunschweig gewinnt ein Buchpaket von KIWI im Wert von 140 €




Michaela Hanke hat mit ihrem Text gezeigt, was alles - buchstäblich - im Wettbewerbsthema steckt. Durch die Setzung sehen wir die Themenzeile „Das Messer zum Traum“ immer wieder in verschiedensten Wendungen aufleuchten. Die Buchstaben scheinen wie Flocken zu fallen und eben an den Stellen liegen zu bleiben, an denen jemand gegangen ist. Es bleibt eine zu erahnende Fährte, der man beginnt zu folgen – so lotet der Text aus, was es bedeuten könnte, dieses Messer zum Traum, und was, es zu verwenden.
Das Messer scheint eine Art gefahrenvoller Schlüssel zu sein und für eine Bewegung an einer Grenze (Saum) zu stehen. Damit zu spielen, sich Grenzerfahrungen zu erlauben, ja, sich hinter der Grenze Liegendes einzuverleiben (Traumesser), das scheint der Wert der Bewegung, trotz aller Gefährlichkeit. Wir brauchen unsere Träume. Sich zu trauen, an ihnen zu rühren, sie an uns rühren zu lassen, sie in uns aufzunehmen, das lohnt sich, sagt der Text. Wenn auch wie in einem Scrabble versteckt und ohne zu behaupten, dass das alles gut ausgehen muss.
So schafft es Michaela Hanke mit beachtlichen sprachlichen Mitteln einen menschlichen Zustand zu erfassen, zu zeigen, wo der Mensch sich befindet.


[Zum Text 'Das Messer zum Traum']







3. Platz: "Ermutigung" von Alexandra Huth aus Markranstädt gewinnt ein Buchpaket von Luchterhand im Wert von 50 €



Alexandra Huth überzeugte die Jury mit einem Gedicht, das durch seine Einfachheit und ruhige, sichere Erzählweise besticht. Wenige Zeilen reichen hier aus, um den Leser auf eine Reise zwischen Traum und Erwachen mitzunehmen, das Wettbewerbsthema aufzugreifen und zu thematisieren, ohne die Schlüsselworte selbst benennen zu müssen.

Einmal, einmal ... nur einmal, ein Abfedern, Aufschwingen. Die vielfältig interpretierbare Bilderebene, die auch klanglich und rhythmisch ganz unangestrengt untermalt wird, spannt eine große Assoziationskraft auf.

Am Ende dann der Schnitt vom träumerischen Licht, von der Aufhebung der Grenzen, die einen bei jedem Lesen erneut entführt, ins dunkle Erwachen. Das Wild(e) und darin auch das Freie und dessen Sterben werden sichtbar. Es liegt eine Ambivalenz darin, eine Traurigkeit, aber auch das Annehmen, Ansehenkönnen. Man erschrickt, wie das Scheitern fast zärtlich intoniert wird und sich das Messer beinahe unerhört ohne überzogene Dramatik eingeschlichen hat.

Der Text bietet eine Offenheit, ohne beliebig zu werden und ohne sich im metaphorischen Überfluss zu ergehen. Alexandra Huth schafft Räume, bietet mögliche Leseweisen sowohl auf realer Ebene, als auch im übertragenen Sinn an, die nicht einengen und trotzdem stringent und schlüssig sind und auch über das Gedicht hinausweisen können. Ob man es als gescheiterte Flucht zur Selbstfindung liest, oder als das Ende einer Beziehung, oder ob man eher ein philosophisches Aufgreifen der Lebens/Traumthematik darin sieht, oder einfach die traumverschobenen Bilder einer Fahrt wie einen Film auf sich wirken lässt, es bleibt als Nachhall das Gefühl, durch das Gedicht etwas von diesem einen Moment erfahren zu haben.


[Zum Text 'Ermutigung']





Den 4. Platz teilen sich zwei Texte, die gleichauf sind: "ABGESANG" von Valentin Tritschler aus Berlin und "blind see / nebelkatarakte, schiefergrau" von Axel Görlach aus Nürnberg. Die beiden gewinnen je ein Buchpaket der LeseInsel im Wert von 40 €.



Valentin Tritschler gelingt es in seinem rasanten, aus wilden Aufschreien und düsteren Reflektionen zusammengesetzten Text, viele Facetten einer Emotion zu erfassen: eine innere Zerrissenheit, die Rastlosigkeit eines Trauernden, das Gefangensein, die Untröstlichkeit und die Wut. Immer wieder wird die Wucht des Textes aber auch von einer treffsicheren (Selbst-)Ironie aufgefangen, die auch das Lesen selbst zu reflektieren scheint.

Fassungslosigkeit und Bedauern potenzieren sich im Rhythmus der Worte, sie beschatten und verdunkeln jeden Lebensbereich. Schemenhaft, wie von Blitzlichtern erhellt, treten Wortfragmente und Erinnerungsfetzen zutage, die sich verschiedenen Erlebnissen, Gewohnheiten und Erfahrungen zuordnen lassen - vielleicht mit einem geliebten, davongegangenen Menschen oder auch nach einem Bruch mit einem Teil des eigenen Selbsts.

Auch wenn es unmöglich scheint, jeden Vers, jeden der Gedankengänge und -sprünge zu entschlüsseln, so bleibt doch ein stimmiger Gesamteindruck einer großen (Schreib-)Bewegung.

Der Text arbeitet intensiv mit Tempoveränderungen und der Wechselbeziehung zwischen Inhalt und Klang. Zu seinen Stärken zählt auch seine kraftvolle, kantige Unausgewogenheit, die jedem noch so absurden Auswuchs der menschlichen Verzweiflung nachgeht. Am Ende des wilden Trauergalopps steht ein kurzer Moment, der, ganz im Ansatz, den Gedanken des Zulassens und Akzeptierens enthält. Trost auch für den Leser: „Ich lerne, ruhe, reise, lausch.“

Auf den erwähnten Aspekt des Lauschens wird man gegebenenfalls zurückkommen dürfen, denn das Gedicht „ABGESANG“ ist ohne Zweifel eines, das, vorgelesen bzw. vorgetragen, an Intensität noch einmal gewinnen wird.


[Zum Text 'ABGESANG']








Axel Görlach lässt uns eintauchen in eine Landschaft, klar und scharf gezeichnet und doch trügerisch, mit unsicherem Grund, im Zwielicht. Das Erleben des lyrischen Ich führt unmittelbar zur übertragenen Ebene, den Assoziationen, wie dem Flügel, der die glatte Oberfläche eines Sees schneidet und zur Klinge wird. Indem sie an die Kehle fährt, ist auch ein Sprachverlust mit angesprochen, der später durch den Verlust der Bilder aufgegriffen und weitergesponnen wird.

Vorstellungen vom Sterben oder - im übertragenen Sinne - Verlassen eines Lebensabschnittes oder einer Beziehung werden hier in einer Weise ins Bild gesetzt, die neu ist. Der Titel erzeugt dazu eine eher nüchterne Stimmung und beugt so gleich zu Beginn einem Übermaß an Pathos vor. Er versetzt einen in die Lage eines Forschers, auch was die mitschwingende Gefühlsebene betrifft.

Am Ende verschwinden die Bilder, die Landschaft, es bleibt das Rauschen. Die Aussage über das zuletzt Verlässliche "stein und herzschlag" und den Schlussgedanken "keine beweise, dass wir waren was wir nicht mehr sind", hinterlässt einen Nachklang und wirft den Leser auch auf sich selbst zurück.


[Zum Text 'blind see / nebelkatarakte, schiefergrau']






6. Platz: "Du mein Heuler" von Bernd Gonner aus Creglingen gewinnt eine Anthologie des Blauen Salons


Gedichte arbeiten oft mit Klang, das ist ihre Quelle, das Zusammenhang-Stiftende des Gedankens hörbar machen, zum Klingen bringen. Klang ist Geheul, das durch die Mühle der Zivilisation gedreht, nach vorn gezerrt wurde und im Extremfall als gereimter Jägerzaun die Grenze zwischen dem Heim und der fremden Wildnis markiert. Wer heult, laut oder leise, hat die Kultur nicht ergriffen und wird nach dieser Denke weggeschlossen.
Fernand Deligny war einer der Experimentatoren, die Lebens- und Schreibformen jenseits des Zauns suchten. Er verwirklichte sich spät einen Traum, indem er in einer Gemeinschaft mit schwierigen Menschen lebte und Möglichkeiten in einem zugewachsenen Brachland schuf, die manchmal erst wie mit der Machete freigeschlagen werden mussten: Wo Geheul zugelassen wird, weil es dem Menschen manchmal näher steht als eine Folge wohlsortierter Gedankenhalme. Dieser Text von Bernd Gonner fängt die Atmosphäre einer Lebensform abseits der bürgerlichen Norm überzeugend ein.


[Zum Text 'Du mein Heuler']




Wir beglückwünschen alle Gewinner und sagen danke für all die beeindruckenden, aufwühlenden, berührenden, verspielten, schönen und wilden Texte, die wir entdecken durften, weil sie am Wettbewerb teilgenommen haben!

Das Team des Blauen Salons und die Jury





Und natürlich bedanken wir uns noch einmal ganz herzlich bei unseren Sponsoren:











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