erlesen

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 16.05.2012, 23:30

version II



erlesen


liest jemand meine gedanken
so liest er von zügen
die keinen bahnhof kennen
von nicht dämmern wollenden morgen
er spürt stacheldrähte im fluss
den scharfen wind
der jedes wort das mich schützen will
gegen mich richtet



ur-fassung:




erlesen


liest jemand meine gedanken
so liest er von zügen
die keinen bahnhof kennen
von nicht dämmern wollenden morgen
er spürt stacheldrähte im fluss
und erfährt von der leichtigkeit des schweren
dem scharfen wind
der jedes wort das mich schützen will
gegen mich richtet

liest mich jemand
dann lernt er mich kennen
und wer mich kennt
der lernt mich nicht zu lesen



.
Zuletzt geändert von Niko am 17.05.2012, 20:43, insgesamt 3-mal geändert.

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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 17.05.2012, 10:19

hallo niko, teil I des gedichtes finde ich im wahrsten sinne des wortes "erlesen", mal abgesehen von der "leichtigkeit des schweren" - die wortgruppe fällt für mich ab (zu abgenutzt?), im vergleich zu den vielen anderen schönen wortbildern.

teil II bräuchte ich nicht, dieses resümee hat für mich irgendwie den beigeschmack von belehrung und moral.

lga

Mucki
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Beitragvon Mucki » 17.05.2012, 19:34

Hallo Niko,

was den ersten Teil angeht, stimme ich allerleirauh zu.
Der zweite Teil kommt bei mir nicht belehrend o.ä. an, sondern eher im Sinne von Sich-selbst-verfluchend, den Kopf in den Sand steckend.
Insgesamt empfinde ich deinen Text als ziemlich resignierend, sehr schwarz-malend.

Liebe Grüße
Gabi

Niko

Beitragvon Niko » 17.05.2012, 20:39

hallo ihr beiden!

gabriella - du hast sicher recht: der zweite teil ist anders gedacht als moralisierend.vielleicht eine selbstschutzdrohung, eine negative eigenbilanz, vielleicht. dennoch kann ich auch der argumentation von allerleirauh etwas abgewinnen. auch wenn´s anders angedacht ist von mir, so wirkt der zweite teil nicht wie aus einem guß mit dem ersten teil. und ein wenig kenne ich ja schon die marotte von mir, zum schluss hin nochmal eins drauf zu setzen. muss ich mir (immer noch) abgewöhnen!
am besten kann man es immer erfühlen, wenn man es liest. man kann sich zwar den zweiten teil wegdenken, aber das ist nicht das selbe. so stelle ich also oben auch die von allerleirauh bevorzugte fassung ein. die eine stelle in der ersten strophe mit dem leichten schweren werde ich ersatzlos streichen. mal sehen, wie es auf mich und auf euch wirkt.

bis hierher ein danke für´s rückmelden!

liebe grüße, niko

Mucki
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Beitragvon Mucki » 17.05.2012, 21:37

Hallo Niko,

die reduzierte Version gefällt mir gut!

Eine Kleinigkeit: vllt. könntest du hier
Niko hat geschrieben:er spürt stacheldrähte im fluss
den scharfen wind
der jedes wort das mich schützen will
gegen mich richtet

schreiben:

erfährt vom scharfen wind

Das klingt geschmeidiger, finde ich.

Liebe Grüße
Gabi


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