Glücksspiel

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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leonie
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Beitragvon leonie » 24.06.2010, 23:31

Wie satt ich es hab, dies
„Träfe ich dich“.

Lieben im Konjunktiv.
Ungefüttert im Alltagsgewand.

Wieviele Zufälle
müssen eintreten,
damit wir einander
vor die Füße fallen?

Dinner for two?
Die Wirklichkeit wäre
ein Lottogewinn.

scarlett

Beitragvon scarlett » 25.06.2010, 08:39

Liebe leonie,

das gefällt mir, dieses Pendeln in Unsicherheiten, zwischen Indikativ und Konjunktiv.
"ungefüttert im Alltagsgewand" (eine gelungene Formulierung) ... wird die Liebe wohl irgendwann versiegen ...

Sehr gern gelesen!

LG
scarlett

Niko

Beitragvon Niko » 25.06.2010, 14:17

hallo leonie!
auch wenn ich die dritte strophe vom sprachfluss her nicht passend finde, so gefällt mir der text insgesamt "liebe im konjunktiv ungefüttert im alltagsgewand - finde auch ich sehr gelungen!

liebe grüße: Niko

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leonie
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Beitragvon leonie » 25.06.2010, 23:14

Liebe scarlett,

danke Dir, ich freu mich über Rückmeldung und Lob!

Lieber Niko,

Dir auch "Danke"! Kannst Du genau sagen, was Dich an der dritten Strophe stört, woran es liegt? (Ich scheine da betriebsblind zu sein, weil es mir nicht auffällt...

Liebe Grüße an Euch beide!

leonie

Niko

Beitragvon Niko » 26.06.2010, 00:40

wie soll ich unfachmännischer das verdeutlichen.........-ich versuchs mal: ( / = atempause, // größere pause)

Wie satt ich es hab / dies
„Träfe ich dich“.//

Lieben im Konjunktiv./
Ungefüttert im Alltagsgewand.//

Wieviele Zufälle
müssen eintreten,
damit wir einander
vor die Füße fallen?//

Dinner for two?/
Die Wirklichkeit wäre
ein Lottogewinn.//

obwohl ein komma steht hinter eintreten, so ist auf grund des satzes ein durchgänger satz ohne merkliche pause. und das als einen bruch des ganzen. vermeidung gelingt meines erachtens nur, wenn man die frage nicht als frage stellt.

eine idee kommt mir aber momentan auch nicht.

liebe grüße: Niko

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leonie
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Beitragvon leonie » 26.06.2010, 12:10

Lieber Niko,

ich glaube, ich verstehe jetzt, was Du meinst. Ich muss nochmal früber nachdenken...

Danke Dir und liebe Grüße

leonie

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 26.06.2010, 19:50

Liebe leonie,

interessant von dir einen Text hier zu finden, der eigentlich genau die Perspektive einnimmt wie die Texte von mir, bei denen du sagst, am Ende sollte es doch ein "optimistischeres" Ende geben - eine Hoffnung, eine Tat, irgendeine Kraft.
Hier jedenfalls scheinen Ich&Du auch in die beobachtete Problematik verstrickt. :smile:
Die Aufbäumung gefällt mir jedenfalls - also die eingenommene Haltung, für den Indikativ zu sprechen und den Zufallsmoment der Romantik zugleich zu wenden und der Wirklichkeit zuzuordnen: dass dort eigentlich das Unerhörte liegt, die große Möglichkeit und nicht im "träfe".
Das Bild des Lottogewinns finde ich etwas zu profankalt, um mir wehzutun, die ganze Haltung des lyr. Ich ist ja zwar nicht unbeteiligt, aber doch entschieden - diese Stimme in diesem Bild auszudrücken, lässt mich eher unberührt/ungerührt.
(und auch des Dinner for two, bei welchem ich den Bezug auch nicht verstehe im Restbilderkontext, verstehe ich noch nicht - vielleicht, wenn man den Text "the same procedure as every year" nennen würde, wäre es da?)

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Max

Beitragvon Max » 26.06.2010, 21:23

Liebe Leonie,

ein ungewohnter Ton bei Dir, den ich als neue Farbe begrüße.

Bei der Frage mit dem Lottogewinn kann ich Lisa insofern folgen als ich das Bild zu klar finde. Schön ist dort ja die Spiegelung von "Liebe im Konjunktiv" durch dden Konjunktiv bezogen auf die Wikrlichkeit dieser Zeilen. Allerdings ist dieses Bild in seiner Reinheit ebenso ungebrochen wie ein Indikativ angewant auf die Realität wäre ...
Vielleicht stehe ich die letzet Strophe auch nicht so richtig :-)

Liebe Grüße
Max

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leonie
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Beitragvon leonie » 27.06.2010, 12:28

Liebe Lisa,

Lisa hat geschrieben:interessant von dir einen Text hier zu finden, der eigentlich genau die Perspektive einnimmt wie die Texte von mir, bei denen du sagst, am Ende sollte es doch ein "optimistischeres" Ende geben - eine Hoffnung, eine Tat, irgendeine Kraft.


darüber muss ich nochmal nachdenken :-) .

was den Lottogewinn betrifft, mir fällt im Moment kein anderes/besseres Bild ein (Glückstreffer/Volltreffer/ finde ich alles nicht besser...), ich überlege noch. Vielleicht könnte ich den Titel in "Same procedure" ändern.

Lieber Max,

auch Dir: Danke.

Das hier habe ich nicht so ganz verstanden, wenn ich ehrlich bin...

Max hat geschrieben:Allerdings ist dieses Bild in seiner Reinheit ebenso ungebrochen wie ein Indikativ angewant auf die Realität wäre ...


Liebe Grüße

leonie

Max

Beitragvon Max » 27.06.2010, 13:06

Liebe Leonie,

Du hast Recht - ich rede in Rätseln :-), selbst für mich.

Ich denke gemeint ist das: Du kommst in diesem Gedicht von einem anderen Blickwinkel her - beschreibst zum Schluss aber aus diesem Blickwinkel in ungebrochenen Bildern.
Aber je öfter ich diese Strophe lese, desto weniger weiß ich, ob Du meinst:

Die Wirklichkeit eines dinner for two wäre ein Lottogewinn, oder gegen ein dinner for two wäre die Wirklichkeit ein Lottogewinn. Beides scheint mir möglich.

Liebe Grüße
Max, der Verständnislose

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Beitragvon leonie » 27.06.2010, 15:38

Lieber Max,

danke, ich glaube, jetzt verstehe ich es besser.
Ehrlich gesagt möchte ich es nicht auflösen.

Liebe Grüße

leonie

Max

Beitragvon Max » 27.06.2010, 15:42

Liebe Leonie,

ok, ein Rätselgedicht also :-))

Liebe Grüße
Max

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Beitragvon leonie » 27.06.2010, 15:46

Hm, ich weiß nicht, ist das dann ein Rätselgedicht? Letztlich ist doch nicht wichtig, was ich gemeint habe, sondern wie der Leser es liest und ob er sich hineinfinden kann.
Eher interpretationsoffen?

Liebe Grüße

leonie

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noel
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Beitragvon noel » 27.06.2010, 18:40

habe jetzt mal keinen kommentar
gelesen

leonie hat geschrieben:Wie satt ich es hab, dies
„Träfe ich dich“.

Lieben im Konjunktiv.
Ungefüttert im Alltagsgewand.

Wieviele Zufälle
müssen eintreten,
damit wir einander
vor die Füße fallen?

Dinner for two?
Die Wirklichkeit wäre
ein Lottogewinn.


ein gedicht über die unmöglichkeit einer möglichkeit, über die
langsame unzufriedenheit, dass die möglichkeit nur im konjunktiv verweilt...
& der lottogewinn am ende, der nicht nur & unbedingt gutes zeugt
rundet dies sehnsuchtvolle, desillusionierte stück ab.
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel


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