Die wahre Geschichte über die Katze des Herrn Schrödinger

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Kurt
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Beitragvon Kurt » 04.11.2017, 13:37

Schrödingers Katze. Da muss ich vehement widersprechen. Der alte Schrödinger hat nie eine Katze gehabt. Meine Frau Minnie und ich, Arthur Neumann, sind inzwischen ein steinaltes Ehepaar. Wir waren damals Nachbarn des besagten Herrn. Und natürlich hatten wir auch von seinem Gedankenexperiment gehört. Und was die Wenigsten wissen. Es hat diesen Kasten wirklich gegeben. Er befand sich im Nachlass. Die Erben haben den Kasten einem kleinen Museum in der Provinz übergeben, unter der Voraussetzung, dass die Kiste nie geöffnet würde. Alles wurde ohne die Presse zu unterrichten im Verborgenen abgewickelt.
Ich besuchte das Museum mit Minnie. Als wir vor der Glasvitrine mit dem Experimentierkasten standen, musste ich laut lachen.
„Was ist?“, fragte Minnie erstaunt.
„Ist nur durch ein lächerliches H12-Schloss gesichert.“
Minnie schmunzelte und zwinkerte mir zu:
„Dann könntest Du doch vielleicht …“
„Was?“
„Naja, die „Büchse der Pandora“ ...“

Ich beschäftigte mich seit meiner Jugendzeit mit dem Knacken von allen möglichen Sicherheitssystemen; hatte mein Wissen aber nie für kriminelle Handlungen benutzt.

„Aber Minnie, wie kannst Du nur …!?“
„Nun, schließlich geht es ja auch um eine persönliche Angelegenheit in Bezug auf den Verstorbenen.“

Als wir wieder zuhause waren, traf ich einige Vorbereitungen für eine nächtliche Aktion, um unbemerkt ins Museum gelangen zu können.
Ich knackte das Schloss der Glasvitrine, atmete etwas angespannt durch, dann machte ich den Kasten auf. Ich hatte das Gefühl, im selben Augenblick etwas gespürt zu haben. Weil die Katze nicht im Kasten war, nahm ich an, sie sei beim Hineinschauen sofort verschwunden, und es wäre ihr energetisches Feld gewesen, das da entwichen war. Nur ein Haufen versteinerte Katzenscheiße blieb zurück.
Sekunden später rief Minnie mich auf mein Handy an. Sie wusste nichts von meiner illegalen Exkursion.
„Hallo, Arthur, wo bleibst du denn. Du wolltest doch vor fünf Minuten schon zu Hause sein. Minka, unsere Katze ist plötzlich wieder da.“
„Und sie hat in mein Bett geschissen. Stimmts?“
„Ja, wirklich, woher weißt du … ?“
„Oooch.“
„Sag nicht, Arthur, du hast wirklich „die Büchse der Pandora“ geöffnet.“
„Naja.“
„Eigentlich müsste es ja nun heißen, „Neumanns Katze“ und nicht Schrödingers.“
„Nun, Minnie, eigentlich war uns das ja von Vornherein klar gewesen.“

Anmerkung von Epiklord:
Ich lese ja nicht ungerne die philosophierenden Dichter im Salon. Wenn sich diese aber als ernsthafte Philosophen bemühen, kommt meist nichts Neues heraus.
Ich empfehle sich Videos reinzuziehen auf Youtube, Vorträge von Markus Gabriel, einem wahrhaften Philosophen mit eigener "Theorie". Voll interessant und auch anschaulich auf Dichterart dargestellt. Metzinger ist auch nicht übel.[size=85]
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"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)

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