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Rubrik für Theaterstücke, Szenen, Sketche, Dialoge, Hörspiele, Drehbücher und andere dramatisch angelegte Texte
Kurt
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Beitragvon Kurt » 13.01.2018, 21:46

Vor den Schaltern, die Warteschlangen hatten
sich inzwischen gehäutet; lauter Schwarze drückten
sich eng an eng wie die Schuppen einer Mamba
und wir fürchteten uns vor ihnen, davor, dass sie die
Sozialkassen ausplündern würden und weil man
diesen Scheinasylanten vor ihrer Ankunft bereits
goldene Hängematten aufgespannt hatte,
und wir würden leer ausgehen, ohne einen Cent
heraus aus den Ämtern, und dass wir in ein
tiefes trauriges Finanzloch fallen würden.
Einige von uns hatten sich lauthals beschwert,
und man bezeichnete sie als Rassisten.
Dabei wussten wir aus dem Biounterricht,
dass es gar keine Menschenrassen gab, und
dass diejenigen, die so etwas behaupten, sich
faktisch selber damit zu Rassisten wandeln.
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 14.01.2018, 05:58

Meiner Meinung nach ist die Frage, ob es Menschenrassen gibt, keine Frage biologischer Natur, sondern eine der sprachlichen Vereinbarung. Die Frage ähnelt der, ob Pluto ein Planet ist oder nicht. Kurz gesagt: Die Frage fußt auf einer menschengemachten Spielregel, nicht auf einem höheren Gesetz.

Manche Spielregel-Autoren wollen, dass der Rassenbegriff über eine bestimmte Zahl definiert wird, nämlich darüber, um wieviel Prozent das Gen der einen "Menschenrasse" von dem Gen der anderen abweicht. Es wird also willkürlich eine Zahl vereinbart. Und dann kann man schauen, ob die genetische Abweichung zwischen den "Menschenrassen" diese willkürliche Zahl übersteigt. Wenn sie das tut, so könne man von "Menschenrassen" reden. Wenn nicht, dann nicht. Bei dieser Zahlfestlegung geht es also von vorn herein um eine Redevereinbarung: Es ist eine bloße Begrifflichkeit, die an der Qualität an sich nichts ändert. Ebenso hängt die Frage, ob Pluto ein Planet ist, von vornherein davon ab, was der Mensch als "Planet" definiert. Zu diesem Zweck vereinbaren Spielregel-Autoren bestimmte Zahlen. Wenn die so und so ausfallen, dann ist es eben ein Planet. Das ist keine Angelegenheit der Natur. Das ist eine Sache der Sprache. An der Qualität des Pluto ändert diese Sprache überhaupt nichts. Genausowenig ändert die willkürlich gesetzte genetische Prozentzahl nichts an der Tatsache, dass es dunklere und hellere Hautfarben gibt. Die Frage kann sinnvollerweise nicht lauten, ob es Menschenrassen gibt, sondern ob es verschiedene Pigmentierungen gibt.

Mit Rassismus hat diese Problematik wenig zu tun.

Unter Rassismus verstehe ich etwas anderes. Ein Rassist baut sich ein paar wenige Schubladen, beklebt diese mit selbsterfundenen Etiketten, und teilt die ganze Menschheit auf in seinem karierten Schubladenschränkchen. Rassistische Kariertheit sehe ich nicht nur bei denen, die pauschal alle Dunkelhäutigen geringschätzen, sondern auch bei jenen, die pauschal alle Penismenschen oder pauschal alle Vaginamenschen geringschätzen, oder pauschal bestimmte Staatszugehörige oder Sternzeichenzugehörige geringschätzen, und so weiter. Ein Rassist ist ein Spalter. Er spaltet wie es ihm beliebt, oder wie es ihn beängstigt, damit er die Menschen einfacher begreifen kann; er gruppiert sie und weist ihnen selbsterfundene Charaktereigenschaften zu; Eigenschaften, die nachweislich nicht auf alle in der Gruppe zutreffen. Wenn ein Rassist eine Person mit lila Hut und dickem Po trifft, dann will er sie augenblicklich einer Gruppe zuordnen: der Gruppe der lila Hüte oder jener der dicken Hintern. Und wenn er später wieder jemanden sieht mit lila Hut, dann schließt er daraus, dass dieser Hutträger einen dicken Hintern hat, auch wenn er nachweislich keinen hat. Dann hat er eben das Potenzial, einen dicken Po zu bekommen. Und wann immer er jemanden mit dickem Po wiedersieht, so weiß er mit Sicherheit, diese Person hat zu Hause einen lila Hut herumliegen.

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ZaunköniG
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Beitragvon ZaunköniG » 14.01.2018, 10:20

Pjotr hat geschrieben:...Genausowenig ändert die willkürlich gesetzte genetische Prozentzahl nichts an der Tatsache, dass es dunklere und hellere Hautfarben gibt. Die Frage kann sinnvollerweise nicht lauten, ob es Menschenrassen gibt, sondern ob es verschiedene Pigmentierungen gibt.



Die Pigmentierung ist ein sehr offensichtlicher aber biologisch völlig irrelevanter Unterschied. Es geht auch nicht um eine zählbare Genabweichung, da unterscheiden sich Mann und Frau stärker als Mensch und Schimpanse, sondern ob sich die Gruppen klar abgrenzen lassen. In vorgenetischen Forschungszeiten hat man die Menschen notwendigerweise nach Äußerlichkeiten sortiert und ja, man kann sie recht gut abgrenzen, Aber man kann die Menschheit auch nach Blutgruppen sortieren oder nach Immunstatus oder tausend anderen Merkmalen von die meisten nicht äußerlich sichtbar sind. Wären diese Gruppen wenigstens annähernd deckungsgleich könnte man von Rassen sprechen, aber so ist es eben nicht. Je nachdem welches Merkmal man untersucht fallen die Gruppen ganz verschieden aus. Zudem haben Iren und Aborigines genetisch mehr Gemeinsamkeiten als Afrikaner untereinander, wohl das deutlichste Indiz, dass sich in der Evolution des Homo Sapiens noch keine Rassen gebildet haben. Jedenfalls nicht wenn wie die Spielregeln zu Grunde legen, wie wir sie bei Tieren und Pflanzen anwenden. Und auch dort gibt es Rassen (bzw Sorten bei Pflanzen) nur wenn sie gezielt gezüchtet werden. In freier Natur sind es immer fließende Übergänge. Somit ist das ganze Konzept "Rasse" widernatürlich.
Sicher geht es auch um sprachliche Vereinbarungen. Jede Definition ist menschengemacht.
Wenn die Spielregeln aber immer wieder dem eigenen Vorurteil angepasst werden, weil sie der Forschung nicht standhalten ist das Rassismus.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck

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Beitragvon Pjotr » 14.01.2018, 11:06

ZaunköniG hat geschrieben:Die Pigmentierung ist ein sehr offensichtlicher aber biologisch völlig irrelevanter Unterschied.

Also erstens ist die von mir genannte "Pigmentierung" lediglich ein Beispiel von vielen, womit Rassisten ihre Schubladen etikettieren; ich will keinen Vortrag über "Pigmentierung" starten. Zweitens will ich die von Rassisten in Anspruch genommene "Biologie" ja gerade als irrelevantes Argument darlegen. Ich weiß nicht, warum da Du da jetzt ein biologisches Seminar anfängst, wo doch gerade das völlig irrelevant ist.

Mir geht es allein darum, aufzudecken, dass "Rasse" ein menschengemachter Begriff ist, und dass jegliche naturwissenschaftliche Kommentierung desselben nichts daran ändert, dass dieser Begriff menschengemacht ist. Man kann Gene oder Farben oder sonstwas als Unterschiedungsfaktoren verwenden, es bleibt eine bloße Begrifflichkeitsdebatte. Das Problem liegt woanders: Rassismus ist unwissenschaftlich. Wenn sich Rassisten "wissenschaftlich" rechtfertigen, dann müssen wir Nichtrassisten aufzeigen, dass diese Rechtfertigung pseudowissenschaftlich ist.

Dein Kommentar meint zum größten Teil doch genau das, was ich auch meine.

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Beitragvon ZaunköniG » 14.01.2018, 11:21

Pjotr hat geschrieben:
Dein Kommentar meint zum größten Teil doch genau das, was ich auch meine.



Ja, größtenteils. Mir ging es ergänzend darum, dass Rassisten laufend die "Spielregeln" ändern um doch noch Recht zu behalten.
Wären vielleicht nicht ganz so viele Worte nötig gewesen.

Wichtiger als die Frage ob es Rassen gibt, ist ohnehin was man mit der Antwort anfängt.
Soll uns die Durchmischung der Rassen mehr Angst machen als Inzucht?
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck

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Beitragvon Zefira » 14.01.2018, 12:05

Zudem haben Iren und Aborigines genetisch mehr Gemeinsamkeiten als Afrikaner untereinander

Das interessiert mich. Hast Du vielleicht einen Link zum Nachlesen zu diesen Thema?
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Beitragvon ZaunköniG » 14.01.2018, 12:26

Hallo Zefira,

Einen Link habe ich jetzt nicht parat. Das hatte ich offline gelesen, in der "Spektrum der Wissenschaft". Die hatten in den letzten beiden Jahrgängen einen deutlichen Schwerpunkt auf dem Thema Menschwerdung. Aber auch in den Themen Medizin und Pharmazie werden ja immer wieder Unterschiede und Gemeinsamkeiten relevant - und manche Fehlschlüsse weil man von der Hautfarbe eben nicht auf die Blutgruppe schließen kann und von der Blutgruppe nicht auf Laktosetoleranz oder Immunität gegen bestimmte Erreger oder Disposition für Alzheimer, Krebs oder MS.
Ob zum Beispiel eine Studie zu Medikamenten oder anderen Therapieansätzen etwas taugt, hängt nicht unwesentlich davon ab, wie man die Testgruppen zusammenstellt. Aber welche Kriterien sind relevant?
Das ist ein immer wiederkehrendes Thema, kein einzelner Artikel.
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Beitragvon Zefira » 14.01.2018, 13:10

Danke. Die Spektrum hatten wir lange Zeit abonniert, seit einigen Jahren aber nicht mehr.
Einen Artikel zu diesem Thema habe ich immerhin hier gefunden.
Interessant auch die Wiki-Artikel zum Thema Rassen. Dort heißt es sinngemäß, dass die Einteilung in Rassen eigentlich nur noch eine Konvention für Tierzüchter (Hunde, Pferde, Schafe etc.) ist; man ist sich über die willkürliche Einteilung einig. Es ist ein reines Hilfsmittel.
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Beitragvon ZaunköniG » 14.01.2018, 13:33

Zefira hat geschrieben:Danke. Die Spektrum hatten wir lange Zeit abonniert, seit einigen Jahren aber nicht mehr.
Einen Artikel zu diesem Thema habe ich immerhin hier gefunden.
Interessant auch die Wiki-Artikel zum Thema Rassen. Dort heißt es sinngemäß, dass die Einteilung in Rassen eigentlich nur noch eine Konvention für Tierzüchter (Hunde, Pferde, Schafe etc.) ist; man ist sich über die willkürliche Einteilung einig. Es ist ein reines Hilfsmittel.


Interessanter Artikel, aber wenn das Erbgut der Aborigines mit nur 82 Nichtaustraliern verglichen wurde ist es schon sehr gewagt, darauf eine Besiedlungstheorie zu begründen, zumal sich Europäer und Asiaten auch zwischenzeitlich öfter durchmischt haben dürften.

Gerade in der Tierzucht ist aber eine interessante Korrelation zwischen Äußerlichen Merkmalen und Genpool zu beobachten: So unterscheiden sich Hunde, vom Pekinesen bis zum Königspudel, vom Pitbul bis zum Bernhardiner genetisch kaum voneinander, während Braunbären, die wir äußerlich kaum unterscheiden können genetisch viel breiter aufgestellt sind als wir Menschen. Auf den ersten Blick erstaunlich bis verwirrend, aber nach einigem Nachdenken sonnenklar, denn Zucht ist Auslese. Alle Hunde entstammen nur einer kleinen Teilmenge der Gattung Wolf. Unsere Zucht hat keine Gene erschaffen sondern nur aussortiert und den Genpool so verringert. Ebenso beim Menschen: Schon in Afrika hat sich der Genpool weit ausdifferenziert. Aber nur eine kleine Teilmenge mit Trägern eher zufälliger Merkmale ist ausgewandert und hat sich in der Fremde überproportional vermehrt. Man abgesehen von heller Haut- und Haarfarbe als Anpassung an nordische Lichtverhältnisse hat sich genetisch nicht viel getan in den letzten 40000 Jahren. Ob lange oder runde Schädel, ob schmale oder breite Nasen, hoher oder gedrungener Wuchs... alles findet sich auch in Afrika, wenn auch in anderer Kombination.
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