Zitalog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 01.12.2013, 00:04


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Zitat - Text - Zitat - Text - Zitat - Inspiration durch Zitate - Lyrik - Prosa - Zitat als Angelpunkt -
Lieblingszitate mit eigenem Leben füllen - neues Zitat als Inspiration weitergeben



Im Zitalog könnt ihr euren Gedanken - inspiriert durch ein Zitat - lyrisch und prosaisch freien Lauf lassen. Zitalog ist kooperatives Schreiben, Texte, Gedichte, die das Zitat des Vorschreibers aufgreifen. Hierdurch entstehen unkommentierte Textfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen, Lyrik, z.B. ob gereimt oder ungereimt, Prosa, kurz oder lang, ganz wie ihr es möchtet.

Alles beginnt mit einem Zitat, dessen Autor ihr in Klammern dahintersetzt. Darauf folgt ein Text, Lyrik oder Prosa. Am Ende setzt der Schreiber ein neues Zitat mit Autor des Zitates in Klammern dahinter. Der nächste Schreiber beginnt mit dem letzten Zitat des Vorgängers.


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Niko
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Beitragvon Niko » 02.12.2013, 18:14

Die Adventszeit ist eine Zeit, in der man Zeit hat,
darüber nachzudenken, wofür es sich lohnt, sich Zeit zu nehmen.

(Gudrun Kropp)


wer nimmt sie sich
die verloren geglaubte
die flüchtige und stehende
und die unaufhaltsame zeit

hat man sie genommen
was soll man mit ihr
sie halten oder einsperren
sie stellen oder verwalten

lässt man sie los
weiß man um sie
interessiert sie sich
und bleibt eine kleine weile
und verlangsamt ihr tempo




Zeit ist nichts als der Strom, in den ich zum Fischen steige.

(Henry David Thoreau (1817-62), amerik. Schriftsteller)
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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ecb
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Beitragvon ecb » 02.12.2013, 20:06

Zeit ist nichts als der Strom, in den ich zum Fischen steige.
(Henry David Thoreau (1817-62), amerik. Schriftsteller)



die versunkene kathedrale


eine hülle
sachte fällt
wasser steigen
in die zisternen des verlorenen

levantinische helle
landschaft der klaren schatten

dem fragenden blick
vor der wand ein bild
und der wunsch
geteilt



Frei ist, wer sterben kann.
(Tania Blixen)

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 02.12.2013, 20:44

Frei ist, wer sterben kann.
(Tania Blixen)

und du gehst auf sie zu
dein schritt ist fest
die spuren verweht
der wind für dich
dein blick kennt
kein zurück
und du gehst
in sie hinein
die wand aus sand
hüllt dich ein
du atmest
aus





"Die Hölle, das sind die anderen"
(Sartre)

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Hetti
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Beitragvon Hetti » 03.12.2013, 09:22

Die Hölle, das sind die anderen (Sarte)

Jenes peinliche Gefühl rettete sich durch seine gesamte Kindheit und verließ ihn auch später nicht mehr. Damals war es ganz ähnlich gewesen: Die Tante, es war gar nicht seine Tante, stand oben an der Treppe, breitete die Arme aus sobald er die Schwelle der Haustür übertreten hatte und sog ihn regelrecht an ihren Körper heran. Er erinnerte sich genau, wie er ihr entgegenflog, wie ihn weiche, herzliche Arme umfingen und liebkosten.
In seinem Rücken entstand ein Tumult, die Tante hob das Gesicht aus seinem Haarschopf und blickte hinüber auf die Nachhut. Er gar nicht das erwartete Georgielein und auch nicht Leni. Sie schob ihn von sich weg. Erstaunt. George und Leni mimten Empörung.
Kein Tod erlöste ihn, stattdessen musste er sich auf der Rückfahrt, hinten im Fond, und bei späteren Gelegenheiten immer wieder, sagen lassen, wie dumm er sich benommen hatte.

Auf dem Treppenabsatz stand der Onkel; pfiff und rief, spornte ihn dazu an, zwei Stufen auf einmal zu nehmen. (Sibylle Lewitscharoff in Montgomery)

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nera
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Beitragvon nera » 05.12.2013, 00:19

Auf dem Treppenabsatz stand der Onkel; pfiff und rief, spornte ihn dazu an, zwei Stufen auf einmal zu nehmen. (Sibylle Lewitscharoff in Montgomery)

auf der vierten stufe lag eine bananenschale. er sah sie zu spät, reagierte im fall und wirbelte mit den armen wie ein ertrinkender. onkelchen lachte. lachte sein dunkles basslachen. die nachbarhäuser lachten, die straßenlaternen und die tür vor ihm schnappte nach luft, rülpste laut. und er wedelte wedelte wedelte und hob ab wie ein hubschrauber. ganz sanft. bis das lachen nur noch als zittern die wolken bewegte.
drei stufen, dachte er, morgen nehm ich drei stufen auf einmal.

"ein zapfen: eure welt.
ihr: die schuppen dran."
anrufung des großen bären/ i. bachmann

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.12.2013, 19:45

"ein zapfen: eure welt.
ihr: die schuppen dran."
anrufung des großen bären

(Ingeborg Bachman)


so spielt er
der anfang und ende

für so manchen

nur mit seinen kindern?

den glauben
stelle ich ins aber

und lege mir lieber
einen ameisenbären
ins gemüt
dem ameisen
überleben sind




Die guten Dinge sind leise.
(Else Pannek)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 11.12.2013, 20:29

Die guten Dinge sind leise. (Else Pannek)

und wie sich weise darauf reimt. als ob deine mutter
wieder deine hand hält. unter den wiegenden pappeln.

sie dreht um. sich. das große kissen an ihre brust
geklammert. mitten auf einer verkehrsinsel.

ein fragezeichen liegt in der luft wie ein hologramm. sie fasst hindurch.
einmal war ich in einem museum, da sahen mich gesichter an. ich floh

den weg nach hause kann man nicht verlieren. maunzt die katze vor der tür.
ein mädchen setzt sich neben sie, mit fingern wie der sommerwind.

sie gräbt ihren kopf in die weichheit des bezuges. den geruch eines stillkindes
das schläft an deiner seite.


Da wurden viele noch dunkle Punkte in mir zugleich berührt und leuchteten auf, zu keinem Zweck. (Elias Canetti)
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 12.12.2013, 16:36

Da wurden viele noch dunkle Punkte in mir zugleich berührt und leuchteten auf, zu keinem Zweck. (Elias Canetti)

Das zwecklose Leuchten
die Gleichgültigkeit von Dunkel und Licht

Damals haben wir geschwiegen
als würde die Zeit nie vergehen
und auch später
als wir längst begriffen hatten
worauf alles zuläuft
fanden wir keine Worte
(unsere Pfade fernab von jeglicher Lichtung)
und so setzten wir ihr bis zum Schluss
nichts entgegen
der Schwerkraft des Lichts.

"Ein Berg ist eine vorübergehende Anpassung an Druck, und das Ich ist vielleicht eine ähnliche Anpassung." (Joan Didion - "Demokratie")

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pjesma
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Beitragvon pjesma » 12.12.2013, 18:49

"Ein Berg ist eine vorübergehende Anpassung an Druck, und das Ich ist vielleicht eine ähnliche Anpassung." (Joan Didion - "Demokratie")


diese unterstützende
schlangenhaut
der toten
(dahinter?)
diese erwartungsvolle
schlangenhaut
der ungeborenen
(davorne?)

als maß aller dinge
Ein Ich:
kein kopf
kein schwanz
nur ein vorübergehender buckel
im zeittunnel
der schlange

einer nach dem anderen
wirbeln die wirbel
es glaubt in dem stau
ein jeder
für ein paar augenblicke
„gleich steche ich durch!“


"Ein erstbestes Wunder:
Kühe sind Kühe." Jahrmarkt der Wunder, Wislawa Szymborska
...and all of that jiving around.

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Niko
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Beitragvon Niko » 12.12.2013, 22:50

"Ein erstbestes Wunder: Kühe sind Kühe."

da nahm ich dornen
und hielt eine rose
die treue gab ich
und verlor allen glauben

es zog mich eine marke
sie war teuer und schön
doch nur eine marke
was anders ist
ist das verändern
sehen was ich spüren will

unterm strich hat nur bestand
was bekannt ist

."Der Erfolg ist eine Folgeerscheinung. Niemals darf er zum Ziel werden!" (Flaubert)
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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ecb
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Beitragvon ecb » 14.12.2013, 19:20

"Der Erfolg ist eine Folgeerscheinung. Niemals darf er zum Ziel werden!" (Flaubert)


nichts folgt. aus erfolg.
wenn er folgt, so ist er so wenig, wie wenn er nicht wäre.
wenn er aber nicht folgt ...


"Diese Worte und ihre Weise fand Alkman, nachsprechend der Vögel Sprache, die er sich gemerkt."
(Alkman, frühgriech. Dichter, um 625 v.Chr.)

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 14.12.2013, 23:48

"Diese Worte und ihre Weise fand Alkman, nachsprechend der Vögel Sprache, die er sich gemerkt."
(Alkman, frühgriech. Dichter, um 625 v.Chr.)



jeden morgen zwitschern
sie sich zu
was sie geträumt
ich würd so gern
verstehen und
öffne ganz leis
das fenster
lausche

heute waren es
besonders
bunte träume




"Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen."
(Aristoteles)

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Niko
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Beitragvon Niko » 20.12.2013, 21:18

"Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen."
(Aristoteles)



das vergessene heft
vor jahren aus der hand gelegt
ist aufgetaucht
es lag zwischen verdörrten gedanken
von der zeit angenagt
und zusammengekauert

es sah mich rot an

erst als ich es gegen gelesen hatte
auch gegen das vergessen
löste es sich auf
in ein nichts



Wer es dahin gebracht hat, dem eigenen Leben zuschauen zu können, ist den Leiden des Lebens entronnen. (Oscar Wilde)
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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