Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

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Niko
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Beitragvon Niko » 14.02.2017, 20:56

wir stehen zueinander
indem wir wanken
rechtsfleckig beherzt
und im fall verblieben

und so verlieren wir uns
gesunden miteinander
aneinander gesundet
jeder weiß
von der erlebnisreichen leblosigkeit
und vergisst
die leblose Lebendigkeit
und was dir und mir bleibt ist
wir sind
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Niko
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Beitragvon Niko » 19.02.2017, 19:09

ich sehe soviel
zukunft in ihren augen
glühen und brennen
und nicht wissen
wo alles bleibt
was nicht kommt
nicht kommen will

und in mir
brennt und glüht es
weil ich weiß
wo alles geblieben ist
was nicht kam
und wo das blieb
was kam
Zuletzt geändert von Niko am 25.02.2017, 11:08, insgesamt 1-mal geändert.
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.02.2017, 13:58

in mir brennt die schlacht
die ich nicht gewinnen kann
und doch stehen meine soldaten
mit lodernden fackeln in position
das startkommando?
nur eine frage der zeit

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Beitragvon Ylvi » 22.02.2017, 16:33




du willst den satz eines tieres
lesen das pochende herz
und dann! den langsam
gesenkten kopf

doch da wurden wände
durch den wald gezogen
der beton ist ein toter vogel


Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Niko
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Beitragvon Niko » 23.02.2017, 00:01

aber wir hatten ja beide gedacht
zum hintereingang hinaus
rieben wir die haare zu stroh

du lachtest lichte verse in mein herz
und ehe ich mich versah
verstummte alles gedachte zu schnee
du seiest nicht frau holle meintest du
und doch war da dieses pech
das nicht gehen wollte

ich atmete dir verlassenheit zu
unter brücken sprachen wir von liebe
wie es schon so viele taten vor uns
und über uns schwenkte eine brücke
verschollenen inseln zu
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Mucki
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Beitragvon Mucki » 24.02.2017, 19:41

nichts ist verborgen
und doch wird dies und das verschwiegen
(es würde im anderen das gemüt erregen)
niemals wird es laut
und doch ranken fragezeichen
(sie erheben sich in den raum und verebben ins flüstern)
einer denkt sich den anderen zu sich
und sieht ihn bereits kommen
wir haben es gut zusammen
und doch sind wir beide inseln

Nifl
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Beitragvon Nifl » 25.02.2017, 08:57

Wenn das Fortsein beginnt

Ich stehe auf der Alu-Leiter am Giebel
Höhe zieht in meine Fußspitzen ein :haare: (ich erstarre) (mein Vater ruckelte dann immer beherzt zum Test) (und ich stelle mir vor wie die Gummis einen schwarzen Bogenausschnitt an die Wand malen) (wie mein Kopf aufs Pflaster schlägt)
(hoffentlich könnte ich mich noch einrollen)
Vögel sterben auch im Süden und im Sommer

das Himmlische Kind und die viele Luft nach oben wenn
Wind aufkommt

ein Wegwischen zieht immer nach sich
wie eine ungewollte Gutschrift

früher habe ich versucht die Schneeglöckchen läuten
zu hören
und ich werde unser Haus nicht los
aber wenn du mir fehlst dann nenne ich das Sehnsucht
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 25.02.2017, 14:12





der wind hat kein gewissen
und der himmel ist kein kissen unter dem man
wohlig ruht

du hältst ihn in der hand
den schmodder des herbstes
schließt die augen, wankst
machst sie auf [du weißt nicht wie schön
du bist, wenn du vermißt] du fiddelst
den schrumpligen rest eines ballons
heraus, murmelst: ach gott, ein herz
nickst. manchmal träume ich davon
wie in einer amerikanischen serie
auf dem dach zu sitzen [und
der rest erzählte sich selbst]



Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Niko
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Beitragvon Niko » 26.02.2017, 10:23

wir sind gewissenlos
der tag und ich
kennen die winkel des rückzugs
und wie man trotzdem nach vorne lächelt

wir drücken uns in die hände
den wunsch schnell zu vergessen
und frühstücksbrötchen
damit wir trotzdem satt sind

ich trenne mich von dir
hab ich ihm gesagt beschämt und leise
er lachte nur und der tag verging
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Mucki
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Beitragvon Mucki » 26.02.2017, 17:48

von nun an
bin ich gewissenhaft
und mir nah
trenne mich von dem
was anderen fremd ist

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Eule
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Beitragvon Eule » 01.03.2017, 23:02

Über Fremdheit
seitenfüllend

geh doch um die
wieviel davon
Ecke Deines

Wohnortes kommst
Du morgen wohin
träumst Du Dich dann
Ein Klang zum Sprachspiel.

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nera
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Beitragvon nera » 03.03.2017, 02:11

unser haus die wände
aus konsonaten ein zischgelämmere
ein stöhnen ein staunen
wieder und wieder
ein gestopfe mit lehm
und die sterne scheinen nur
neben der esse wenn das dach
nicht dicht ist
lieben wir die unzulänglichkeit
dass nichts dicht ist
oder die meinung strauchelt
stolpert
da schüren sich doch feuer
wie frauen sich in die mode schnüren
oder männer
in was und es menschelt unter dem sternenzelt
dieser obdacht ohne gewissen
der wind der wind der wind- als hättten
wir nur ein wort für das gebläse das uns umseuselt fortfegt
du weißt wie schön du bist
wenn ich dich begehre und nur das
dann öffnest du neue seiten und du fragst mich:
seh ich aus wie ein buch? kannst du mich lesen?
und wir wissen. das flüstere ich nicht mal im traum.

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birke
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Beitragvon birke » 03.03.2017, 09:54

heute bin ich wort
und nicht
tatenlos


(test für amanita ;): )
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 05.03.2017, 17:30

wie oft wiederhole ich
meine gedanken

erwische ich mich
flüstere ich mir
einen seitensprung


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