Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 09.03.2017, 14:43



i miss us
das englische über den kopf ziehen
wie eine polkadotbommelmütze
ein kind das ruft: ich seh dich nicht
guck mal, ich bin unsichtbar

und übers sagen traurig wird
wie ich die tropfen beschwöre und die nacht
wünsch dir was das rot der ampel
spiegelt sich auf dem asphalt
(manche sätze muss man löschen
sie haben hundeaugen und viel zu weiches
fell) das ist mir dünn geworden
imissus missile ich cruise
durch die wagträume sagträume
es kann nie genug gänseblümchen geben
wusstest du, dass sie bitter schmecken
das war die mutprobe
wie soll man ohne abzählen wissen
was man nicht will



Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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nera
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Beitragvon nera » 12.03.2017, 03:19

( in hundeaugen versinken in fellen)
wünsche uns rote ampeln
zum verweilen
und angstproben in denen wir nach wurzeln graben
ein kind zieht sich die tarnkappe über- ein spiel-
mein kind in mir- trägt sie
diese perücke
das schild das wappen
und sein weichgespültes fell ist längst zu natur
gebürstet haarloses fürchten
und tränenresistent
schwitzt es nur an hundstagen vorhersehbar
einsehbar wie das rot oder gelb einer ampel
und da warten wir
und die bellis damit garnieren wir träume
bitter
wollen

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 15.03.2017, 14:27

rote ampeln zum verweilen
ja
die wünsche ich mir
kraftvolle und doch sanfte stoppschilder
die meine wüsten gedanken anhalten
mich zur einkehr lenken
von ganz allein

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 15.03.2017, 18:22




und wieder brütet er
in der wüste, der grauen
bis sie ihm faulig werden

an küken denkt er nur
wenn er leere nester sieht


Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Nifl
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Beitragvon Nifl » 17.03.2017, 18:29

Es ist unsere Zeit angebrochen

Wir haben uns lange abgerundet
sinnen über die aufgegebene Ausdauer nach
streiten um die letzte Salzstange
(die du dann in der Schale zerdrückst)

"Wir leben wie Luftmassenmesser"
du lachst "und wie ich dich kenne"

Als wir noch rauchten
Als wir noch zusammen waren
Als wir noch zusammen rauchten

"Abgeschiedene sind wir geworden"
"Ja, anemomische" (du liebst Wörter, die man nicht googeln kann und die es trotzdem gibt)
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Niko
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Beitragvon Niko » 18.03.2017, 02:49


fährtensuche


obwohl knöterich nie mein ding war
und der puffer jeder oase die sonne ist
so verbleibe ich trotzdem

wir haben von zukunft nie etwas wissen wollen
zerrissen mit augen jede halbherzigkeit.
und standen doch
hinter uns im wege und
doch alles gemeinsam durch

wir haben keine zukunft
haben sie uns heute versprochen
aber wir stehen noch
verschränkt lose vergessen
an den kreuzungen blinkerlos
aber noch kriegen wir jede kurve

noch


.
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Mucki
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Beitragvon Mucki » 18.03.2017, 13:10

lasse ich ab von vergangenheit
und verbissener zukunft
könnte ich die kurven der gegenwart meistern

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birke
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Beitragvon birke » 22.03.2017, 10:32

sich in kurven legen
den blick nach vorn
an der seite wegwarten
aus dem winkel
sehen
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Niko
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Beitragvon Niko » 23.03.2017, 14:23

aus dem winkel sehen
und nichts rund begreifen
zwischen hölzernen Bekenntnisses
biegt sich dieses gedächtniseisen
und will nicht rosten

bei einer rast
von den verblichenen träumen
halte ich den daumen hoch
damit ich erspüre
woher der wind weht

und da kam plötzlich wer
leuchtete
und nahm mich mit
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Mucki
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Beitragvon Mucki » 27.03.2017, 17:55

verblichene träume
setzen bisweilen tiefe anker
der wunsch der sog der ruf
schreit sich
zum albtraum

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Hetti
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Beitragvon Hetti » 28.03.2017, 21:51

den albtraum versenken

schlaf
wünschen

einen platz zum ankern
ein dickes Buch
das noch nicht gelesen ist

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Niko
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Beitragvon Niko » 31.03.2017, 08:42

in einem buch
ankern
und hören wie es knirscht
im rumpf
an den nahtstellen und
zwischen den zähnen

der himmel über mir
spricht von weite
aber ich suche
nach begrenztem raum

ich stehe still
höre mich durch die zeit
und komme zurück
zu den scheinbar harmlosen anfängen

und dann spüre ich

lieber nicht
lieber nach vorne sehen
anker lichten und
neuen zeiten entgegen segeln
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Beitragvon Mucki » 31.03.2017, 18:23

und dann spüre ich
lieber nicht
was in mir brütet

es trägt kein federkleid

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Niko
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Beitragvon Niko » 08.04.2017, 15:05

weit trägt sich
das liegen gelassene
singt fröhliche totenlieder
es bleibt der abstand dazwischen
zu mir
finde ich zurück
wenn das gelassene wieder steht

bis es soweit ist
bleibt alles am abgrund
und ich in der schwebe
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