Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

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Niko
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Beitragvon Niko » 09.04.2017, 17:25

im verblassen
kehrtest du noch einmal um
es sei noch zeit
hätte jemand gesagt
aber zwischen den zeigern
sind die stunden abgehängt

die sekunden ticken falsch
sie schnaufen fortlaufend
und schlagen minutenlang um sich

am ende von irgendetwas
weißt du um den anfang von etwas
und du spürst
spürst wie dein blut
die stunden tränkt
und ja

es ist verdammt
verdammt nochmal noch zeit
hetze den müßiggang
durch die ören der tage
zähle die tropfen des meeres
denn du weißt
dies ist dein untergang
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.04.2017, 18:18

wenn zeiger abhängen
uhren sich verlaufen
tickt die stunde des
salvador dalí

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Eule
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Beitragvon Eule » 20.04.2017, 13:36

Salvadore hängte
sich selber ab
er mochte keine
Selbstdarstellungen
ausserdem brauchte er
neue Lieferanten
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Niko
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Beitragvon Niko » 20.04.2017, 16:42

was man braucht
ist ein wort ohne buchstaben
ein zeichen oder keines

über die renovierungen habe ich
eine selbstdarstellung gehängt
und sie mit tapete verhüllt

jeder soll sie nicht sehen
aber wissen dass sie da ist
an die noch grünen enden
schmiegt sich ein löwenzahn
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Mucki
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Beitragvon Mucki » 23.04.2017, 18:17

jeder sieht es
jeder hört es
niemand begreift es
bis nichts mehr da ist
was es zu begreifen gilt

einzig der löwenzahn
krallt sich wuchernd
durch die ebene

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Niko
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Beitragvon Niko » 23.04.2017, 23:12

wer den löwenzahn begreift
umfasst die wildheit des lebens
die farben des lichts
und die kraft der eigenen wurzeln
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Niko
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Beitragvon Niko » 30.04.2017, 18:09

.


es ist soweit
ich vermisse mich
zwischen tausend worten
kein ich kein wir mehr
nur schleier allerorten

dabei begriff ich
was um mich her geschah
und verliebte mich
unsterblich in dieses leben

es flinkerte und tinkerte
und ich schwebte über dem
was niemand so recht versteht

aber nun
vermisse ich mich
In all dem überschwang
erkenne ich mich nicht wieder
aber was ich genieße ist
all das schöne
das auf der strecke blieb


.
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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birke
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Beitragvon birke » 01.05.2017, 00:22

und ich weiß nicht 
was ich suche
und finde mich
zwischen all den worten
die mich umgeben
die in mir sind
ein annähern
ein weg
zum kern
zu mir
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Niko
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Beitragvon Niko » 05.05.2017, 01:44

auf dem weg zum kern

durch soviel harte schale
fruchtlos verbohrt im fleischlichen
im süßen verharrt
schon satt vor dem kern

und dann
auf widerstand stoßen
kein eindringen
kein vor kein zurück
man stößt sich ab
trifft sich nicht
man steht vor sich

und wieder kreisen
um sich herum
nur die faulenden reste
eines süßen nichts

das ist alles
ist das alles
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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birke
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Beitragvon birke » 05.05.2017, 11:53

.

der kern ist stabil
doch äußerst
sensibel, unantastbar
im sinne von
unversehrt
lass ich ihn
ruhen
hülle ihn ein
ins fruchtfleisch
weicht nur langsam
der rote saft
versiegt, irgendwann
bin ich nur noch
kern

.
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Hetti
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Beitragvon Hetti » 11.05.2017, 21:10

in der vergangenen nacht
unnötig sorgen gemacht
nun atmet alles ruhe

morgen - gewiss
verbunden mit innendrin und außenher
weit geöffneten herzens furchtlos

ergibst du dich, endlich, du
schläfst

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Niko
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Beitragvon Niko » 18.05.2017, 09:19

nun atmet alles ruhe
ein tautropfen perlt sich abwärts
das strahlende licht
verdunkelt die arroganz der zeit

und wir ergeben uns
versiegeln das nichts mit uns
einer sprach von unkenrufen
und das der tag verloren sei

ich lasse mir zeit
mit dem tag
den ansichten
und dir


.
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Klara
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Beitragvon Klara » 27.05.2017, 15:44

Ein Luftkreuz am Himmel ruft
müde zur Nacht
Der See siegelt glatt und kein Wind
windet Reue dazu

Ein erster Stern murmelt im Park
weckt achtlos mein Kind. Der Abend
legt lau seine Acht aufs Wasser
und gackert zur Ruh

Den Ohrrücken kitzelt ein Blatt, hört
meinem Kritzeln an, wie verloren
wir sind, doch schwerer als alles
was kommt, wiegt im Schuh
der Sand

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Eule
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Beitragvon Eule » 31.05.2017, 15:42

Deine sieben Segel
Tag und Nacht
beobachtet

Getrieben und
umgetrieben Zifferblätter
liegen gelassen

sie fielen mit Leichtigkeit
durch unsere Hände
nur wenn wir lachen
vergessen und vergeben.
Ein Klang zum Sprachspiel.


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