Date mit einer Schwarzweiß-Malerin

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Kurt
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Beitragvon Kurt » 13.07.2017, 20:55

Ich habe ein Date mit einer Brü-netten.
Sie fragt nach meiner Lieblingsfarbe.
(Ist an sich schon ein Rohrkrepierer!)
Kommt mir vor so nach dem Motto:
„Kenn ich die, weiß ich wer du bist.“
Schätze, sie ist eine Brigitte-Leserin.
Ich schaue gerne in den New Yorker.
Man könnte mich genauso fragen:
Was ist dein Lieblingstier?
Und es gibt nur eine Antwort:
Ich liebe die Flora und Fauna,
das Ganze, mir bleibt keine Wahl
zu einer Lieblingsnatur, und die Farben
liebe ich allesamt, denn gerade ihre
Unterschiedlichkeit ist ihre Macht,
alleinstehend sind sie verloren.
Und ich mag keine Frauen, die
mir so kommen und sage
meiner Brünetten: Blond, einzig
blond gefällt mir.
Zuletzt geändert von Kurt am 20.07.2017, 11:58, insgesamt 2-mal geändert.
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ZaunköniG
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Beitragvon ZaunköniG » 15.07.2017, 11:33

Hallo Kurt,

Vielleicht war es auch nur eine Fangfrage, und sie denkt sich, wenn er eine Lieblingsfarbe hat ist er mir zu eindimensional.
Vielleicht soll die Lieblingsfarbe auch nichts über den Charakter verraten, sondern nur über deine Stimmung, weil Lieblingsfarben auch wechseln können?
War es nur eine Verlegenheitsfrage um mit dem fremden Typ überhaupt ein Gespräch zu beginnen, ganz unverfänglich?

Was verbindest du mit "Brigitte"? Es ist wohl neben der Emma die bekannteste Frauenzeitschrift in Deutschland aber ist Frauenzeitschrift = einfältig und oberflächlich nicht ein sexistischer Kurzschluss? Jedenfalls denke ich, dass es dafür geeignetere Vergleiche gäbe, denn die Brigitte bietet dann doch mehr als Mode und Rezeptideen.

Es ist bestimmt nicht der ideale Einstieg in einen Flirt, aber wenn dir eine einzelne banale Frage die Lust verdirbt, mit welchen Erwartungen gehst du zu einem Date?

Was war dem Gespräch vorangegangen, dass du dich auf das Date überhaupt eingelassen hast? War es gar deine eigene Initiative? Auch wie sie auf deine Abfuhr reagiert wäre noch interessant zu beobachten. Durch den mangelnden Kontext wirkt die ganze Szene sehr eindimensional.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck

Kurt
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Beitragvon Kurt » 15.07.2017, 13:32

Och, ich habe von Pjotr den Komm gelesen, wat von Charakterfarben, Lieblingsfarben in Bezug auf Klara und Co. Und dat hat mich gleich auf diese Psychotests in Frauenzeitschriften? gebracht. Und ich wollte Pjotr nicht kritisieren in Klaras Text. Ich wollte meine Einstellung dazu gesondert stellen und nicht Recht haben wollen mit meiner. So ist mir spontan dieser kl. Text aus der Feder geglitten.

Mir persönlich widerstrebt der Gedanke nach einer Lieblingsfarbe. Fragt man mich jedoch, welche Farbe ich für mein Alltags-tshirt bevorzuge, ist es etwas anderes. In der Natur, beim Stichling etwa hat Rot ja eine Signalfunktion. Und auch die anderen Farben haben ihre Vorzüge für bestimmte Zwecke. Für einen, der ganzheitlich denkt, macht es auch keinen Sinn, eine Farbe als Lieblingsfarbe zu benennen, denn erst durch die Andersfarbigen erhält sie ihren besonderen Rang.

Ja, klar, ist der Text „schnodderig“ und aus des Dichter Emotion heraus. Ja mei, wenn man immer alles mit Vernunft und Umsicht angehen würde, wird’s aber auch irgendwann eintönig.

LG Kurt
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Beitragvon Pjotr » 15.07.2017, 13:44

Meinen Farbenkommentar im anderen Faden hast Du möglicherweise falsch verstanden, Kurt, denn mit dem Inhalt Deines Gedichts hat jener exakt gar nichts zu tun. Dem Inhalt Deines Gedichts stimme ich als berüchtigter Antipauschalist und Antivereinfacher voll zu.

Der Schlusssatz in meinen Farbenkommentar war schlicht nur eine andere Art zu sagen: "Das ist keine Sache des Rechts sondern Geschmackssache". Verstehst Du?

Auf so idiotische Fragen nach der Lieblingsfarbe antworte ich meist mit Loriot: https://youtu.be/tD34Ll4lkGk?t=39


AG P.

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Beitragvon ZaunköniG » 15.07.2017, 14:03

Hallo Kurt,

Off Topic
Ja mei, wenn man immer alles mit Vernunft und Umsicht angehen würde, wird’s aber auch irgendwann eintönig.


Klar kann man auch einfach mal einen raus hauen, mache ich auch ab und zu, und ich kann mir auch die diebische Freude vorstellen, wenn jemand drauf anspringt, aber dass Umsicht und Vernunft irgendwann eintönig werden, möchte ich nicht unterschreiben, denn es gibt immer nochmal was neues zu entdecken.
So alt werden wir beide nicht, dass wir alles bedenkenswerte je bedenken könnten.

mit bedächtigem Gruß
oder bedenklichem, oder wie sagt man?

ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck

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Beitragvon Kurt » 15.07.2017, 14:28

Ja, Pjotr, okay. Ich habe mir beim flüchtigen Durchlesen deines Komms sofort eine Situation vorgestellt außerhalb deines Kontextes.

Jetzt stelle ich mir gerade vor, meine Lieblingsfarbe wäre Rot. Das Liebchen wird mich in roter Strapse empfangen. Alle Ampeln, die ich passiere, sind auf Rot...

LG Kurt
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Beitragvon Pjotr » 15.07.2017, 14:46

Geklärt :-)

Nebenbei: Farben haben natürlich schon eine Wirkung; aber dazu brauchen auch sie einen Kontext, also mehrere Farben. Mehrere. Plural. Das ist der springende Punkt: Plural. -- Rot auf weiß ist etwas anderes als rot auf schwarz, zum Beispiel. Und rot auf grau ist wieder etwas anderes. Und rot selbst kann unzählige Sättigungsgrade haben, und Tonverschiebungen Richtung orange oder lila. Es gibt keine Schubladen. Nur fließende Verhältnisse. Das betrifft nicht nur Farben.


... wird mich in roter Strapse empfangen.

Müsste es nicht heißen in "in roten Strapsen"? Trägst Du gerne Strapse, wenn Dich jemand empfängt?


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