Ich vermisse Dich

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Erman
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Beitragvon Erman » 08.01.2018, 22:00

Du bist nicht hier, ich verliere Dich immer mehr
im Stundenkreis, den die Vergesslichkeit säumt.
Nacktes Trugbild, lebendiger Schein.
Wenn der Stein fällt, erscheint Dein Gesicht.

Gib mir die Kraft unbescholten zu lieben -
die Tage traurig begonnen. Hier versteckt sich
die Qual, ohne Widerhall und das Wort ohne Anklang.
Gib mir die Kraft über rohes Vermögen,

eine Ahnung zurück zu träumen,
während der Schreck meine Stirn drückt
und auf dem Tisch wächst.

Du bist der Teil des Vorraums der schläft,
vermischt mit dem Wind, während du im Glanz schweigst.
Ich zerre an der Zukunft im bitteren Schmerz,
der vom Flug der Liebe
und von der Hölle im Garten Eden träumt.
Ein Lächeln zeigt die einzig ungerade Linie,
die viele Dinge gerade biegen kann. - Erman

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Klimperer
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Beitragvon Klimperer » 10.01.2018, 06:40

"Wenn der Stein fällt, erscheint dein Gesicht."
Letzter Vers der ersten Strophe.
Wo fällt dieser Stein hin? Fallt er etwa ins Wasser?
Heißt das, dass der Dichter einen Stein ins Wasser wirft oder der von jemand anderem geworfenen Stein ihn an eine Szene der Vergangenheit erinnert?

Die vergehende Zeit und das Vergessen tragen dazu bei, dass der Dichter die vermisste Person "immer mehr" verliert.
Im ersten Vers der zweiten Strophe bittet er die vermisste Person um Kraft, um sie zu lieben, "unbescholten" zu lieben.
Zweiter und dritter Vers spiegeln die Einsamkeit des Dichters wieder.
Die zweite Strophe fließt in die dritte über. Etwas liegt auf dem Tisch, das den Dichter erschreckt. Ein Bild etwa? Nein, es muss etwas anderes sein. Ein Brief?
In der letzten Strophe scheint der Dichter ein leeres Haus zu betreten.
Der letzte Vers, an sich widersprüchlich, scheint zu sagen, dass dem Dichter das Gemeinsam sein trotz Probleme lieber als die Einsamkeit ist.
Von der Form her lässt das Gedicht an ein Sonett denken.


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