beängstigend

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Little Bighorn
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Beitragvon Little Bighorn » 07.07.2005, 21:26

Die Erinnerungen
habe ich
in ein Kästchen
gelegt,

das Kästchen
dann verschlossen
und weggesperrt.

Wenn ich mich
einsam fühle,
hole ich das Kästchen hervor
und öffne es.

Mich ängstigt,
dass sie
immer

blasser


werden.

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BlauerSalon
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Beitragvon BlauerSalon » 09.07.2005, 18:26

Hallo Bighorn,

spannendes Thema: das beängstigende kann vorallem dabei sein, dassman sich nur noch an die Erinnerungen erinnert...und dann nur noch an die Erinnerungen der Erinnerungen...und am Ende traut man sich nicht mehr, ob das alles wirklich so war wie man es erinnert....
Ebenso kann man Erinnerungen - finde ich - auch nicht eine unendliche Anzahl von Malen erzählen, sie verbauchen sich...deshalb kann ich den Gedanken des Kästchens gut verstehen...
Viele Grüße,
Chloe

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Saluk
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Beitragvon Saluk » 20.07.2005, 12:00

Chloe schrieb:
Ebenso kann man Erinnerungen - finde ich - auch nicht eine unendliche Anzahl von Malen erzählen, sie verbauchen sich...deshalb kann ich den Gedanken des Kästchens gut verstehen...

Aber könnte es nicht sein, dass gerade durch das Wegschließen die Erinnerung verblasst? Ist es nicht so, dass schon in alter Zeit Gedichte und Gesänge häufig den Ursprung darin hatten, nicht zu vergessen?

Gruß
Saluk
vivadu kaj floru!

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Klimperer
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Beitragvon Klimperer » 15.11.2017, 10:47

Früher, in der analogen Zeit, konnte man so ein Gefühl bekommen, beim Betrachten von alten, gelblich gewordenen Fotografien.

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Sofia
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Beitragvon Sofia » 15.11.2017, 11:31

Einst besaß ich ebenfalls eine kleine Truhe der Erinnerungen, die ich auch immer dann öffnete, wenn ich mich einsam fühlte oder im Vergangenem ertrinken wollte. Somit hielt ich den Menschen, der mir fortgerissen wurde, lebendig. Auch kenne ich die Angst vorm Verblassen, doch kehrten die Farben immer wieder zu mir zurück. Unser Herz bewahrt.
...throw roses into the abyss and say: here is my thanks to the monster who didn't succeed in swallowing me alive.

Friedrich Nietzsche


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