Kapitulation

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Adam
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Beitragvon Adam » 26.02.2006, 19:31

11.11.2004 („Die Kapitulation")

Am 11.11. wurdest du geboren
Hast heute Deinen Kampf verloren
Das Herz hat aufgehört zu schlagen
konnt' all den Schmerz nicht mehr ertragen
Es hat sich lange Zeit gewehrt
Doch warn die Kräfte aufgezehrt
Du wurdest achtundfünfzig Jahre alt
Und Deine Augen sind nun starr und kalt
Du wolltest noch so viel erleben
Doch Deine Zeit war schon vergeben
Es gab gute und auch schlechte Phasen
Letztendlich, überall nur Metastasen
Bei diesem Ringen kann man nur verlieren
Drum musste dein Herz nun kapitulieren


Anmerkung:
Am 11.11.2004 um 03.20 Uhr hat Marlis
ihre Augen für immer geschlossen.
Sie hat Ihren Kampf gegen den Krebs verloren.
Ich lernte Marlis erst zehn Monaten davor kennen,
aber ich bin glücklich über jeden Tag,
den ich mit Ihr erlebt habe.
Ich weis, das bei diesem Werk, die Metrik
überhaupt nicht stimmt, aber es ist mir egal.
Wichtig war mir, zu diesem Zeitpunkt,
nur meine Trauer und meine
seltsame Freude über den Tod – der für Marlis
eine Erlösung war.
Zuletzt geändert von Adam am 07.03.2006, 23:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Herby
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Beitragvon Herby » 28.02.2006, 01:26

Ich finde es schwierig, Texte mit solch traurigem privaten Entstehungshintergrund zu kommentieren.
Ich will es aber mit einer kurzen Anmerkung dennoch tun, weil ich mir selbst nach dem Tod von guten Freunden auch schon die Trauer von der Seele geschrieben habe, sofern das überhaupt möglich ist in einer solchen Ausnahmesituation.
Du schreibst im Anschluss an dein Gedicht, die Metrik stimme nicht. Durch den Tod eines geliebten Menschen war vermutlich dein Leben zu der Zeit, als du den Text schriebst, auch aus dem Rhythmus geraten. Und wenn einem dann das Schreiben solcher Verse bei der Trauerarbeit hilft, dann ist eine stimmige Metrik völlig nebensächlich!
Ich finde dein Gedicht bewegend. Es weckt traurige Erinnerungen in mir.
Nächtliche Grüße
Herby

moana
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Beitragvon moana » 28.02.2006, 11:05

Also, bisher habe ich mich auch nicht wirklich getraut, was zu deinem Gedicht zu schreiben... Ich frage mich nur, wie du überhaupt darauf kommst, an Metrik zu denken?!? Da liest man sich ein solches Gedicht durch, wird, wie Herby auch, traurig erinnert an selbst erlebte Geschehnisse und du erzählst einem was von Metrik?? Komm, das Gedicht ist total traurig und wirklich bewegend. Hat einen Kloß in mir bewegt und mich wirklich schlucken lassen...

grüßerl, moana

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Adam
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Beitragvon Adam » 28.02.2006, 15:34

Hallo ihr zwei,
vielen Dank für euere Worte.
Vielleicht schwang bei meinem Hinweis auf die Metrik auch etwas Wut oder Hiflosigkeit mit. Meine Lebensgefährtin hatte ihre Schwester in den letzten Wochen ihres Lebens im Haus der Eltern gepflegt. Selbst die Zeit nach dem Tod von Marlies war, nicht in unserer Beziehung, sehr schwierig. Es war für alle Betroffenen ein Sturz ins Leere. Es hatte Monate gedauert bis alle wieder ihrem "normalen" Leben nachgehen konnten.

Liebe Grüße
Robert Adam

Gast
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Beitragvon Gast » 28.02.2006, 23:48

dieser Text von dir ist ein gutes Beispiel, dafür, dass ein Gedicht wenn es Ausdruck starker persönlicher Gefühle ist, die vielleicht noch un- oder nicht endgültig verarbeitet sind, eigentlich ruhen muss, bis der Autor es selbst mit Abstand (nüchtern) betrachten kann.
Erst aus diesem Blickwinkel kann das Gedicht wirklich literarisch gut gelingen und so etwas wie eine entpersonifizierte für den jeweiligen Leser nachfühlbare Trauer bekommen.
Ich hoffe, ich habe mich nicht zu verdreht ausgedrückt.
Formal möchte ich dazu nichts sagen, denn das wäre ein zweiter Punkt, nachdem die Sprache gefunden ist.

Liebe Grüße
Gerda

Ich meine das keinesfalls geringsschätzig, aber so ist dein Text "Betroffenheitslyrik" im reinsten Sinn, Das ist nicht schlimm. nur die Frage die sich mir stellt, warum dann hier hinein stellen?
(Damit so Leute wie ich darüber meckern können ;-) , schon klar)

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scarlett
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Beitragvon scarlett » 01.03.2006, 00:00

so ein Thema muß ruhn, bis es durch Ruhe zu Ausdruck gelangen kann....
Verdichtet, geläutert... verinnerlicht sozusagen...
Es bewegt trotzdem....
Und Respekt davor, es dennoch - so frisch - in Worte fassen zu wollen...
Auch wenn Metrik und Rhythmik außen vor bleiben müssen - vorerst....

Gruß
scarlett
Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke.
Susan Sontag

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Uwe Beuer
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Beitragvon Uwe Beuer » 03.03.2006, 17:40

Hallo Adam!
Gar nichts "muss" - mach's einfach so, wie's deinem Gefühl
nach "soll". Tust du ja auch und ist genau richtig! Wenn's dir hilft, dich mitzuteilen, ist der Rest nun wirklich egal bis höchstens zweitrangig.
Solidarisch und wahrgenommen von:
Uwe
Zuletzt geändert von Uwe Beuer am 05.03.2006, 18:08, insgesamt 1-mal geändert.

Franktireur
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Beitragvon Franktireur » 04.03.2006, 04:34

Oha, hier stehen sich zwei Positionen diametral gegenüber.

Klingt jetzt vielleicht kaltherzig, aber:

Ich dachte immer, das hier wäre ein Literaturforum und keine psychologische Selbsthilfegruppe.

Beim zweiteren gäbe ich Uwe uneingeschränkt recht.
Wenn es aber darum geht, Literatur zu schreiben, muß ich konsequenterweise Scarlett und Gerda recht geben.

Erst die geschaffene Distanz macht eine künstlerische Verarbeitung erst möglich.

Gruß

PS: Trotzdem habe ich keine Probleme damit, wenn Adam sein Gedicht postet. Er hat ja dazu geschrieben, daß es ein Gefühlsgedicht ist und ihn das Formale da nicht interessiert - das ist doch eine Aussage, mit der ich dann weiß, was ich damit anfangen kann.
Menschlich ist das natürlich traurig machend. Andererseits kenne ich die Person nicht und daher hält sich mein "Mittrauern" natürlich in sehr engen Grenzen. Literarisch gesehen ist es aus meiner Sicht belanglos.

Ich hoffe, diese Offenheit ist möglich und wird jetzt nicht dazu führen, daß ich als Monster gehandelt werde.

Gruß

steyk
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Beitragvon steyk » 04.03.2006, 13:57

Hallo Adam, ich will den Stil deines Gedichtes gar nicht kommentieren. Hier geht es einfach um Gefühle - und die hast du mit diesem Text gut herübergebracht.
Gruß
steyk

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Adam
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Beitragvon Adam » 07.03.2006, 08:29

Hallo an alle "Meckerer", "Monster" und Kommentatoren :grin: :grin:

Vielen Dank für euere Worte - das meine ich sehr ernst.

Aber nun erst einmal der Reihe nach:

@Gerda
Natürlich hast du recht, wenn du sagst, dass man so ein Thema erst mit Abstand zu einem literarischen Werk verarbeiten kann. Dieses Werk ist im November 2004, ganz kurz nach dem Tode von Marlis, entstanden und hat zwischenzeitlich sogar den Weg in eine Anthologie ( "Wind der Liebe" erschienen im Richmond Verlag ISBN 3-9807109-2-0) gefunden.
Persönlich bin ich mit meinem Werk auch nicht so ganz zufieden. Leider kam ich aber mit diesem Prokekt nicht so voran, wie ich es mir wünschte.
Immerhin konnte ich auf diesem Weg, das Werk in diesem Forum zu posten, einige Eindrücke sammeln.
Zum zweiten Teil deines Kommentars kann ich nur sagen - dieser Bereich nennt sich "Freie Kategorie Lyrik". :idea:
Viel Spaß noch beim "meckern" :grin:

@scarlett
Hier kann ich eigentlich nur auf meine Antwort an Gerda verweisen. Aber ich kann dir versichern, es wird bald eine überarbeitete Version dieses Werkes geben.

@"Monster" Franktireur :grin:
Ich glaube nicht, dass ich eine "psychologische Selbsthilfegruppe" benötige!
Belanglosigkeiten bestimmen zum größten Teil unser Leben.
Offenheit ist mir viel lieber als irgendwelche Lobhuddelei. Andererseits ein wenig Lob schadet natürlich nie - gier :mrgreen:

@steyk
Danke für dein Lob §blumen§ :wub:
Es freut mich sehr, dass zumindestens mein Gefühl gut rüber kommt. Aber wie schon von mir angemerkt bin ich selbst noch nicht zufrieden.

An alle
Liebe Grüße
Robert Adam

Tanker
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Beitragvon Tanker » 07.03.2006, 09:13

Hallo Adam,

du schreibst du bist mit dir selbst noch nicht zufrieden. Na, das solltest du auch nicht. Das darfst du gar nicht. Deine Worte haben nicht im entferntesten etwas mit einem Gedicht zu tun. Und von wegen Betroffenheit: Nur daraus entstehen noch lange keine Gedichte. Ein wenig mehr gehört schon dazu. Ausserdem gibt es eine Regel die besagt, erst nachdenken, dann schreiben. Das zu der Sache mit dem benötigten Abstand. Bisher habe ich mich ja nicht eingemischt aber einer meiner Vorredner hatte schon recht. Das Forum sollte keine Selbsthilfegruppe werden. Und wenn du dir den Frust von der Seele schreiben willst brauchst du dafür auch nicht unbedingt ein Forum. Mach das mit dir selber aus.


G.T.

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Beitragvon Adam » 07.03.2006, 09:37

Hallo Tanker,

höre ich da ein wenig Verärgerung in deinen Worten???
DEINE Regel kann man auch abwandeln - erst richtig lesen und dann einen Kommentar schreiben!!!!
Dein Kommentar, eine Kritik sieht wohl etwas anders aus, ist gänzlich überflüssig und in einer Form geschrieben die einem persönlich angreift. Mir brennt es auf der Zunge noch etwas mehr zu schreiben, aber dann würde ich deinen Stil (?) aufgreifen.

Robert Adam
Das Wort muß eine Faust sein,
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- Konstantin Wecker, Liedermacher und Dichter -

Tanker
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Beitragvon Tanker » 07.03.2006, 09:47

Verärgerung ist genau das richtige Wort Adam. Verärgerung über die Minderwertigkeit des Gedichts mit heiklem Thema. Anstatt darüber nachzudenken und was draus zu machen produzierst du so etwas.
Das finde ich einfach schade.

G.T.

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Adam
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Beitragvon Adam » 07.03.2006, 10:02

Hallo Tanker,

dein Kommentar ist an dieser Stelle und in dieser Form fehl am Platze. Du teilst hier im Moment nur mit "Dieses Werk ist sch....
In meinen Augen, ist das etwas wenig! Vielleicht hast du ja auch nicht mehr zu sagen. Wenn doch, steht dir meine Mailadresse zur Verfügung. Da könntest du dich in aller Breite auslassen und vielleicht auch Vorschläge unterbreiten.

In diesem Sinne und in Erwartung deiner Mail

Gruß
Robert Adam
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