Kopfbesteck

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Alma Marie Schneider
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Beitragvon Alma Marie Schneider » 12.03.2006, 07:24

Kopfbesteck

Es muss ein Loch geben
Ein Loch im Kopf
Nach oben
Von dort wird er gefüttert
Mit kleinen Löffeln
Er muss eine Lizenz haben
Damit er denken darf
Mit der Messerschneide
Stets nach unten
Nur das Aufgabeln
Das bekommt ihm nicht
Dann will er durch die Wand

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 13.03.2006, 19:30

Hallo Alma,
ein ganz starkes Gedicht in einem Bild verfasst, dass mir sehr gefällt, mir zusagt und das nicht verbraucht ist. Mir bleibt nicht einmal etwas zum kritisieren :grin:

Allein vielleicht: Kann man eventuell das Gedicht optisch noch etwas gliedern? Obwohl es einen Lesefluss gibt, so bietet der Text doch auch Pausen an - z.B. denke ich an einen Absatz nach "Nach oben".

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Beitragvon Gast » 13.03.2006, 20:20

auf dass ich mich in die Nesseln setze...;-)...

(weil ich der Moderatorin nicht wirklich zustimmen kann), denn ein gutes Gedicht, ein starkes Gedicht, braucht keine andere Gliederung, damit etwas verständlicher oder besser wird...
Solange sich ein Gedicht in diesem Stadium befindet, dass es noch strukturiert werden muss, ist es ein nicht fertiges G.., aus dem u. U. ein gutes G. werden kann.
Ungewöhnlich ist das Bild es wirkt sehr surrealistisch, allerdigs fehlt ihm dann wieder eine drastischere Sprache...und noch mehr Verknappung
Vorschlag:


Es muss ein Loch geben
im Kopf
oben
zum Einfüllen
mit kleinen Löffeln
dazu eine Denklizenz
nicht auf des
messers schneide
auch gabelweise
vertägt er' s nicht
weil er durch die
Wand will

Ich weiß ich habe viel geändert, vielleicht ist es auch gar nicht mehr dein Gedicht...
(Es war leichter zu ändern, als allgemein zu erklären).
Dennoch hoffe ich einen Anreiz gegben zu haben.

Liebe Grüße
Gerda

Alma Marie Schneider
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Beitragvon Alma Marie Schneider » 13.03.2006, 20:51

Hallo Lisa und Gerda,

danke für Euere Vorschläge und Gedanken. Freue mich darüber.
Gerda, Dein Vorschlag verfolgt einen ganz anderen Sinn, als mein Text.

Es geht mir um erzwungene oder bewußte Beeinflussung und Erziehung um Machtausübung bequem zu machen.
Der Mensch soll brav und arbeitsam gehalten werden.

Mit der Messerschneide
Stets nach unten

bedeutet, daß es z.B gesünder wäre herrschende Autoritäten anzuerkennen, nur um eine sinngemäße Abweichung aufzuzeigen.

Hinter dem "Aufgabeln" verstecken sich auch Ideen, die das herrschende Establishment angreifen und stürzen wollen. Es kann zum Fanatismus kommen (siehe RAF usw.). Man glaubt plötzlich nicht mehr alles, was erzählt wird, gabelt verrückte Ideen auf und schließt sich an.

Es geht mir vorrangig um die Aussage.
Der Text wurde erstveröffentlicht von Poems Niederngasse.

Liebe Grüße
Alma Marie

Gast
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Beitragvon Gast » 13.03.2006, 21:01

das, was du mit deinen Sätzen erklärt hast, transportiert dein Gedicht so nicht. Im Übrigen sollte sich die Aussage sich nicht nur dem Autor erschließen. Das mit der Messerschneide nach unten hinkt halt, es gibt den geflügelten Begriff, auf des Messers Schneide, den ich verneint habe...-
Das Aufgabeln, etwas aufgabeln, gibt die Bedeutung, die du ihm mit deinen Erklärungen verleihst nicht her. Es ist zu allgemein, als dass ich als Leserin gleich an politsichen Aktionismus denken könnte...

Abendgrüße
Gerda

Alma Marie Schneider
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Beitragvon Alma Marie Schneider » 13.03.2006, 21:20

Allgemein deshalb, weil es sich nicht nur auf politische Aktionen beschränkt, sondern es sich um die allgemeine Vorgehensweise von Beeinflussung zur Machtausübung handelt. Werbung beeinflußt, die Freundin beeinflußt, der Chef diktiert und beinflußt usw.
Ich habe hier nur Politik als Beispiel für mögliche Gedanken zum Thema Beeinflussung aufgeführt. Von dort ist die ausgehende Beeinflussung besonders groß. Ich hätte auch die Medien (TV,Radio, Internet) als Beispiel nennen können.

Ich gebe zu, der Text ist nicht einfach, dennoch gab es bisher keine Verständigungsprobleme. Die Metaphern und Bilder wurden richtig interpretiert (wenn auch manchmal etwas blutig).

Liebe Grüße
Alma Marie

Gast
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Beitragvon Gast » 13.03.2006, 22:35

Ein Text muss nicht einfach sein um verständlich zu sein, liebe Alma.
Okay, da kommen wir nicht zusammen.
Aber was das Aufgasben angeht so hat dieser Begriff noch eine völlig andere Bedeutung, die ich vergessen habe zu erwähnen:
Jemanden Aufgabeln, heißt zum Beispiel: Wenn sich ein Hure einen Freier "aufgabelt", oder ein Junge spricht ein ihm unbekanntes Mädchen an, um sie aufzugabeln, oder ich gable (immer eher nebenbei zufällig) meinen Sohn in der Stadt auf (unverabredet Abholen)
Das zur Differenzierung.
Metaphern dürfen nie so allgemein sein, dass man sich alles und nichts darunter vorstellen kann...
Tut mir leid, aber so stellt sich mir dein Gedicht dar... und ich lese und kenne viele Gedichte, gute und nicht so gute, schlechte und grottenschlechte...und auch schlechte werden leider zu häufig veröffentlicht.
Wenn du, liebe Alma die Veröffentlichung anführst, so mag das für dich ein persönlicher Erfolg sein, aber es ist kein Indiz für Qualität.
Wenn dir das so wichtig ist, hättest du ja sofort sagen können, bitte nicht kritisieren, wurde schon gedruckt, will es euch nur päsentieren.

Es würde mich freuen, wenn du dich der Kritik öffnen könntest. :smile:

Eine gute Nacht
Gruß
Gerda :stern

Alma Marie Schneider
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Beitragvon Alma Marie Schneider » 14.03.2006, 01:05

Für Kritik bin ich immer offen Gerda, doch möchte ich als Autor noch MEINE Textinhalte in meiner Weise bringen. Deine Ausführung trifft keineswegs meine Intention und auch nicht meinen Stil. So werde ich sie auch nicht übernehmen. Ich berufe mich hier auch im besonderem Sinne auf den Inhalt meines Textes.
Aufgabeln ist im Sinne des Duden gemeint und nicht anders auszulegen.
Der Titel heißt Kopfbesteck. Besteck ist ebenfalls im Sinne des Duden gemeint, wie übrigens jedes Wort und somit klar zu verstehen.

Ein Gedicht ist immer Geschmackssache. Meine Texte erheben nicht den Anspruch allen Geschmäckern gleichzeitig zu entsprechen.
Allerdings sehe ich schon eine Auszeichnung darin, wenn gute E-Zines und Zeitschriften meine Texte veröffentlichen. Es werden in der Regel nur wenige Texte unter vielen Einsendungen ausgesucht. Eine Anthologie bietet weitaus mehr Platz an. Die Texte von Poems Niederngasse sind wirklich lesenswert.

Liebe Grüße
Alma Marie

Franktireur
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Beitragvon Franktireur » 14.03.2006, 01:45

Hallo, ich habe die Diskussion aufmerksam gelesen und bin jetzt etwas verwirrt.

Alma, Du schreibst:

Aufgabeln ist im Sinne des Duden gemeint und nicht anders auszulegen.

Im Rechtschreibduden (jedenfalls in meiner Ausgabe) steht: ugs. auch für zufälliges Treffen und Mitnehmen.
Deine Erläuterung zuvor:

Hinter dem "Aufgabeln" verstecken sich auch Ideen, die das herrschende Establishment angreifen und stürzen wollen. Es kann zum Fanatismus kommen (siehe RAF usw.). Man glaubt plötzlich nicht mehr alles, was erzählt wird, gabelt verrückte Ideen auf und schließt sich an.

läßt sich damit nicht in Einklang bringen.

Auch ich denke bei dem Wort zunächst an "jemanden aufgabeln", aufreißen, zufällig mitnehmen u.ä. - und ich denke, ich bin da bestimmt nicht der einzige (jetzt mal von Gerda abgesehen).

Wenn ein Text durch Bildung neuer Sinnzusammenhänge unter Zuhilfenahme des Gebrauchs von Wörtern, die bereits allgemein bekannt sind (also auch in Kontext und ugs. Gebrauch definiert sind), solche Wörter höchst abweichend benutzt, entstehen genau die Probleme, die ich hier bei der Diskussion zu lesen bekomme.

Ich könnte mir denken, daß eher wenig LeserInnen das Wort "aufgabeln" in deinem Sinne verstehen/interpretieren. Ob das unbedingt sein muß, mußt du wissen; ich würde nicht unbedingt auf dieses Wort beharren unter den gegebenen Voraussetzungen.

Nur mal so als möglichst neutral gehaltene Gedankenanregung.

Gruß
Frank

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Beitragvon Alma Marie Schneider » 14.03.2006, 02:23

Hallo Franktireur

wo siehst Du die Abweichung? Ich schrieb doch bereits:
Zitat:
Man glaubt plötzlich nicht mehr alles, was erzählt wird, gabelt verrückte Ideen auf und schließt sich an.

So meinte ich es in meinem Text dem Sinne nach. Wenn Leser das anders interpretieren ist das auch OK. Ich schreibe niemanden vor, wie etwas zu verstehen ist. Gerda kann das auch auslegen wie sie mag.
Es gibt kein anderes Wissen als die Erfahrung. Alles Andere ist Annahme und Vermutung und Wissen ist individuell, weil es individuell erworben wird.

Ich meine es zu 100% so wie es im Text steht. Aufgabeln im Sinne des Duden in Verbindung mit dem entsprechendem Gerät.
jemandem oder ETWAS aufgabeln, wobei die Betonung im Text auf ETWAS liegt. Ich habe hier das Deutsche Wörterbuch und denke die Bedeutungen dürften identisch sein.


Nur das Aufgabeln
Das bekommt ihm nicht

Was kann man hier bitte nicht verstehen?
Außer man WILL nicht.

Womit mein Text inhaltlich genau diese Diskussion spiegelt.

LG
Alma Marie

Gast
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Beitragvon Gast » 14.03.2006, 08:54

nur kurz noch 2 Dinge.
1.Wenn ich einen Text ändere erwarte ich nicht, dass er übernommen wird, sondern, dass die Probleme, die ich damit habe und vielleicht auch andere Leser, klarer zu erkennen sind.
Mir fehlen die theoretischen Kenntnisse um so zu formulieren wie Frankriteur es kann.
Ich fände es mehr als merkwürdig, wenn ein Autor den von mir geänderten Text einfach übernehmen würde.
2. Ich habe bei dieser Dikussion etwas lernen können, nämlich, dass selbst der Duden Auslegungssache ist.
An anderer Stelle sagte ist es bereits, Metaphern können nur so gut sein, wie ihre Bedeutung es zulässt.
Du meinst also wortwörtlich: Auf die Gabel nehmen...???
Einen schönen Tag, jetzt bin ich abgesehen vom o. e. Lerneffekt auch ratlos.

Gruß
Gerda :-s

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Beitragvon Alma Marie Schneider » 14.03.2006, 10:10

Zitat:
Du meinst also wortwörtlich: Auf die Gabel nehmen...???

Das ist Deine Auslegung liebe Gerda und bleibt Dir unbenommen.

Bei mir steht wörtlich:

aufgabeln: gabelst auf; gabeltest auf; hast aufgegabelt.
1 Landwirt, Heu mit einem entsprechenden Gerät, einer Heugabel aufnehmen u.an einen Ort stapeln
2 [ugs] jmdn. od. etw. zufällig kennenlernen, finden "Er hat seine neue Freundin in einer Diskothek aufgegabelt. Wo hast Du denn die Hose aufgegabelt? "Syn: auffischen.

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Beitragvon Lisa » 14.03.2006, 10:24

Hallo,

ich möchte jetzt ja nicht an Wittgensteins Familienähnlichkeiten erinnern, die mir weitaus lieber sind als der normative Charakter des Dudens, aber:

Der Streit ums Gabeln geht doch inzwischen eher ums Besserwissen, oder?

Interessanterweise habe ich den Text auch etwas anders gelesen als die angegebene Thematik, wobei es letztlich vielleicht sogar durch Konditionierung und Erziehung auf das selbe hinausläuft. Ich habe die Thematik eher auf das Individuum und seinen Geist angelegt. Dass die Eigendynamik des Geistes, des Kopfes unglaublich ist und man sich manchmal (oft) fragt, wo er das hernimmt, womit wieder der Bogen zum Allgemeinen geschlagen wäre. Dabei finde ich das gewählte Bild des Loches, des Fütterns mithilfe von Besteck sehr gelungen, ich finde das Gedicht wirklich sehr gelungen. Es hat etwa aufmüpferisch symbolisches, auch psychologisch dunkles, das mir gefällt.

Gerda: Es geht doch nicht primär darum, ob ein Gedicht nun hier fertig ist oder noch nicht. So etwas kann sich doch erst in der Diskussion herausstellen und es kommt immer darauf an, auf welche Rezipienten es stößt. Somit kann ich doch ein Gedicht als rund betrachten und dennoch ´den Vorschlag machen, es optisch anders zu gliedern.

In diesem Sinne...zurück zum Text :grin:

Alma Marie Schneider
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Beitragvon Alma Marie Schneider » 14.03.2006, 11:04

Richtig Lisa und mit der optischen Gliederung liegst Du nicht so falsch. Die erste Version hatte dort einen kleinen Absatz (Deinem Vorschlag entsprechend). Ich habe dann doch die jetzige Darstellung gewählt, weil ich den Text nicht zergliedern wollte. Mir kam es dann jedenfalls so vor, als würde ich auch damit in den Inhalt eingreifen.
Solche Dinge sind oft als solle man sich zwischen rot und rot entscheiden.

Im Übrigem entspricht Deine Auslegung durchaus meiner Intention, denn letztendlich macht sich jede Beeinflussung am Individum fest.

Unfertige Texte gibt es nicht. Es gibt nur andere Texte. Ein Mensch, der nur mit einem Arm geboren wird ist auch nicht unfertig, er ist maximal anders. Er muß es nicht einmal als Makel empfinden, sondern kann es genauso als Besonderheit sehen, das Gleiche gilt für seine Umgebung.

Will man etwas als Unfertig bezeichnen, muß eine Norm als Maßstab zugrunde liegen und darin sähe ich glatt eine Vergewaltigung der Kunst. Die will keine Grenzen und keine Normen.

Liebe Grüße
Alma Marie


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