Dezemberspaziergang

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Anonymus
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Beitragvon Anonymus » 17.12.2013, 19:22

Dezemberspaziergang

Unter dem Grau die Farben sind matt
wie das altgewordene Jahr.
Im Wald ist das Holz geschlagen,
tragen nur Eichen noch ihre
verbeulten Flügel, auf Frühling
warten die Früchte am Boden.

Man schlendert und macht keine Pläne.
Keine Fragen stellt der Himmel, er schweigt.
Alles ist, wie es ist und wer weiß,
ob die Liebe sich wecken lässt
zu einer Auferstehung auf Erden.

Auch die verlorenen Träume will ich
auf Moos betten wie ungeborene Kinder.
Dann auf dem Rückweg im Süden
ein Streifen gedämpften Lichts.
Winterbäume beginnen zu leuchten.

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 17.12.2013, 23:38

Hm, da sich niemand meldet, will ich es tun: Ich finde das Gedicht ausdrucksvoll, kann die Stimmung gut nachempfinden; vor allem die verbeulten Flügel der Eiche sind eine geniale Idee, gerade in Verbindung mit dem vorher genannten geschlagenen Holz.
Aber mich stören ein klein wenig die drei letzten Zeilen der zweiten Strophe, die ich unnötig interpretierend finde; sie nehmen auch den wieder sehr schönen ersten beiden Zeilen der letzten Strophe ein wenig die Kraft.

Mein Änderungsvorschlag wäre dieser (bitte wirklich nur als Idee nehmen, es ist ja nicht mein Gedicht):

Unter dem Grau die Farben sind matt
wie das altgewordene Jahr.
Im Wald ist das Holz geschlagen,
tragen nur Eichen noch ihre
verbeulten Flügel, auf Frühling
warten die Früchte am Boden.

Auch die verlorenen Träume will ich
auf Moos betten wie ungeborene Kinder.

Man schlendert und macht keine Pläne.
Keine Fragen stellt der Himmel, er schweigt.
Dann auf dem Rückweg im Süden
ein Streifen gedämpften Lichts.
Winterbäume beginnen zu leuchten.


Dabei ist die Stellung der Zeile "man schlendert und macht keine Pläne" vielleicht auch nicht ganz glücklich; evtl. würde ich diese Zeile in die erste Strophe verschieben ...

Ein sehr schönes Gedicht jedenfalls!
Grüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 18.12.2013, 08:15

Hallo Anonymus, ich bin etwas zwiegespalten.
Die Atmosphäre finde ich sehr gut wiedergegeben, da stimme ich Zefira zu. Manche Details finde ich aber "überfüttert". So gleich am Anfang: grau – matte Farben – altgewordenes Jahr. Und zum Schluss "Verlorene Träume – ungeborene Kinder". Das ist mir auch zu viel, ja, das finde ich sogar kitschig, wenn beides "auf Moos gebettet" werden soll.

Dann sehe ich auch Widersprüche: "auf Frühling warten die Früchte am Boden... Man... macht keine Pläne". Der Hinweis auf den Frühling ist für mich so eine Art Plan, zumindest die Möglichkeit, die Aussicht auf etwas. Genauso "Alles ist, wie es ist" im Zusammenhang mit "einer Auferstehung". Wenn der Himmel so betont schweigt, wie Du schreibst, dann ist das für mich ein Bild der Hoffnungslosigkeit, in diesem Moment ist mir der Gedanke an eine Auferstehung zu überladen.


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