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Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Werner
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Beitragvon Werner » 21.11.2015, 15:09

18ter november deine haut
bereitet sich auf den winter vor
letzte woche sprachen dichter über sprache
eichelhäher
tausendgüldenkraut
giersch
gestern wurden freundschaftsspiele im fußball abgesagt
heute beobachtest du eine gruppe kinder beim schulgang
spiegelt sich der schneehimmel in einer pfütze
wir atmen neonlicht
ich beobachte deine schulterblätter
und meine hand legt sich auf deine halb entblößte brust
die stadt der liebe schließt ihre tore
Zuletzt geändert von Werner am 15.10.2016, 16:07, insgesamt 3-mal geändert.

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Werner
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Beitragvon Werner » 31.01.2017, 21:49

Lieber Niko

Ich wollte Dich nicht nerven.

Aber, Dein Kommentar wirft eine interessante Frage oder besser Feststellung auf:

Eigentlich sollte eine Veröffentlichung am Ende eines Weges oder besser Prozesses des Schreibens stehen. Man schreibt ein Gedicht, legt es weg, nimmt es wieder vor, arbeitet daran, überarbeitet es usw., bis es stimmt und richtig ist, sich richtig anfühlt.

In den allermeisten Internetforen wird aber (leider? und noch dazu bewusst!) der umgekehrte Weg begangen. Zuerst steht die Veröffentlichung, im Internetz! Alle können, auch das schlechteste Gedicht lesen. Dann kommen, oft auch nicht immer die besten Vorschläge dazu bei von Lesern, die es genauso handhaben. Das kann nicht der Weg sein zum Schreiben. Gerne hätte ich ein geschlossenes Forum, damit Textarbeit möglich ist. Leider wurde die Textversteckfunktion hier geschlossen, und jeder gibt jeden seiner lyrischen Pupse in der ganzen Welt von sich. Eifrig sind alle bemührt und stürzen sich darauf, und geben ihre Pupse dazu ab. Was machen wir hier in Foren anderes, frage ich mich manchmal? Gerne würde ich im internen Bereich Texte zur Diskussion stellen, aber, dort liest ja so gut wie keine S.., von Kommentieren ganz zu schweigen. Deshalb auch (mal von der persönlichen Eitelkeit und dem Stolz und der Freude abgesehen) tue ich ich hier eine Veröffentlichung gerne kund. Weil es eigentlich der richtige Weg ist. Am Ende, wenn das Gedicht richtig ist, sich gut anfühlt, nach getaner Arbeit, das Gedicht verändert sich von der Urfassung bis zum fertigen Gedicht, manchmal wird es nie ein fertiges Gedicht, und wenn es dann noch auf Resonanz stößt bei einer Zeitschrift oder einem guten Lyrikportal, dann stelle ich das Ergebnis hier auch ein. Das hat mit Sich-zur-Schau-Stellen nicht mehr oder weniger zu tun als bei jedem anderen Schreibenden mit jedem anderen Gedicht im Forum! Wie gesagt, die Veröffentlichung sollte das Ende eines Weges / Prozesses sein, nicht der Anfang. Wir, die wir schrieben, sollten es ernsthafter tun, und mit dem richtigen Spaß an der Sache. Aber, ein Gedicht, ob ein vermeintlich gutes oder schlechtes, ein veröffentliches oder unveröffentlichtes bleibt ein gedicht und ist nicht mehr oder weniger als ein Gedicht. Ich hoffe, ich habe Dich jetzt nicht beschämt oder einen anderen hier im Forum?

Ich schrieb einmal, in meinem ersten Gedichtband "Tauch ein" (1995) folgendes Gedicht (übrigens eines der ganz wenigen (von insgesamt drei aus dem Buch), das ich mit meinen heutigen Ansprüchen an Gedichte noch gelten lasse:



manchmal sind gedichte

wie welke blätter
die in nasses gras fallen
manchmal wie schnee
der auf den bergen taut
eine flut im fluß
auf dem wege zum meer
gedichte können sterben
weinen
auch lachen
manchmal haben sie die kraft
einer frau
oder das gewicht
eines schmetterlings
gedichte fragen nicht
ob sie geliebt werden
manchmal sind gedichte
eifersüchtig
auf das leben

manchmal nicht

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Niko
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Beitragvon Niko » 31.01.2017, 23:01

Lieber Werner,
Zunächstmal sind wir hier, um uns den pupsereien anderer auszusetzen und auch, um selbst zu pupsen. Denn daran lernen wir viel neues dazu. Für mich gehört allerdings in einen faden zu einem Gedicht nur das. mit allen kleinen schlenkern, versteht sich. Und natürlich ist seitens des Forums daran gedacht worden, dass Autoren ihre Veröffentlichungen kundtun. Aus den von dir schon erwähnten Gründen. Daher würde die Rubrik "Veröffentlichungen eingerichtet. Und da ist es natürlich! angebracht und erwünscht, dass man von den Veröffentlichungen liest!

Gerade in einem faden, wo dann über ein gedicht hin-und herdiskutiert wird, wirkt es befremdlich, wenn dann wie ein maulstopfendes abschlusstrumpf der Veröffentlichungsjoker gezogen wird. Diese 'wer veröffentlicht wird, hat recht"- Karte. Das ist nur meine Sicht. So kann es aufgefasst werden.
Ich bin eher dafür, im faden am Text zu bleiben (ich weiß, tue ich gerade auch nicht) und die verlinkungen hier eher weg zu lassen.

Herzlichst - Niko
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Werner
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Beitragvon Werner » 01.02.2017, 18:50

der link zeigt die endfassung, wie das gedicht nach "draußen" gegangen ist, am ende eines langen überarbeitungsprozesses ... deine "kartenspieler"-anspielungen kann ich nicht nachvollziehen ... mit "maulstopfen", wie du es nennst, hat das wirklich nichts zu tun ... aber selbst nach einer veröffentlichung ist das gedicht noch überarbeitungsfähig, wir können also gerne den faden um weitere argumente verlängern? ein text ist eigentlich NIE fertig.

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Niko
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Beitragvon Niko » 01.02.2017, 20:33

Doch. Man muss es als Autor auch schaffen, einen Text abzuschließen.
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ZaunköniG
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Beitragvon ZaunköniG » 02.02.2017, 17:04

Niko hat geschrieben:Doch. Man muss es als Autor auch schaffen, einen Text abzuschließen.


Ja, ich gebe ihn erst zur Veröffentlichung oder gehe damit auf die Bühne, wenn ein Text fertig ist. - Das ist meine rein subjektive Entscheidung, - muss aber nicht endgültig sein, denn natürlich weiß man nie, was noch alles nicht bedacht worden ist, bis man es bedacht hat.

Zum eigentlichen Disput:
Nikos Kritik läuft wohl auf den Punkt hinaus, dass Eigenlob stinkt. Das ist verständlich, anderseits sind wir als Künstler, sofern wir überhaupt veröffentlichen alle nicht frei von Eitelkeit, da kommt es auf das rechte Maß an und da hat jeder ein eigenes. Das kann man auch kommunizieren, aber eine Kritik ist genauso wenig absolut zu setzen, wie ein Gedicht.
Beides ist hochgradig subjektiv.
Dass eine Liste von Veröffentlichungen aber einem Kritiker das Maul stopfen könnte, nach dem Motto, wer gelesen wird hat Recht, kann ich so nicht nachvollziehen, schließlich befasst sich auch das große Feuilleton vornehmlich mit veröffentlichten Werken. Zwar kann sich ein Autor auf den Standpunkt zurückziehen, dass er für Leser schreibt, nicht für die Kritik, aber diese mangelnde Diskussionskultur hat ja mit der Veröffentlichung oder ihrer Nennung nur noch am Rande zu tun.

@werner: Es gibt nicht "den Weg des Schreibens"
Mit manchen Texten gehe ich wochen- oder monatelang schwanger, ehe auch nur eine Silbe zu Papier oder auf den Monitor gebracht wurde. Eine solche Erstfassung würde ich nicht als Pups bezeichnen, auch wenn natürlich nicht jeder Text gleichermaßen gelingt.
Natürlich gibt es auch das andere Extrem, dass ein Autor schon einen spontanen Einfall postet, quasi schon das erste Brainstorming zu Diskussion stellt, aber auch das kann inspirierend und erfrischend sein. Gerade hier im Blauen Salon gibt es ja einige solche spielerischen Fäden, die auch sehr beliebt sind.

Gerne würde ich im internen Bereich Texte zur Diskussion stellen, aber, dort liest ja so gut wie keine S.., von Kommentieren ganz zu schweigen.


Nun, es gibt die Möglichkeit. Wenn sie nicht genutzt wird, liegt das wohl am mangelnden Bedürfnis. Du siehst jedes Posting hier als Veröffentlichung? Das kann man so sehen, aber wenn wir uns zur Diskussion in irgendeiner Eckkneipe treffen würden, kann im Prinzip auch jeder mithören. Wäre das schon ein Auftritt?
Auch wer als Fremder hier durchsurft sieht doch dass die Oberrubrik "Textarbeit" heißt, was den Werkstattcharakter hinreichend beschreibt.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck

SarahWeidenlicht
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Beitragvon SarahWeidenlicht » 22.03.2017, 19:48

Habe das gerade gefunden. Bin eigentlich zu müde zum Tippen. Wollte aber kurz anmerken, dass ich damals in Paris gelebt habe, und mich dein Gedicht sehr berührt hat. Ganz spontan ist jetzt eine sehr detaillierte und lebendige Erinnerung wieder da. Als kurze, persönliche Randbemerkung. Merci dafür.

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Werner
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Beitragvon Werner » 23.03.2017, 14:02

Danke, liebe Sarah. Ich habe damals, am 13., wie vermutlich viele, das Fußballspiel D gegen F gesehen, und von den Ereignissen gehört, die eingeblendet waren, wo es nur hieß, es habe irgendwelche Explosionen gegeben an mehreren Orten in der Stadt, das Spiel wurde zur Nebensache, niemand wusste genaues ... dann 5 tage später, beim nächsten angesetzten und abgesagten Freundschaftsspiel, ich glaube Belgien gegen Schottland (?) schrieb ich dann dieses gedicht, das dann, dank einer befreundeten Lyrikerin, Eva Maria Berg, auch in Levure litteraire, einer online-Literaturzeitschrift bzw. einem deutsch-französischen Literaturportal, erschien (in der unbearbeiteten Urfassung) ... http://levurelitteraire.com/werner-weimar-mazur/

Klara
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Beitragvon Klara » 24.03.2017, 10:07

@Niko: Warum?
Wenn du es gönnst - warum stört es dich?
Wenn du es nicht gönnst - warum behauptest du, dass du es gönnst?
Wenn du dich freust - warum nervt es dich?
Wenn es dich in Wirklichkeit nicht freut - warum behauptest du es?
Das ist so ähnlich wie "Ich will ja nichts gegen xy sagen, ABER -" und dann kommts.

Ich versuch, mich nicht von Sachen nerven zu lassen, die mit mir gar nichts zu tun haben.
Und mich (mit) zu freuen, wann immer möglich - das fühlt sich besser an als Ärger (im Grunde also: reiner Egoismus ;)


Jedem Tierchen sein Pläsierchen :)

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Niko
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Beitragvon Niko » 24.03.2017, 14:32

;): Plaisierchen wäre richtiger! Muss ich mich schon wieder ärgern! Hach......Ich gönne dir das falschschreiben nicht. So!

:): :engele: :blind: :cool: :brett: :brett: :brett:
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Beitragvon Werner » 29.05.2017, 20:40

mich nervts nicht, ich tue die paar wenigen veröffentlichungen gerne kund, auch in einem literaturforum, sind sie doch der lohn meiner arbeit, aber, so unterschiedlich können meinungen dazu sein., danke für die ehrlichkeit

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Niko
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Beitragvon Niko » 30.05.2017, 00:37

Das ist auch wunderbar, werter Werner. Nur ist Textarbeit eben Textarbeit und Veröffentlichungen wären in der dafür vorgesehenen Rubrik ideal aufgehoben.

Aber.....mach. Kritik daran zu üben ist ja nahezu blasphemisch!
Nicht von Sachen nerven zu lassen, die einen nichts angehen, schrieb klara, die sich doch einmischt, obschon es sie nichts angeht.
Ich handle dem zuwider und äußere mich zu deiner Art der Veröffentlichungskundgebungen nicht mehr!
Horrido!
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Beitragvon Werner » 14.07.2017, 21:35

zum heutigen französischen nationalfeiertag schiebe ich es mal wieder hoch ... das gedicht fand inzwischen auch eingang in mein herzecho http://www.weimar-mazur.de/buecher/herzecho/

@niko: eichelhäher, tausendgüldenkraut, giersch sind anspielungen auf die Regentonnenvariationen von Jan Wagner, inzwischen Büchner-Preisträger, der einmal in Freiburg beim Freiburger Literaturgespräch las. Es gab dort, parallel zu den anschlägen, die erwähnte diskussion von dichtern über sprache, nur eine lyrikerin ging dabei darauf ein, auf nachfrage aus dem publikum, andere dichter taten es als eher unpassend für die veranstaltung bzw. diskussionsrunde ab bzw. meinten, dass es nichts mit der disjussion über sprache zu tun hätte (so in etwa sinngemäß) ... so ändern sich die zeiten und das bewusstsein von dichtern, zu meiner jugend und noch etliche zeit danach war das mal anders ... die elfenbeintürme stehen inzwischen unter naturschutz.

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Werner
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Beitragvon Werner » 29.10.2017, 14:23

ich habe es gestern mal wieder öffentlich gelesen, drum schiebe ich es nochmals hoch. der jahrestag scheint schon fast vergessen ... ?

Quoth
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Beitragvon Quoth » 31.10.2017, 21:56

Hallo Werner, könnte da wohl jemand #MeToo rufen? Wäre die gestrichene Zeile ""und sucht berührung" nicht doch ganz gut? Quoth
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