Doktor Weber, ein ehemaliger Direktor des Museums, ist gestorben. Das erzählte mir Frau Doktor P., die gerade von seiner Beerdigung gekommen war. Sie hatte einen grünen Mantel an.
Einmal hatte ich ihn mit dem Aufzug für Lasten und Behinderte zu seiner Lieblingsabteilung gefahren. Vor seinem Tode setzte er durch, dass der Name Latour, der unter einem Bild stand, entfernt wurde. Er behauptete, das kleine Bild mit dem Kerzenlicht stamme nicht von dem berühmten Maler. "Nach Art von Latour gemalt" steht jetzt auf dem Schild.
Es gibt im "Barocksaal" zwei große Bilder, auf dem einen ist Adam, auf dem anderen Eva zu sehen. Ursprünglich war es ein einziges Bild, bis jemand sie, irgendwann im Mittelalter, trennte. Es ist eine alte Kopie des Bildes von Dürer, das im Prado Museum, in Madrid, hängt. Ich weiß nicht, ob im Original die Zwei auch getrennt sind. Einmal zeigte mir Doktor Weber, dass auf dem Bild des Adams, bei einem bestimmten Licht, trotz der Übermalung ein Teil der langen, welligen Haare von Eva zu erkennen ist. Dieser alte, kranke Mann stand neben mir und zeigte mir die genaue Stelle. Seine Hand zitterte als sie sich den Haaren der Eva näherte.
Doktor Weber (Aus dem Tagebuch eines Aufsehers)
Hola Carlos,
diesen Einblick find ich sehr gelungen und schön nachvollziehbar.
Zwei Kleinigkeiten:
Hier müsste es heißen: Einmal bin ich mit Doktor Weber im Aufzug gefahren.
"ein Teil der langen, welligen Haare von Eva zu erkennen sind."
Hier würde ich das "Auf jeden Fall" weg lassen und beginnen mit "Einmal zeigte mir ..."
Saluditos
Gabriella
diesen Einblick find ich sehr gelungen und schön nachvollziehbar.
Zwei Kleinigkeiten:
Klimperer hat geschrieben:Einmal habe ich Doktor Weber mit dem Aufzug gefahren.
Hier müsste es heißen: Einmal bin ich mit Doktor Weber im Aufzug gefahren.
Klimperer hat geschrieben:Auf jeden Fall, einmal zeigte mir Doktor Weber, dass auf dem Bild des Adams, bei einem bestimmten Licht, trotz der Übermalung einen Teil der langen, welligen Haaren von Eva zu erkennen sind.
"ein Teil der langen, welligen Haare von Eva zu erkennen sind."
Hier würde ich das "Auf jeden Fall" weg lassen und beginnen mit "Einmal zeigte mir ..."
Saluditos
Gabriella
Lieber Klimperer,
der Text könnte sprachlich noch ein wenig geschliffen werden, aber er gefällt mir sehr. Ich mag solch andeutendes Erzählen sehr. Und das Bild des geteilten Bildes mit Adam und Eva natürlich besonders.
Am Ende würde ich dies unbedingt streichen:
Man weiß ja, dass er tot ist, da braucht man nicht den Endhammer. Und dass der Erzähler "immer an ihn denken muss" weiß man auch und sogar tiefer/besser, wenn man es nicht so geschildert kriegt, dass man sich vorstellen muss, er steht ständig vor dem Bild.
Liebe Grüße
Lisa
der Text könnte sprachlich noch ein wenig geschliffen werden, aber er gefällt mir sehr. Ich mag solch andeutendes Erzählen sehr. Und das Bild des geteilten Bildes mit Adam und Eva natürlich besonders.
Am Ende würde ich dies unbedingt streichen:
Wenige Wochen später war er tot. Ich muss immer an ihn denken, wenn ich vor diesem Bild stehe.
Man weiß ja, dass er tot ist, da braucht man nicht den Endhammer. Und dass der Erzähler "immer an ihn denken muss" weiß man auch und sogar tiefer/besser, wenn man es nicht so geschildert kriegt, dass man sich vorstellen muss, er steht ständig vor dem Bild.
Liebe Grüße
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Einmal habe ich Doktor Weber mit dem Aufzug gefahren
Diese Formulierung kann auch richtig sein.
Man stelle sich einen altmodischen Aufzug vor, noch mit zwei Aufzugstüren, einer ersten schön altmodischen Tür, verschnörkelt etc., Solche Aufzüge gibt es heutzutage noch in Luxushotels. Für diesen Aufzug gibt es einen Mitarbeiter, der die beiden Türen bedient, die Knöpfe drückt, zu dem die Fahrenden sagen, bitte in den 1. Stock, oder in den 2. Stock. Dieser Mitarbeiter fährt dann nicht mit, sondern fährt jemanden im Aufzug nach oben und nach unten.
So ein altmodischer Aufzug pass auch zu der Geschichte.
Was ich tu, das tu ich, was ich tat, das wollte ich tun.
(aus: "Ich schließe mich selbst ein" von Joyce Carol Oates)
(aus: "Ich schließe mich selbst ein" von Joyce Carol Oates)
Liebe Sethe, dein Herz blinkt vor mir, während ich dies schreibe: Mein Herz auch!
Ich war im Begriff, Gabriella, Lisa und Eva zu antworten, als dein Kommentar erschien ...
Liebe Gabriella, liebe Lisa, liebe Eva: Ich möchte mich ausdrücklich für eure Kommentare bedanken. Dank euch, ist der Text jetzt viel besser, glaube ich.
Was meint ihr: Soll ich die Pünktchen am Schluss lassen oder lieber entfernen?
Ein Freund
Carlos
Ich war im Begriff, Gabriella, Lisa und Eva zu antworten, als dein Kommentar erschien ...
Liebe Gabriella, liebe Lisa, liebe Eva: Ich möchte mich ausdrücklich für eure Kommentare bedanken. Dank euch, ist der Text jetzt viel besser, glaube ich.
Was meint ihr: Soll ich die Pünktchen am Schluss lassen oder lieber entfernen?
Ein Freund
Carlos
Hallo Klimperer,
ich nur einen Punkt setzen. Auf mich wirken solche Auslassungspünktchen am Schluss immer wie eine meistens überflüssige Dramatisierung.
Hier stimmt es grammatisch nicht ganz:
... müsste heißen: "... ein Teil der langen, welligen Haare von Eva zu erkennen ist."
Schöner Text! Besonders gut gefällt mir die Geschichte mit dem Latour, die ein bezeichnendes Licht auf den Charakter des Mannes wirft.
Sonnige Grüße von Zefira
ich nur einen Punkt setzen. Auf mich wirken solche Auslassungspünktchen am Schluss immer wie eine meistens überflüssige Dramatisierung.
Hier stimmt es grammatisch nicht ganz:
Einmal zeigte mir Doktor Weber, dass auf dem Bild des Adams, bei einem bestimmten Licht, trotz der Übermalung ein Teil der langen, welligen Haaren von Eva zu erkennen sind.
... müsste heißen: "... ein Teil der langen, welligen Haare von Eva zu erkennen ist."
Schöner Text! Besonders gut gefällt mir die Geschichte mit dem Latour, die ein bezeichnendes Licht auf den Charakter des Mannes wirft.
Sonnige Grüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
(Ikkyu Sojun)
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
(Ikkyu Sojun)
Lieber Carlos,
als jemand, der sich auch immer Pünktchen zu wenig verkneift: ja, ohne ist schöner. Das Strichen vor "steht" kannst du auch noch fortnehmen.
Wirklich ein ganz weicher, leiser Text, der es "in sich hat".
LIebe Grüße
Lisa
als jemand, der sich auch immer Pünktchen zu wenig verkneift: ja, ohne ist schöner. Das Strichen vor "steht" kannst du auch noch fortnehmen.
Wirklich ein ganz weicher, leiser Text, der es "in sich hat".
LIebe Grüße
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
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