zur überarbeitung
Verfasst: 20.06.2007, 11:13
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„Mein Wolkenmädchen“, sagte ich, weil ich wusste, es würde ihr nicht gelingen. Normalität ist keine Eigenschaft, die man erlernen kann, sie resultiert aus der Abwesenheit unnormaler Zustände.
„Warum wirst du dann nicht Verhaltensforscher wie der Lorenz?“
„Weil ich das meiste Verhalten langweilig finde. So regelmäßig, notwendig irgendwie und doch letztlich zufällig, wie alles, was die Evolution hervorbringt.“
„Diese endlosen Gedankenspielereien und willkürlichen Begriffssysteme in der Philosophie, sind die nicht ebenso langweilig?“ fragte sie skeptisch.
„Schon, aber das kann man alles kritisieren, Verhalten kann man bloß erforschen", erwiderte ich.
Während ich sie leckte, überlegte ich, ob wir nicht doch zu unterschiedlichen Göttern beteten.
Klara hat geschrieben:Hallo Max,
das finde ich richtig schön. Ich würde sogar fast sagen: Ich finde den Text süß.
‚Man weiß ja nicht, worauf es ankommt’, stand da. Ich betrachtete den dösenden Hund, starrte in die Dämmerung hinaus und fühlte mich verstanden, dachte daran, daß mein Großvater, obwohl Schneidermeister, genau derselben Ansicht gewesen war.
„Nichts Genaues weiß man nicht, aber irgendwann muss man trotzdem so tun, als ob. Das ist die Grundregel des Erwachsenseins. Befolgt man die nicht, Maxl, dann kann man vom Glück reden, wenn sie einen nur für seltsam halten.“ Eindringlich hatte er dabei von dem Stoffpacken hochgeblickt, aus dem er Krägen für Straßenbahnerjacken zuschnitt und mir die blaue Ölkreide aus der Hand genommen.
Nach dem Tod seiner Frau allerdings verlor er den Glauben an sein ‚als ob’. Das rentiere sich für ihn einfach nicht mehr, versicherte er uns und kehrte in die Ahnungslosigkeit der Kinder, Narren und Mystiker zurück. Schnell wurde er hinfällig und verwahrloste trotz aller Bemühungen der Familie. Bald darauf starb er. Mit einem Ausdruck großen Erstaunens in den Augen, wie mir Mutter erzählte. Als es mit ihm zu Ende ging, fuhr ich gerade durch Marokko, bei meiner Rückkehr war er schon eingegraben.
Ich setzte mich in den Sessel am Fenster und blätterte im ‚Mann ohne Eigenschaften’. Das Buch hatte ich bei Vaters Büchergilde bestellt, als letztes Exemplar vor der Kündigung.
„Such dir ruhig was aus, Max, eines müssen wir ihnen noch abnehmen. Dann brauchen wir nie mehr ein Buch lesen!“
In solchen Momenten, fragt ich mich, was diesen Mann dazu getrieben hatte, seiner Frau ein Kind zu machen.
„Weil ich das meiste Verhalten langweilig finde. So regelmäßig, notwendig irgendwie und doch letztlich zufällig, wie alles, was die Evolution hervorbringt.“
„Diese endlosen Gedankenspielereien und willkürlichen Begriffssysteme in der Philosophie, sind die nicht ebenso langweilig?“ fragte sie skeptisch.
„Schon, aber das kann man alles kritisieren, Verhalten kann man bloß erforschen", erwiderte ich.
Stolz stand da mein Großonkel, in waidmännischem Loden, die Flinte geschultert, über seinen brustlangen Bart hinweg blicke er würdevoll hinab auf sein Deutsch-Kurzhaar, das beflissen zu ihm empor hechelte.
MD hat geschrieben:Als ich Bellas Mini gegen Mitternacht vor dem Haus parken hörte,
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