Ein fast blindes Date (Kurzversion)

Rubrik für Theaterstücke, Szenen, Sketche, Dialoge, Hörspiele, Drehbücher und andere dramatisch angelegte Texte
Kurt
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Beitragvon Kurt » 14.03.2020, 15:31

„Hierin sind all die Männeraugen enthalten,
die sie auf mich warfen“, stand auf dem Etikett.
Das Kästlein war gut befüllt.

Zwei Stunden ließ Fabienne mich warten.
Die Haushälterin führte mich in ein Kellergewölbe.
Im Dämmerlicht sah ich ein großes Weinfass,
ebenfalls mit einem Aufkleber „ Hierin ist all mein
Herzblut, was ich für die Männer vergoss“.

Dann eine gruftige Stimme. Fabienne, eine
aufgetakelte Frau mit verbittertem
Blick, begrüßte mich. Ich war angewidert.
Da packte mich die Haushälterin hinterrücks
und beide fesselten mich mit einem Kälberstrick,
waren im Begriff, mir die Augen rauszuschälen.
Ich befreite mich mit einem Indianertrick,
schnürte die Frauen, begab mich zu der Kiste
mit den Männeraugen, von denen ich annahm,
sie wären aus Kunststoff.

Voller Wut trabte ich zurück in die Kellergruft,
öffnete das große Weinfass. Nicht ein
einziger Tropfen Blut von Madame darin.

Der Haushälterin schabte ich die Augen aus.
Fabienne ließ ich zur Ader, legte eine Leitung
von ihrer Halsarterie zum Fass, und ging.
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)

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