Die Wahrheit ist, hm...

Rubrik für Theaterstücke, Szenen, Sketche, Dialoge, Hörspiele, Drehbücher und andere dramatisch angelegte Texte
Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 19.04.2023, 18:57

Ich sag so zu meiner Nachbarin Ellie,
Ellie, sag ich, es gibt Kinder, die schön
sind, deins ist hässlich.
Mit `nem Küchenmesser wollt die Ellie
mich totstechen.
Ich sag, Ellie, du musst der Wahrheit
scharf ins Auge sehen, und
ich kann nicht lügen.

Ihr Mann Fred, mit dem saufe
ich öfter mal Einen.
Fred suchte die Wahrheit im
Alkohol.
Fred, sag ich, was soll das bringen,
würden wir Menschen Milliarden
Jahre alt werden und ganz
tief in den Weltenraum
reisen, hinter die
Sterne blicken, Milliarden
Lichtjahre entfernt. Ja Fred, glaubst
du denn, da sieht es für uns anders aus
als hier. Unser Problem ist unser Blick;
die absolute Wahrheit oder Gott befinden
sich dahinter, ganz nah vielleicht.

Ja, fass dich nur an deinen Kopp.

Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 23.04.2023, 16:01

Naja, ein schönes Kind sich hässlich saufen geht schwer. Aber ein hässliches sich schönsaufen, davon habe ich schon gehört.

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 23.04.2023, 16:53

Was für eine abfällige Sprache, beim Blick auf ein Kind. Wusstest du, dass solch eine Abfälligkeit von einer derart niedrigen Ebene herunter enorm auf narzistische Minderwertigkeitskomplexe hinweist? Du gibst viel preis damit. Ist ja nicht das erste Mal, deine Überheblichkeit gegenüber schwächeren ...

Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 23.04.2023, 21:35

Pjotr, die ganze Sache hier hat mit mir persönlich überhaupt nichts zu. Und den Text habe ich auch nicht für Birke geschrieben, sondern für Frauen, die darunter leiden, ein hässliches Kind zu haben. Sie dürfen dies aber nicht öffentlich aussprechen, denn man würde, annehmen sie lieben ihre Kinder nicht. Alle würden sagen, was ist das nur für eine Mutter. Eine Mutter, die ihr Kind liebt, findet es auch nicht hässlich. Wenn nun diese betroffenen Menschen meinen Text lesen, in dem ja ein Tabu gebrochen wird, und prompt will die Ellie totstechen. Das ist wie einen Witz lesen, was befreit.
Und ob ein Kind hässlich ist, darüber herrscht im wahren Leben meist kein Zweifel. Sich hier jetzt theoretisch darüber auszulassen, führt doch zu nichts. Das ist eine komplexe Angelegenheit, und bringt mich hier auch nicht weiter. Ich entnehme also meine Recherschen aus dem prallen Leben. Und wenn ich Ellie hier nun so reagieren lasse, ist anzunehmen, das sie ihr Kind auch eigentlich als hässlich ansieht.

E.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 23.04.2023, 22:21

Hallo Epiklord, ich versteh' nicht so richtig, warum Du das Thema "hässliche Kinder" so in den Fokus stellst. Also mit diesem Text.

Wer sollte es überhaupt aussprechen wollen, dass er ein Kind oder sein Kind nicht schön "genug" findet? Klingt für mich einfach nur missmutig. Hat nichts mit Dir zu tun, aber Du hast es thematisiert, und da frage ich mich die ganze Zeit, warum.

Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 24.04.2023, 00:25

Du redest von "philosophieblind". Unsere unterhaltsamen Texte beinhalten ja Alltagsphilosophie. Wahrheit auf Kneipenniveau heruntergebrochen. Und es geht auch nicht um Sachlichkeit einer "akademischen" Untersuchung von Hässlichkeit. Hier geht es um Wahrheit und sich Belügen im Alltag. Man sagt ja auch "im Wein liegt Wahrheit". Meint natürlich keine philosophische. Und die Wahrheit über Gott, unseren Physikalismus und Geist können wir ja nicht so einfach erkennen wie ein hässliches Kind, aber auf Milieudeutsch herunterbrechen, wie ich es im zweiten Teil versuchte. Ich mag auch gerne Slapstick. Denk an das hässliche Entlein.
Man könnte auch fragen, warum muss das "Kleine Arschloch" sich einen Schlüpfer der Oma über den Kopf ziehen oder den Friedhof schänden. Da sagt doch auch keiner: Muss das sein?

E.

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 24.04.2023, 02:47

Epiklord hat geschrieben:Pjotr, die ganze Sache hier hat mit mir persönlich überhaupt nichts zu.

Deine Kommentare schreibst du aber schon selbst, nehme ich an.

Wenn du das "Leiden unter der Hässlichkeit" und deren Lösung thematisieren willst, dazu noch auf Stammtisch-Niveau, wie du selber sagst, dann nimm doch mal anstatt des lyrischen "Es" das lyrische "Ich" ins Visier. Schreibe in der Ich-Form über die eigene Hässlichkeit, den eigenen Leidensdruck, und die Befreiung. Wäre viel einfacher. Denn tief in die eigenen Abgründe blicken kannst nur du selbst. Dort kannst dann deine "Wahrheit" finden. Deine. Die kann dir keiner nehmen. Nur stülpe sie nicht anderen über.

Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 27.04.2023, 18:46

Amanita, du machst über einen Entstellten keine Witze. Ich schon. Sonst würde der Entstellte sich nicht ernst genommen fühlen. Dies ist ein psychologischer Umstand und kein normativ-logischer. Und einen größeren Spinner, als Pjotr, in Bezug auf die Kenntnis der eigenen Abgründe, habe ich noch nicht im Net kennengelernt. Musste mal gesagt werden.

E.

Nifl
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Beitragvon Nifl » 22.05.2023, 19:00

Danke Pjotr für deine Courage..
Da ist ein Spruch für Hundehalter, an den ich bei dieser Diskussion denken muss: Es gibt so viele Hunde auf dieser Welt, aber ausgerechnet ich habe den schönsten.
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 23.05.2023, 10:07

ja. ich muss die ganze zeit hier auch an das märchen aus russland (?) denken - "meine mutter ist die schönste frau der welt" -
hier zu finden https://www.rpz-heilsbronn.de/Dateien/A ... ssland.pdf
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

OscarTheFish
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Beitragvon OscarTheFish » 10.11.2023, 13:54

Mir gefällt das Stück in seiner Gänze. Der erste Teil skizziert vortrefflich die normopathische Gesellschaft. Die Gesellschaft als Komplex eingebildeter Gesunder, die sich im gegenseitigen Tolerieren hochzuschaukeln versuchen, flankiert mit einem durch Anspannung speichelverziertem weltgeschlossenem Lächeln. Er hat ein schrille allgegenwärtige Härte. Das Übertrumpfen im Steigern der grotesken Moralperversionen. Da passt das Weltall im Verlauf sehr gut. Ist es die Hochtemperaturhybris?

Ich sehe in dem Stück das Protokoll der letzten Jahre, das in einer Schleife weiterläuft auf dem Content-Delivery-Network einer verwesenden Fratzenrasse. Die programmatischen Variablen werden gefüllt aus einem Array der Verachtung.
Eine ehrliche traurige Allegorie, die es ernstzunehmen gilt?
Ein paar ausgewählte Werke zur Stillung weiterer Neugier:
AKUTES ABDOMEN, OBWOHL WIR BLIND SIND, SCHMUSEREI, MUCH ADO ABOUT FUJI.
Gedichte von: Der beste Dichter der Welt und XRayFusion.


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