guten tag lieber pjotr.
ok, wir bewegen uns hier im bereich von hypothesen, nachträglichen spekulationen, nach 80 jahren. die hypothese, die du vertrittst - und die ich persönlich für ziemlich unrealistisch halte, was aber unwichtig ist - ist menschlich, human motiviert und berechtigt.
gleichzeitig leben wir in einer realität, in der wir uns nach jahrzehnten des friedens in mitteleuropa (die kriege nach tod titos und zerfall jugoslawiens möchte ich dabei jedoch nicht 'vergessen') bereits wieder im krieg befinden - auch wenn wir in europa seit jahren 'schlafen', es nicht glauben können / wahr haben wollen.
wir hatten vor knapp 20 jahren hier den faden "krieg - du und ich", der geschlossen wurde/werden musste - und die grenzen dieses forums werden bei diesem thema bald erreicht sein.
es erscheint gruselig, wie individuelle entscheidungen, 'zufälle' wie wetterlagen etc, über das schicksal von so vielen menschen entscheiden können, und das auch tun. (kyoto wurde aus der liste der abwurfziele gestrichen, weil ein amerikaner, der das beeinflussen konnte, dort gewesen war.)
vor hundert jahren prägte/verbreitete kurt tucholsky den satz -
der tod eines menschen: das ist eine katastrophe. hunderttausend tote: das ist eine statistik!das ist nicht einfach nur zynisch - es bildet die grenzen unser psyche und unseres verstandes ab, empathie zu empfinden.
wusstest du, dass beim 'konventionellen' luftangriff auf tokio 9./10. märz 1945 mehr menschen starben und ein größeres gebiet verwüstet wurde, als bei jedem der beiden atombombenabwürfe?
die problematik beginnt klarerweise viel früher - in der bereitschaft, dem willen zu frieden oder krieg. keine seite kann alleine über frieden entscheiden. jede ausreichend machtvolle seite kann alleine über krieg entscheiden.
wenn man das nicht wahrhaben will wie europa in den letzten jahren, lebt man an der realität vorbei - um sich dann zu wundern, dass 'der krieg zu einem kommt'. ("stell dir vor, es ist krieg, und keiner geht hin. dann kommt der krieg zu dir.")
wollen wir die bilder sehen, wie etwa die "umkämpften städte" in der ukraine aussehen?
wollen oder können wir schicksale von hunderttausenden traumatisierten menschen vor augen haben, die in den krieg geschickt wurden, oder zu denen "der krieg kam"?
wir, die wir nach über zwei generationen in unseren familien noch die schicksale und traumaspuren des 'letzten krieges' sehen?
das ist das eine. das andere ist die "kriegslogik" - in der es 'rein' um militärische und politische ziele geht - darum, wie der krieg weitergeht, und worauf er hinausläuft. kein schicksal, kein leid - militärjargon, frontlinien und entwicklungen mit markerpfeilen. beispielsweise dieser aktuelle lagebericht der militärakademie des österreichischen bundesheeres:
https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=q9hq9UA9seI(ich glaube, dass dieser link seine berechtigung hat - es ist unser aller zukunft, die sich entscheidet. ich bitte aber darum, hier keinerlei politischen schlagabtausch zu beginnen - ansonsten muss der faden geschlossen werden.)