Stoffe

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Renée Lomris
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Beitragvon Renée Lomris » 22.06.2012, 22:04

Schockweise
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Worte, die ich nicht kannte, beunruhigten mich und ich hatte Mühe, mein Nichtverstehen zu ertragen. Als ich neun Jahre alt war, holte ich bei der wöchentlichen Bücherverleihaktion mutig und gleichzeitig voller Furcht ein Buch für Dreizehnjährige. Dieses in keinerlei Hinsicht bemerkenswerte Werk hielt mich mit dem Ausdruck « schockweise » Strümpfe Wochen und Monate lang in Atem. Ich musste das Buch sogar nahezu ungelesen zurückgeben. Eine entsetzliche Niederlage. Irgendwann löste sich das Rätsel, die Protagonistin, ein Mädchen bekam dutzendweise (hoch zwei) Strümpfe zugeschickt und nicht etwa eine mir unbekannte Form weißer Kniestrümpfe.

Den Stoff beziehen wir immer aus allem, jedenfalls nicht nur aus unausgereiften Gespinsten.
Zuletzt geändert von Renée Lomris am 19.07.2012, 22:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Renée Lomris
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Beitragvon Renée Lomris » 27.06.2012, 19:09

wahrscheinlich habe ich viele dieser Rotnuancen vergessen. Ich kann jetzt nicht umhin, daran zu denken, dass roter Stoff für mich eine besondere Bedeutung hat. Soweit ich weiß, war mein Taufkleid, das ich mit fünf Jahren trug, aus rotem Samt. Die Taufe war eine Art Nottaufe. Meine Mutter hatte meine Taufe hinausgezögert, da die notwendigen Operationen für das - obligate - Photo des Kindes noch nicht alle durchgeführt worden waren. Oder aber auch, weil Krankenhausaufenthalten der Mutter solche der Tochter folgten. Die wenigen Jahre zwischen dem Dezember meiner Geburt und dem Dezember des Todes meiner Mutter stelle ich mir vor als eine Abfolge von Krankenhausbesuchen und Krankenhausaufenthalten.

Rot war infolgedessen meine Karma-farbe, wenn man das so sagen kann.

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birke
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Beitragvon birke » 27.06.2012, 20:43

"Den Stoff beziehen wir immer aus allem" - JA! Wie wahr!

Ach, liebe Renée, berührend, das hier zu lesen; und ich lese dich gern.

Liebe Grüße
Diana
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Renée Lomris
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Beitragvon Renée Lomris » 27.06.2012, 23:04

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 28.06.2012, 00:04

Liebe Renée,

interessiert lese ich deinen Blog mit. Dein "roter" Text, als auch "die bunte Hose" finde ich sehr feinsinnig und authentisch geschrieben. Es geht an mich ran, regt mich an und bewegt.

Liebe Grüße
Gabi

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 28.06.2012, 00:42

Ja, ich möchte auch gern betonen, wie gern ich die Beiträge zum Thema "Stoffe" lese. Die Auseinandersetzung mit textilem Material ist ja auch bei mir ein Angelpunkt des Lebens. Die bunte Hose hat es mir besonders angetan. In meinem Kreis hatte jede so eine Hose, auch wenn sie nicht immer so bunt war und nicht abhanden kam.

Nachtgrüße von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

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Renée Lomris
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Beitragvon Renée Lomris » 28.06.2012, 07:59

Liebe Diana, Gabi und Anna, vielen Dank für die Ermutigung, ich werde also weiterschreiben, zum Thema "Stoffe" "Texturen"

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Renée Lomris
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Beitragvon Renée Lomris » 28.06.2012, 08:28

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Renée Lomris
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Beitragvon Renée Lomris » 30.06.2012, 16:49

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Gerda
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Beitragvon Gerda » 01.07.2012, 12:04

Liebe Renée,

ich habe hier sehr gern gelesen und gerade der letzte Text erinnert mich an meine ersten Theater-Laienspielversuche in der Schule. (Bei mir war es das weiße Nachthemd der Oma, weil ich einen Engel darstellen sollte).
Du bettest deine Erinnerungen in ein mir auch bekanntes Umfeld und verknüpfst sie mit jener Erfahrung, die sich im Laufe der Jahre, rückblickend eingestellt hat. Das gefällt mir. Es ist berührend und ein wenig aufwühlend, das zu lesen.

Liebe Grüße
Gerda

Hier sind mir zwei Kleinigkeiten aufgefallen:
Eine Dopplung, gelb markiert.
Mit "Smog" ist sicher "Smok" gemeint. http://de.wikipedia.org/wiki/Smok
Wie war es dann dazu gekommen, dass ich das blaue Kleid meiner Mutter trug? Von Gesprächen ist mir nichts in Erinnerung. Man hatte kein Geld. Was die Schule gebot, war Gesetz. Ein blaues Kleid musste her. Man hatte kein Geld. Die alten Kisten und Koffer lieferten endlich einige Kleider, alle schön, alle aus den leichten Stoffe der späten vierziger Jahre, als das Hungern gerade vorbei waren und die kriegsschlanken Frauen, egal ob sie ehemalige Nazis waren oder nicht, leichte im Gehen schwebende Stoffe trugen. Fließend und doch dem zärtlichen Streifen etwas Widerstand entgegenbrinegnd. Blau, mitSmog um den Halsauschnitt. Ein Damenkleid, ein Frauenkleid, zu dem ein Hütchen mit Schleier besser gepasst hätte, als der weiße Schal und das Kind.
Der Klügere, der nachgibt, ist der Dumme. ©GJ2011
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Renée Lomris
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Beitragvon Renée Lomris » 01.07.2012, 12:11

Liebe Gerda,
ja, danke, das sind bestimmt nicht alle Kleiigkeiten, die noch bemerkt werden können.

aber ... sehr wichtig, ich möchte auf solche Anmerkungen nicht mehr verzichten, denn die Genauigkeit der Sprache ist letztlich das, was uns allen wichtig ist.

Und danke für dein Lob.

Herzlich
Renée
PS wird natürlich bearbeitet!

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Renée Lomris
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Beitragvon Renée Lomris » 01.07.2012, 21:00

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Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 04.07.2012, 14:36

Was für eine schöne Idee, zu Stoffen zu schreiben, einen literarischen Blog Stoffe zu nennen ist ja ohnehin sehr gerissen. Und die einzelnen Stoffstücke gefallen mir auch. Sehr.

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 04.07.2012, 15:11

"gerissen" passt gut in diesem Zusammenhang ... :pfeifen:
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)


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