Fragmente

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 22.02.2016, 22:56

Dieser Blog ist rein egoistischer Natur.
Literarischer Anspruch besteht nicht.
Ich möchte darin einfach nur die Aufzeichnungen, die mich täglich begleiten, niederschreiben.
"Tagebuch" wäre falsch, aber auch richtig.

Ich wünsche keine Kommentare.

Ich möchte das nur für mich ganz allein betreiben. Bitte respektiert das.
Wer sich darüber austauschen mag, möge mich privat anschreiben.

Danke fürs Lesen.
Zuletzt geändert von Thomas Milser am 22.02.2016, 23:26, insgesamt 3-mal geändert.
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 22.02.2016, 23:01

Fragmente

Nicht weggeschmissene Gedanken




Wie lange dauert eine Stunde im Sumpf? Wir sollten uns nicht mit Nacktschnecken messen. Die können meterhohe Mauern überwinden.
Es scheint fast so, als wollte der Knöterich uns zum Straucheln bringen. Wir müssen die Füße sorgsam heben. Und auf unsere Fesseln achten.
Sind das dort Brotkrumen auf dem Amboss?

***

Ich sollte nun die gelbe Kugel ganz leicht mit Rechts-Effet anspielen, dann wäre die Partie doch beendet, oder?

***

Wenn du das Deodorant wegließest, wäre ich dir noch etwas näher.
Und Seltsamkeit ist nur eine Überinterpretation der Wahrnehmung, ebenso wie die Lüge.

***

In Masuren läuten deine Hochzeitsglocken, während ich die Staubfasern von unseren Kopfkissen inhaliere. Ich hätte sie vorher nur einmal kräftig ausschütteln sollen. Und die Bezüge waschen. Habs versäumt zur Hoch-Zeit.

***

Die Brombeere an der Straße ist noch zu sauer. Es bedürfte eines Sommers.

***

Wieso die Fußmatte immer nach links rutscht, weiß ich auch nicht. Sollen wir Photos von damals anschauen? Ich mag die Art, wie du schnippisch wirst.

***

In grünen Seen könnten wir – ganz nackt – die Lösung finden.

***

Das Glas mit dem Sprung sollten wir besser nicht verwahren. Und wachsam sein, wenn wir das Gyuto abtrocknen.
Ich glaube nicht, dass es Spinnennetze gibt, aus denen sich ein Mensch nicht befreien könnte.
Schau mal, auf dieser Seite bieten sie virtuelle Tiere an. Ich wünsche mir doch schon so lange einen Ziegenbock.
Nein, die alte Frau von nebenan habe ich auch lange nicht mehr gesehen.

***

Früher rochen die Sonntage nicht so sehr nach Brennspiritus.
Wir sollten es bei den Provisorien belassen. Dann fällt die Trennung nachher nicht so schwer. Oder der Tod. Was macht dich so sicher, dass es einen weiteren Sommer geben wird?

***

Die Leute in den Großstädten fühlen sich immer so überlegen ... dabei können sie von da aus (vor lauter Dunst) nicht einmal die Milchstraße sehen.
Dieser Pfirsich kommt mir irgendwie zärtlich vor. Es ist schön, unter freiem Himmel zu onanieren. Sekundenbruchteile unterscheiden sich nicht wesentlich von Ozeanen.

***

Wie heiß es in dir war.
Es ist noch was vom Pfirsich über.

***

In den Frühträumen ist es so, als überschreite man für einen Moment die Grenze, als gelange man kurz ans andere Ufer. Das Waten zurück wird aber jeden Morgen mühsamer.

***

Man hört kaum noch Amseln. Wir sollten die streunenden Hauskatzen einfangen und in der Regentonne ersäufen. Ich ertrage ihre Überlegenheit nicht.

***

Die Elstern sollten wir auch abschießen. Verfluchtes Gezänk!
Es war ein gute Idee, die Flagge von Juist hier zu hissen. Wenn du die Augen schließt und dem Wind zuhörst, ist es wie am Meer. Man kann überall am Meer sein.
Hab wieder die Photographien angeschaut von dir, und mich auf die Insel geträumt.
Die Festung von Schloss Glücksburg lässt sich mit einer Handvoll Bogenschützen einnehmen. Sie haben die Reichweite unserer Pfeile unterschätzt.

***

Von den Äpfeln, die ich manchmal kaufe, esse ich immer nur einen. Die restlichen lege ich zum Verfaulen hin.

***

Die anderen Burgen sind auch nicht viel besser. Mit ein paar Streitkolbenkämpfern in der Hinterhand kannst du sie alle aushebeln.

***

Warum ich die Aussetzer und Doppelschläge meines Herzens ignoriere und nicht damit zum Arzt gehe? Nun, es hat einen gewissen Reiz, gegen einen übermächtigen Gegner anzutreten. Stell dir mal vor, was das für ein Coup wäre, wenn es mir gelänge, das Remis bis kurz vor Schluss zu halten und dann über die rechte Außenbahn einen Touchdown durchbrächte.

***

Ich möchte nie mehr fliegen.

***

Dieser Tag ist wie das Möbiusband, was ich heute zusammenklebte. Am Ende ist man wieder am Anfang, nur verdreht.
Ansonsten Sauerkonserven und Vollkornbrot.

***

Hab die Gedichte, die von dir handeln, weggeschickt. Sie sind aber immer noch hier. Ich sollte vielleicht die Manuskripte im Garten vergraben und die Festplatte löschen. Das wäre ein bisschen endgültiger. Macht es einen Unterschied, ob ich diesen Schnaps noch trinke oder nicht?

***

Zeit, den Schmerz ins Haus zu bitten. Er hockt schon so lange reglos unter dem Rhododendron.

***

Nachtschweiß mindert das Wohlbehagen nicht. Erst, wenn er kalt geworden ist. Und uns der Mutterleib wieder ausspuckt, in die fröstelnde Dämmerung.

***

20 am Tag * 30 Jahre = 219.000. Wieviele sind genug?

***

Entschuldige, dass ich dich nur benutze.

***

Die Tage werden kürzer. Die Nächte auch. Das dazwischen wird länger.

***

Wir sitzen wieder wie vor 25 Jahren auf dem Balkon auf der Brückenstraße, im vierten Stock, hinten raus, zum Parkplatz von Schätzlein, und sehen den Autos beim Rangieren zu, und den Einkaufswagen beim Klimpern, während Lutz hinten in der Wohnung in die Dusche kotzt. Weil er es wieder mal nicht bis zum Klo geschafft hat.

***

Es gibt uns aber nicht mehr.

***

Beim Brennholzspalten entstehen manchmal kleine Spielzeugfische, mit Augen und Flossen. Diese beiden hier könnten ein Forellenpaar sein, findest du nicht? Nein? Lass uns die Kinder fragen.

***

Ich gelange nur über diese Treppe zu dir.

***

An guten Tagen können wir den Tisch mit zwei Aufnahmen abräumen. Heute müssen wir mal die Pomeranzen mit Schulkreide schmieren. Dieser Einbänder war genial.

***

In einem Kreis gibt es keine Verstecke.

***

Wir füllen Pokale mit Brackwasser und setzen Goldfische rein.

***

Heute hatte ich zum ersten Mal eine dieser dicken Hausspinnen auf der Hand. Anstatt sie mit der Duschbrause in den Abfluss zu spülen, habe ich sie einfach hochgenommen und angeschaut. Sie hat ängstlich ausgesehen, und saß ganz still. Unvermittelt lief sie dann meinen Arm hoch, und da habe ich die andere Hand genommen, um sie davon abzuhalten. Das ging einige Male so, rechts und links, bis ich sie einfach auf dem Hof vom Arm schüttelte und die Tür hinter mir schloss.
Es ist etwas anderes als Ekel.

***

Jetzt verschieben sie wieder die unterirdischen Aparaturen. Du kannst es hören, wenn du dein Ohr ganz fest an den Kanaldeckel (die Erde) drückst.

***

Blut. Überall ist Blut.

***

Muss ein Scheißgefühl für dich gewesen sein, als ich bewusstlos auf deinem Schoß lag und mein Blut über deine Hose lief. Entschuldige. Normalerweiser passiert mir sowas nicht.

***

Du liebst nicht.
Du weißt nichtmal, was das ist.

***

Ich habe mir eine Bürste mit einem langen Stiel gekauft, für den Rücken. Damit ich deine Hände nicht mehr vermisse.
Das Wasser war heute so heiß, dass meine Haut ganz gerötet ist. Ich konnte aber nicht damit aufhören, mir die Brause in den Nacken zu halten und sie ganz langsam in ihrer Neigung zu verändern, so dass sich das Wasser immer neue Bahnen über den Rücken suchte. Es war, als liefe flüssiges Wachs an mir herunter.

***

Sperma trocknet langsamer als Blut.

***

Die Tage, an denen es nicht hell werden will, sollte man nutzen, um die Lebensarchive fortzuführen. Damit diejenigen, die hinter uns aufräumen müssen, es einfacher haben.

***

Immer noch eitern Glassplitter aus meiner Haut. Ich spüre keinen Schmerz. Nur das Bedürfnis, etwas abstoßen zu müssen. Diesen Schorf muss ich auch nochmal abziehen. Es ist noch etwas darunter.

***

Man kann nicht noch einmal von vorne beginnen.

***

Heute Nacht konnte ich die Ratten in meinen Abwasserleitungen nagen hören (ich hatte immer vermutet, dass die Gefahr von innen kommt). Ich wurde wach davon.
Aber es bedarf erst des Nebels, um die wirklich leisen Geräusche wahrzunehmen.

***

Das Jahr weiß nicht, dass es ein neues ist.

***

Es kommen tatsächlich frische Triebe aus dem Erdreich. Ich hatte nicht mehr damit gerechnet.

***

Es spielt keine Rolle, was in der Mitte ist. Auf die Ränder müssen wir achtgeben.

***

Nein, Schatz, ich kann dir kein aktuelles Photo schicken. Es gibt keines. Jedes Bild zeigt einen Moment nach seiner Belichtung bereits die Vergangenheit.

***

Das entscheidende Buch steht wahrscheinlich noch ungelesen im Regal. Kann jetzt nur noch Fjodor oder Franz sein. Oder das mit den verschiedenen Knoten.

***

Nein, ich werde die alten Sachen noch einmal nähen lassen.

***

Das Erwachen ist sechzehntausend blassgelbe Quadrate.

***

Das Hartholz klingt wie eine tiefe Glocke, wenn sie es ins Wattenmeer rammen. Sie machen aber später keinen Glauben daran fest.

***

Auf den Kneipenklos hängen sie immer getönte Spiegel auf. Dann ist die Illusion perfekt, dass man sich gut fühlt.

***

Unter den Straßenlaternen werfen wir immer zwei Schatten: Einen langen blassen, der uns weit vorauseilt, und einen kräftigen kurzen, der uns von hinten einholt und dann neben uns herläuft.

***

Wieder kein Obst gekauft. Nur geraucht und auf den Stillstand gehofft.

***

Aber nichts hält inne.

***

Ich weiß nicht, warum ich den Koffer immer noch nicht ganz ausgepackt habe. Ich glaube diesen Wänden nicht mehr. Schau, da ist noch Sand unter dem Buch über Ebbe und Flut.

***

Ich schlage nicht mehr nach den Fliegen. Jedes Mal, wenn du sie nicht triffst, wirst du dir mehr deiner Ohnmacht bewusst.

***

Ich will das Wiesenheu wieder riechen.

***

Sie sollten jeden Tag Bomben in der Nachbarschaft entschärfen. Es ist so wunderbar still.

***

Wann eigentlich haben die Bewegungen aufgehört? Seit ich unter diesem Bett bin, herrscht Tag- und Nachtgleiche. Hinter der Fußleiste fand gerade eine Scharade statt, aber ich kam nicht auf die Lösung. Eine der Assseln trug ein silbernes Hochzeitskleid, dessen Schleppe sich mit den Teppichfasern verwoben hatte. Eine andere sang Kantaten dazu, und die dritte bot Schaltjahre feil.

***

Man kann die Sägespäne in der Raufaser zählen. Das bringt wieder ein paar Minuten.
Die glücklichen Tage hatten wir morgens immer mit Kaffeeweißer angemalt.

***

Hinter den Vorhängen weiß ich die Zeitspinnen. Sie scheiden jetzt unverdauliche Momente aus. Ob ich ihnen etwas Kupfergeld geben sollte für ihre Dienste?

***

Ich würde so gerne noch einmal unter deiner Brust sterben.

***

Weißt du noch, wie ich nachts mitten im See aus dem Schlauchboot steigen musste und dich zur Insel schieben, weil wir ein Leck hatten?
Als das Gewitter kam, haben wir uns unter die Malerfolie gelegt, und dein Unterleib hat uns beide gewärmt.

***

Der Pfad ist zugewachsen. Man müsste durch Dornen.

***

Ich habe mir immer gewünscht,
dass du mir mein Herz zurückgibst.
Inzwischen möchte ich, dass du es behälst.

***

Ich benutze immer noch die Reisezahnbürste. Als ob es bald weiterginge.

***

28/08/2008




Wenn du dir morgens aus den Kippen im Aschenbecher eine Zigarette drehst schmeckt es, also ob du die Gedanken von gestern noch einmal rauchen würdest.

***

40 Sorten Grau. Such dir eine aus.

***

Die Geräusche ändern sich. Der Klang bleibt gleich.

***

Wir sollten bald die Beete anlegen. Die Erde ausbringen. Bevor der Herbst kommt. Nein, ich werde nichts anpflanzen. Du musst nur warten.

***

Was ist schon dabei, mit einem Regenschirm auf dem Fahrrad nach Hause zu fahren? Lass die Leute doch lachen. Hör mal, das Feuerwerk. Sie feiern wieder ihre eigene Sinnlosigkeit. Ist es nicht schön, wie der Regen jetzt auf unser Zelt prasselt?

***

Immer wenn ich diese Sanddorn-Marmelade esse, kann ich wieder die wettergegerbten Holzplanken unter unseren nackten Füßen spüren. Damals hast du die Beere ausgespuckt, die ich dir zwischen die Lippen gelegt hatte, weil sie dir zu sauer war. Möchtest du jetzt einen Löffel davon? Die hat unser Pensionswirt selbst eingekocht, und sie ist ganz süß. Und ein bisschen bitter.

***

Den letzten Rest lasse ich im Glas, als Andenken, und stelle ihn in den Kühlschrank zurück. Zum Verschimmeln.

***

Es gibt gar keine Farben, Liebling. Nur eingesperrtes Licht.

***

Diese Wohnung ist ein Museum.
Spürst du auch, wie es kühler wird?

***

Die Tage fühlen sich jetzt an, als vertrockneten sie unter mir. Ich sollte in den Regen hinausgehen.

***

Ich habe diese Türe schon so lange nicht mehr geöffnet.

***

Überall stehen die Männer in den Hauseingängen. Sie rauchen Löcher in die Zeit.

***

Wir haben die Butter vergessen.

***

12/09/2008



***

Man muss die Jalousien langsam öffnen. Sonst bricht der Tag so schnell über uns herein.
Der Küchenschrank ist zu voll geworden. Welche von den Tassen würdest du zuerst wegwerfen?

***

Hinter den Bergen spielen sie wieder Schöpfung. Vielleicht haben wir Glück, und es misslingt dieses Mal.
Du brauchst dich nicht zu fürchten. Nach dem Tod wird es so sein wie vor der Geburt.

***

Ich habe jetzt mit dem Einmauern begonnen. Zuerst die Fenster. Die Türe lasse ich offen bis zum Schluss. Du musst dich beeilen, wenn du noch hinein möchtest.
Die Leitungen werde ich bald trennen.

***

18/09/2008



Die Nachrichten, die noch hereinkommen, sind nicht für mich.

***

Die Meisen sind wieder da. Ich habe sie den ganzen Sommer nicht gesehen.

***

Diese Gartenmauer hatte ich einst errichtet, damit die anderen dahinterbleiben. Nun ist es so, als sei ich dahinter. Sie sieht ein bisschen aus wie ein sinkendes Schiff, findest du nicht?
Ich werde sie wahrscheinlich nicht zu Ende bauen. Noch kann man hinüberschauen.

***

Man muss den ersten Kampf gewinnen. Den letzten verliert man immer.

***

Du siehst schlecht aus. Versoffen, und aufgedunsen. Ich auch, nur nicht so schlimm. Die Jahre haben nicht auf uns gewartet. Auf dich nicht und auf mich nicht. Ich komm jetzt in dir, ja?

***

Gerade in der Kneipe kam eine Frau herein, die mir eine Tüte voll Lebensmittel für 4 Euro verkaufen wollte. Brote und Käse in Plastik, schlechte Kartoffeln, Massentierwurst. Und De Moriaan-Tabak von Aldi. Der käme 3 Euro extra. Ich sagte ihr, ich esse und rauche solche Sachen nicht. Sie soll was Anständiges klauen.

***

Allein.

***

Morgen. Alles morgen.

***

Der Schärfebereich ist jetzt hinter der Oberfläche, in den Kristallen. Trotzdem kann ich die Figuren steuern. Es genügt, zu wissen.

***

Heute ist der Tag, um sinnlose Dinge aus dem Haus zu tragen und hinter den Heizkörpern nach dem Verlorenen zu suchen.

***

Weißt du, ich kann mir die Dinge so gut vorstellen, dass ich keinen Sinn mehr darin sehe, sie auszuführen. Es gibt einen Indianerstamm, der deswegen nie Krieg geführt hat.

***








Fragmente ab Okt/2014


Ich erschlage die Wespen jetzt. Es werden zuviele im Haus. Sie kommen durch ein Loch in der Decke. Das habe ich jetzt mit nassem Papier ausgestopft.

***

Sie haben ein neues Loch gefunden. Ich muss auf den Winter warten.

***

Das Glück ist jetzt nur noch als Prämie zu erhalten. Du musst erst Schmerzpunkte sammeln, um es zu bekommen.

***

Heute habe ich das schöne Knoblauchtöpfchen aus gebrannter Erde umgeworfen. Ich stehe vor Scherben.

***

Vielleicht kann man alles noch einmal kleben.

***

Ich ficke nicht mehr. Ich schreibe keine Texte mehr. Spiele keine Gitarre.
Ich dusche noch seltener, wasche mich stattdessen jeden Tag. Ich rieche nicht unangenehm.
Aber ich gehe nicht mehr durch den Wald, am Rhein entlang, dahin, wo Menschen sind.
Ich male nicht, ich zeichne nicht, ich photographiere nicht. Entwickle nichts.
Mal sehen, ob ich den Hof gefegt bekomme.

***

Kiffen hilft.

***

Und aufräumen.

***

Die Schorchelausrüstung brauche ich wohl auch nicht mehr.
Ich kam mal 7 Meter tief, damals, in Instrien. Ich war mitten in den Fischschwärmen.
Wir waren von den Klippen gesprungen.
Keinen Fisch habe ich berührt. Und doch alle.
Und die Muräne lachte aus ihrem Loch.

***

Brian Conolly. Teeniestar meiner Jugend.Tot.
Marc Bolan. Teeniestar meiner Jugend. Tot.
Kurt Cobain. Feingeist, zerbrechlicher. Tot.
Fran Zappa. Politiker. Bester Komponist des 20. Jh. Tot.
Ronnie James Dio. Geschichtenerzähler. Tot.
Hab gerade noch ein Konzert gesehen, mit Sabbath, 2010, als ob nichts wäre.

Loriot. Tot.

Udo Schepers. Zweiradmechnaiker, Mitte 50. Tot aufgefunden, in seiner Wohnung, ziemlich verwest.
Wir kannten uns.

Zwei Wochen vorher haben wir noch
seine Scheiße
weggemacht
als er in der Kneipe
kollabierte.

Dass er sterben würde
hatten wir nicht geahnt.

***

Nach dem Kleben muss man es beischleifen, mit 400er Körnung. Die Narben bleiben, aber die Kanten sind nicht mehr so scharf.

***

Zu viele Wasserschäden. Alles schimmelt.

***

Wenn das Ende auf uns kommt, möchte ich noch einmal nackt sein.

***

Um eine wirklich gute Idee zu haben, muss man glücklich sein. Oder in Not.

***

Da ist noch Blut an der Türklinke.

***

Heute habe ich trockenes Laub in meinem Badezimmer verteilt. Ich muss spüren, dass Herbst ist.

***

Hinter allen Mächten steht etwas Einfältiges. Es ist so einfach, sie zu durchschauen.

***

Das Laub kann ich wohl jetzt wieder wegräumen. An den Bäumen ist auch keines mehr.

***

Winter.

***

Wie mag es wohl sein, aus einem Fenster zu springen?

***
Zuletzt geändert von Thomas Milser am 08.12.2017, 23:33, insgesamt 1-mal geändert.
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

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Beitragvon Thomas Milser » 22.02.2016, 23:11

Nachtrag Juist 2011/12


***


24.12., Heiliabend

Einfach gehen,
nichts wollen.


25.12., 1. Weihnachtstag

Die Richtung ist klar.
Dahin, wo niemand ist.


26.12., 2. Weihnachtstag

Deine Brüste angeschaut
und mir den Schwanz eingerieben
mit heißem Kaffee.
Die Barfußspuren des Eismädchens
waren nicht mehr da,
aber im Dämmerungswald war es

mild
und
rotbraun

und ich hatte Lust,
in den Sumpf zu waten.


26.12.

Wieder deine Brüste. Ich muss
meinen Bildschirmschoner ändern.
Schlafen. An nichts

denken.

In warme Küchen gehen, zu den
anderen Männern.

Wie warm die erste Zigarette ist
nach 4 Tagen.
Wie belanglos alle danach.
Es wird wieder vier Tage brauchen.


28.12.

Zitat Stan Laurel kurz vor seinem Tod:
"Wer bei meiner Beerdigung weint, mit dem rede ich kein Wort mehr!"


29.12.

Geburtstag. Aha.
Vier Dutzend.
Zwei Drittel rum,
wenn alles gut läuft.
Schlichte gekotzt, aber Ardbeg geht.
Wieder Tabak gekauft.
Wir könnten jetzt kiffen.
Ist aber egal.

***

Gegenwind ist nur im Gehen angenehm.
Beim Radfahren gegen Böen nicht.

***

Ich brauche ein
Metallsägeblatt
mit T-Aufnahme,
für die Gitter.

***

Eine tote
Robbe
ist immer noch
schön.

***

Zitat Sinnspruch Heinz Tröbinger:
"Gedulde dich,
und mische inzwischen
die Karten."

***

Doch noch gekifft
heut' Nacht.
Bei Regen und Sturm,
dass man absteigen musste,
ins Loog gefahren.
Um halb Vier zurück,
mit Rückenwind wie Kerosin,
und beim Wirt brennt noch Licht,
Fahrrad dankend zurück,
ein Bier noch,
was?

***

Ich schaue nachts nicht
in die Fenster anderer Leute.

***

Wollte zum Dünenfriedhof gehen nachts.
2 falsche von 3 möglichen Wegen genommen.
Nicht angekommen. Ich bin zu früh.
Der Reißverschluss von der Scheißjacke klemmt,
muss nach Hause.

***


30.12.

Heute nichts erlebt.


31.12.2011, Silvester

Du kannst den Zerfall nicht aufhalten.
Du kannst ihm nur

begegnen.

***

Ich muss mir merken, wo dieses Stück Holz liegt.

***

01.01.2012, Neujahrsnacht, 02:00 Uhr

Wieder allein.
In den Kneipen singen sie
Schlager.
Diesmal Camel ohne gekauft,
weil's keinen Tabak gab.
Alles ist im Nebel,
im Echten und im Falschen.

***

Den Sekt habe ich
mit einem polnischen Jungen geteilt;
er war ganz schüchtern.
Er hat gelacht, als ich
kocham cie
sagen konnte.

***

Hab die Türe
unverschlossen gelassen.
Als ob noch jemand käme.

***

Spüre die Liebe wieder.
Nach elf Jahren.
Dieselbe.

***

0048 ist Polen.

***

Ich bin jetzt 48 Jahre alt,
und habe gestern zum ersten Mal im Leben
eine Spülmaschine bedient.

***

Kartoffeln, Möhren, Speck mit Zwiebeln, Kümmel und Muskat.
Dazu Mettwürste.
Das habe ich.

***

01.01.2012, Neujahrstag, 16:00 Uhr

Ich habe das Sofa aufgeschlitzt.
Prost Neujahr!

***

02.01.

Der Mittelpunkt im Kreis
ist der Schnittpunkt
der Winkelhalbierenden
zweier beliebiger Sekanten.

***

Nur auf den Beinen bleiben.

***

Endlich neue Spuren
des Eismädchens.
Diesmal nur Flügelschläge.

***

03.01.

Nicht geraucht.


04.01.

Nicht geraucht.


05.01.

Orkanstärke 12.
Morgen wäre ein guter Tag,
um nach Schiffbruch
Ausschau zu halten.


06.01.

Es dauert eine Weile,
bis man das Meeresrauschen
nicht mehr
für die A 59 hält.


07.01.

Das Stück Holz nicht wiedergefunden,
nach dem Sturm.
Dafür ein anderes,
kurz vor dem Hagel.
Man müsste es

bergen.

***
Zuletzt geändert von Thomas Milser am 23.02.2016, 09:19, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon Thomas Milser » 22.02.2016, 23:24

17/II/2016
(Ein Tag am Rhein)


***

Die Gedanken sind
Lichtspiegelungen auf dem Fluss.

***

Die Waden werden nicht davon müde, dass man sie zuviel anstrengt,
sonder zu wenig.

***

Laufen.
Einfach laufen.

***

Wir denken viel zu oft
über den Heimweg nach,
bevor wir losgehen.

***

Es spielt keine Rolle,
wohin du läufst.
Wichtig ist, dass.

***
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Beitragvon Thomas Milser » 27.09.2016, 12:45

08/VI/2016
(Black-Sabbath-Konzert, Waldbühne Berlin)



***

Alle waren gekommen.
Alle 20.000.
Um Lebewohl zu sagen.

***

Ich kann nicht schreiben.
Ich sehe nichts.
Weil ich weine.

***

Die Töne stehen in der Luft.
Man könnte nasse Wäsche daran aufhängen.

***

Ganz schnell.
Und ganz ganz langsam.

***

Seltsames Gefühl,
dass man so etwas nie wieder hören wird.

***

Children of the Grave.

***
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Beitragvon Thomas Milser » 27.09.2016, 12:48

Ab 2016



***

"Lorbeeren stechen, wenn man sich darauf legt."
(Wolfgang Joop)

***

Die Wäschestücke sortiere ich jetzt immer schon auf dem Trockenständer nach Art und Farbe. Nach der Reihe der T-Shirts – von schwarz über die Brauntöne hin zu olivgrün – muss immer die dunkelgrüne Unterhose von Schiesser hängen.
Wenn keine Ordnung in das Große zu bekommen ist, müssen wir im Kleinen beginnen.

***

Der leuchtendrote Schlafanzug passt gar nicht in die Reihe der gedeckten Erdtöne.
Jedes Mal beim Wäscheaufhängen stört er mich in der Komposition. Ich würde ihn ja wegwerfen, aber er ist noch nicht genug verschlissen.

***

Zuerst wollte ich ja aus dem abgebrochenen Ast der Kirsche Gartensitze für uns machen. Mittlerweile mag ich das Bild, wie er daliegt und die anderen Sträucher zerschlagen hat. Außerdem gefällt mir der Begriff "Totholzwiese" so gut.

***

Manchmal wünsche ich mir die Wut zurück.

***

Es hat keinen Sinn mehr, sich zu betrinken.
Rauchen auch nicht.
Aber es besänftigt.

***

Die Tage verlaufen jetzt alle gleich.
Ich beginne sie erst gar nicht.

***

Die schönsten Dinge sind die zerbrechlichen.
Du kannst es an den Eiskristallen sehen, am Schmetterling, an der Liebe.
So ist es auch mit unserem Leben; wir gewahren es nur nicht.

***

Der Mond erscheint mir zu nah,
als dass es schwierig sein könnte,
ihn zu erreichen.

***

Heute stand mein Fahrrad unter Linden.
Es ist gar nicht staubig.
Es ist voller Blüten.

***

Ich werde jetzt
eine Liste erstellen
von all den Dingen
die ich in meinem Leben
nicht mehr tun werde

***
Zuletzt geändert von Thomas Milser am 08.12.2017, 23:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Thomas Milser » 08.12.2017, 23:28

Ab September 2016




"Die wenigsten wissen, dass auch das Nichtschreiben
die Frucht langer und mühseliger Arbeit ist."
Anton Kuh (1890-1941)

***

"Die Hölle? Das sind die anderen ..."
Charles Bukowski (1920-1994)

***

Ich werfe jetzt jeden Tag drei Dinge weg. Heute waren es schon 201.

***

Heute habe ich alle meine alten Aufzeichnungen zusammengesucht und in den Safe geräumt. Es waren Geschichten und Comics in Heyda-Heften dabei, die hatte ich mit 10 Jahren gemacht. Mit Selbstportraits aus dem Passfoto-Automaten, auf denen ich spannende Abenteuer dokumentiert hatte, mit selbstgebauten Lego-Waffen. Schau mal hier, da hatte ich den ersten englischen Liedtext für meine Teddybären-Band geschrieben.

***

Und da steht die Reihe mit meinen Lyrik- und Prosabänden, und alle Skizzenbücher der letzten 25 Jahre. Und die CDs und Cassetten, die wir mit den Bands aufgenommen hatten. Als alles noch wild war, und wir unsterblich.
Mein Leben befindet sich jetzt in drei Stahlschränken.

***

Heute habe ich alle alten Pfennig-Münzen, die seit Ewigkeiten in dem Holzschälchen herumliegen (es waren 11,12 DM), für 1,45 Euro Porto an die Deutsche Bundesbank geschickt, damit ich das auf meinem Konto gutgeschrieben bekomme. Ich konnte das Geld einfach nicht wegschmeißen. Das hätte bestimmt Unglück gebracht.

***

Ein guter Anfang ist, überall im Haus das Licht anzumachen, und verschiedene Dinge vom Fußboden aufzulesen.

***

Nein, diese braunen Flecken gehen nicht mehr ab. Wir haben die Tassen zu oft ungespült herumstehen lassen.

***

Hunger ist doch auch nur eine falsche Wahrnehmung.
Im Grunde sind wir satt.
Mit einer Zigarette verschwindet er auch wieder für eine Weile.

***

Es ist keine Müdigkeit.
Es ist Überdruss.

***

Jetzt durchwühlen sie schon abends das Altpapier. Ich hätte den Diercke-Weltatlas da nicht reintun sollen.

***

Ich will keine Rauchmelder. Wr sagt denn, dass das, was nachher kommt, besser ist?

***

Hoffentlich fallen die Blätter, bevor die Stürme beginnen. Der Stamm ist morsch.
***

"Solange die Schreibmaschine noch rattert, ist das Leben noch lebenswert. Wenn die Worte nicht mehr kommen, kannst du's vergessen."
Charles Bukowski (1920-1994)

***

Wie kommst du nur darauf, dass irgendetwas von Belang sein könnte? Schau nach oben in die Sterne. Es ist alles nur Zufall.

***

Warum sollen wir noch an die Sonne gehen, wenn alles im Dunkeln liegt?

***

Heute war es so, als erwachte ich - am helligen Tag - inmitten meiner Gedichte von früher. So wie Samweis Gamdschie, der glaubte, im Land Lothlorien inmitten eines Liedes zu sein.

***

Das erste Duschen nach 10 Tagen war wie erwartet: Das Wasser blieb klar. Der wahre Schmutz löste sich nicht.

***

Ich brauche all diese Dinge nicht.

***

Ich bin wieder ein kleines Kind an der Trinkhalle, wenn ich diese Schaumerdbeeren im Mund spüre.

***

Im neuen Jahr werde ich mir jeden Morgen den Wecker stellen,
genau auf Sonnenaufgang.
Jeden Tag anders.

***

Scheint so, als wären wir zu nah ans Feuer geraten.
Damals.

***

Die erste Lüge ist die schlimmste.
Sie zerbricht sogar die Liebe.

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Ich hätte nie gedacht, dass es jemals
für irgendetwas
zu spät sein könnte.
Man muss die Wunden freilegen.

Jetzt.

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Du darfst denen aber nie zeigen, dass du blutest.

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Komm, lass uns diesen Kieselstein werfen.

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Wenn wir ganz still sind, können wir der Zeit bei der Arbeit zuhören.

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Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)


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