Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

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birke
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Beitragvon birke » 03.11.2019, 18:18

du, zwischen uns steht
keine jahreszeit
nur ein dünner hauch
stoff, seidenspinner,
wortspinner, wie sehr
ich diese verrücktheiten
liebe, diese gesten
gehen und bleiben
wie es beliebt
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nifl
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Beitragvon Nifl » 03.11.2019, 21:22

Ein Ich aus Überschriften

die Renaissance meiner Romantik

ein Nerv der zu den Zehen zieht
(du triffst)

wir werden nicht weniger zusammen
(finden uns tastend)

Nachwort:
du wackelst mit deinen Texten
ich spanne meine Großbuchstaben
so würden wir Einheitsbrei (lach nicht)
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 03.11.2019, 22:11

und doch lach ich
und wackle
vom kleinhirn
zum Großbuchstaben

spannt sich eine saite

auf ihr zupf ich
liebeslieder
spürst du
den beat
derunszusammenzieht?
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Beitragvon Nifl » 04.11.2019, 18:49

Inter:beat

Der Raum wird Klangschale
läuft mir über mit Gefühlvoll
im richtigen Drehmoment
tanzt das Licht
dimmt auf Körpertemperatur
taucht uns ins Wechselbad
zwei hautnah
streichen und zupfen
der Herbst hat einen Hang zum Kitsch
weicher und weicher
im Winter dann Glitzer
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 04.11.2019, 23:32

setzt du worte
herbstweich (nicht)
in den wind
finden sie mich
mühelos
in meinen händen
gedreht und gewendet
wandeln sie sich ich mich
du dich, wortspieler
beatnecker
lichtmaler
wie alles seinen platz findet
in mir
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nifl
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Beitragvon Nifl » 05.11.2019, 19:13

Hand in Hand verwehen

Machst mich zum Leichtmatrosen
aus Flötentönen knüpfen
wir Segel zusammen
bunte Tücher flattern
trocknen das traurige Laub
entführen den Herbst
Richtung Süden
mischen wir uns
unter Zugvögel
schwärmen
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 05.11.2019, 22:43

hand in hand vergehen

vor wohlgefühl
beflügelt
den herbst umschreiben
zum süden
setz die segel, leichtmatrose!
lass uns (aus)schwärmen
mit dem wind
zu neuen ufern
wo die muse
uns küsst und ich dich
musikuss nenne
wie die töne uns tragen und der wind
uns zugeneigt
schreibt sein eigenes
gedicht über gefilde, laue abende
irgendwo
im wort
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nifl
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Beitragvon Nifl » 07.11.2019, 14:28

Schriftlich lächeln

Lockst mich aus der Versenkung
dass wir uns einrichten im Gefilde
später nach der Anlandung
unsere verschwiegenen Stellen verblättern
von den Lippen lesen
mit Händen und Füßen erzählen
von Sinnen

noch rauscht es am Bug
noch sprudelt Fahrwasser
und unsere Mäntel bauschen auf
(wir denken beide an Titanic und lachen)

wie schön du bist
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Beitragvon birke » 07.11.2019, 19:07

wie schön du bist
sag ich
zu deinem gedicht
ich nehm es an die hand und dich
seh ich an
du lippenleser
mit dem zerzausten lachen
ziehst mich an
und aus dem nichts
stürmt fahrtwind
in deine arme
diese weichen
gefilde
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Beitragvon Nifl » 08.11.2019, 18:40

Seit du das Wunder geborgen hast

Es kribbelt in den Fingern
macht leicht
spielt Engelchen Engelchen flieg

Wir schauen über die Reling
dein Wortschatz funkelt
durch die kleinen Wellen
tiefgründig

Der Steg knarzt
und fester Boden
droht mit dem Versinken

Ich stehe in der Speisekammer
weiß nicht mehr was ich wollte
fühle mich ganz
ablandig
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Klara
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Beitragvon Klara » 09.11.2019, 09:41

Fast kein Plagiat

Seit du mich geborgen hast
krippeln meine Finger, schwer
mütig schickt der Teufel seinen Pfeil

Das Gift trinke ich mit dem Wir
und spucke mit dir
in den meerigen Schaum

der glitzernden Worte
versinken sofort
im unsichtbaren Sand

Holz duftet feuchtselig
in unser Ohr (das eines ist! eines!)
bevor wir alles Schöne mit Verlegenheit bedecken

und erwachen
ohne Meer und Sand und Holz
und nicht mehr wissen, dass wir sind

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birke
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Beitragvon birke » 09.11.2019, 10:14

eine tasche voll traum
treibt auf dem meer
und du auf dem boot
ich hab dich gesehen
in der kombüse
ablandig
anmeerig
dieses glitzern, wortvoll
deine augen
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nifl
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Beitragvon Nifl » 09.11.2019, 14:33

Dein umgestülpter Pulli
sitzt viel besser
die Nähte oben
das Bleiche innen
er kratzt nicht (sage ich)
er kratzt nicht (Geschenke kratzen nicht)
er kratzt (ich denke nicht dran)
er kratzt (umso mehr)
gutes Kratzen
wichtiges Kratzen
Aufmerkkratzen
Ich verliere den Faden (gerade viel)
bin lange gekentert
finde nicht zurück
sammele Treibmeer -Holz -Sand
Taschen voller Ausgeträumtem
bedecke mich mit Bodendeckern
den Schlüssel
die Kieselsteine
das Geringste

Ich vermisse dich
Zuletzt geändert von Nifl am 09.11.2019, 15:02, insgesamt 1-mal geändert.
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Klara
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Beitragvon Klara » 09.11.2019, 14:53

Du? Bist du das?
Wer?
Warum traut sich hier keiner außer uns?
Wem antwortest du?
Welchen Worten?

Welchen Pulli meinst du?
Es ist deiner, oder?
Ich kenne einen, der schreibt seinen Kindheitsekel
in eine Mädchenfigur, so wird er ihn los
(oder nicht)
(oder nicht?)

Deine umgestülpten Zeilen
kratzen am Deich entlang
am Wasser entlang
(wenn das ginge)
Doch du sagst nichts dazu: Ich komme immer

zu spät.
(Dich soll ich vermissen?)


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