Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

Nifl
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Beitragvon Nifl » 06.12.2019, 18:24

Fensterlosigkeit
(vom Verlust)
(um dia dramatico)

Es häufen sich die Nächte
auch in eingestimmten Städten
mit ihrer Fernwärme
bleiben die Scheiben schwarz
engen nach innen ein
bauschen sich groß auf
in meiner Brust
zerspringen die Rehe
hinterlassen wirres Geäst
und dann erst
dann erst dämmert das Dunkel klar
herauf
dann erst tasten wir uns zurecht
nehmen uns wie wir sind
verlegen Haut zu Nähe
finden uns geblümt wieder
strahlen und schaukeln
auf den Laken
wahren den Schein
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Klara
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Beitragvon Klara » 07.12.2019, 10:40

Selbstanleitung

I
Du musst dich aufrichten und riechen
Was um dich ist, was sich auf deine Sehnsucht
Reimt und die Tinte rinnen lassen
Aus deinem Herzen
Aus deiner Seele
Whatever da rinnt, unweigerlich rinnt
Wie Wasser, wie Wein
Lass es laufen
Und lausche

II
Du musst in der Bahn sitzen und hören
Was geredet wird
Dich davon entfernen, von dir und den anderen
Doch loyal bleiben
dir und den anderen
Und die Tinte rinnen lassen
Wie Wollen, wie Blut, das da rinnt, unweigerlich rinnt
Lass es laufen
Und fließe

III
Du muss das Wisch-Wisch der „Landschaft“ im Fenster
Als Soundtrack ignorieren
Dabei scheitern und keine Scheu haben
Vor der Wiederholung:
Sie lügt, denn am Ende
Ist nur die Redundanz wahr wie das Leben
Blau auf weiß
Lass es laufen
Und leuchte

Nifl
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Beitragvon Nifl » 09.12.2019, 19:23

Verarbeitungshinweis
(Vielliebchen-Ich)

Wenn dein Gabelbein bricht

ach diese Wünsche

schwungbefiedert

den Kürzeren ziehen

in der fünften Schimäre wohnen

da bist auch du
weil wir heimlich daran glauben
an die Istwerdung

mischen wir uns unter
ins warme Wischiwaschi
im Tarnanzug
lieben wir dann

hauchen uns Leben ein
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 09.12.2019, 22:18

den tarnanzug streife ich ab
nackt will ich dich
sehen hinter der schimäre
wandeln fünf sinne
einer anderen dimension
schwunghaft
dreh ich mich dir zu
wir glauben an die fliehkraft
an uns
und das gedicht
aus federn
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

Nifl
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Beitragvon Nifl » 13.12.2019, 20:34

Ein Gemenge

Die Hände
kennen uns längst
streichen über
das ganze Wissen
verhüllen Sprache
entblößen
die alte Sehnsucht
vom Anfühlen

Und wir nicht mehr
aus der Umarmung
finden uns nicht mehr
lösen wollen
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Klara
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Beitragvon Klara » 14.12.2019, 10:06

Was denn nun
Ja oder nein
lösen oder nicht lösen
wollen oder zweifeln
träumen oder wachen
?
Jeder Vers verweigert sich dem Entweder-Oder
Logisch: Jedes Wort verbindet sich dem anderen
mit Leerstellen Jeder Buchstabe ist dem nächstliegenden nah
durch die Lücke Das ganze Leben
ist ein Und. Mit
!

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birke
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Beitragvon birke » 15.12.2019, 11:59

eine (umarmung)
ohne punkt und komma
wortanwort
liegen gedichte
im gras, im wolkenschloss
oder an uns
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

Nifl
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Beitragvon Nifl » 15.12.2019, 16:13

Auf der Winterwolke
pusten wir und lassen
Jein-Schirmchen segeln
bis sie landen (sicher landen)
auf unseren Wünschen
schauen wir hindurch
zu uns
fechten mit den Stempeln
reiben unsere Stirne
dass niemand sieht
was dort steht
nur du hast mich längst
erwischt
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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nera
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Beitragvon nera » 16.12.2019, 01:14

bearbeitungsverweis und relais
!
vorgestern bewegte mich ein spiegel, näher,
hin zu hören und zu einem:
"ich begegnete einem maß-
liebchen"
das war
einfach
ein hauch und vieles zerrann mir zwischen den lippen
erinnerungen verpuppten sich
jemand teilte diesen ozean aus silben worten nebel
und teilte die flut
und und
jemand war
niemand
teilte die flut
ich erinnerte mich
an den weg

da häuften sich die tage zu stunden
und die nächte fand ich in deinen liedern
-ein weg

"simsalabim" raunt der regen
die schwungfeder flattert
bescheiden

immerhin

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nera
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Beitragvon nera » 16.12.2019, 01:59

gestern bewegte ich mich;
ein diorama,
zurück zutanzen
eine blüte ein faun
eine wolke sturmzerzaust
ein schmetterlingsflügelauge sah mich an

hier!
hier bin ich !
ich flechte mich immer noch in die zeit!

das schmetterlingsauge, längst verwelkt und ich wusste
und barg es in meinem weißhaar
und nahm es in mein gemüt

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birke
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Beitragvon birke » 16.12.2019, 19:08

auch im winter tanze ich
mit den schmetterlingen
(im bauch) und dir
im gedicht
liegen unsere worte bunt
durcheinander wie puzzle-
teile fügen sie sich
und wir sind
leicht und hungrig
und nah
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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nera
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Beitragvon nera » 19.12.2019, 01:16

REGEN wenn ich kalk streue, wind in den knochen und geraune
und ein mast aus birke für die barke
und ihr schleiergeäst
die segel die rinde
das abgeschürfte gestern
meine erinnerung
- die tage sind so hell so kurz so atemlos
schon vorüber vor jedem amsellied
-flechten wir roten cornus alba in den maschendrahtzaun
auch das ein menetekel
wie pfauenaugenrauschen
tanzen sturmgebeutelt

Nifl
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Beitragvon Nifl » 19.12.2019, 19:13

Das Wort "sammeln" aufrauen

Ein Wartelager
ausgestopft mit Süßgras
zum Überwintern
die Duftkissen
mit geöffneten Nähten
lösen Verspannungen
und du legst deinen Finger
in den Kalk
sagst das sei die Wunde
die ich schlucken müsse
bis meine Stimme rau würde
rau wie die Stille
die immer dabei war
als wir uns fanden
und als wir losließen
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 20.12.2019, 00:06

die glätte aufrauen
(aufwühlen)
damit etwas hängen
bleibt vom geriffelten
du, ein glänzen
von innen
eine wärme
in der stille
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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