Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

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birke
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Beitragvon birke » 17.11.2020, 18:24

geröll in der kehle
spül es hinunter
mit meer
und einer brise
november im süden
schöpft der mond
kraftworte
und bringt
einen stein ins rollen
Zuletzt geändert von birke am 27.11.2020, 17:12, insgesamt 1-mal geändert.
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

Nifl
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Beitragvon Nifl » 17.11.2020, 19:15

(er)schöpfen
nach getaner Mondnacht
leuchtet es noch in den Tag
in die silbrigen Ecken
schiebe ich das Tagesgeschäft
gebe den Raum zurück
damit wir abschweifen können
in neue Hausstände
am Meer
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 17.11.2020, 21:50

nischen suchen
am rande des tages
bauen wir ein haus am meer
aus holz mit (wenig)
möbeln, einem kamin
einer veranda nachtweise
geben wir uns raum
ich schenk dir wein ein
glasstunden, gestohlen
verstohlen drehen wir uns
in eine wundersame zeit
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nifl
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Beitragvon Nifl » 18.11.2020, 12:18

Wir liegen
am Tanzboden
(leere Weite)
betrachten die Wellen im Parkett
Wollmäuse schwofen Walzer
du faltest ein Schiffchen mit Kajüte
(am roten Faden soll es schwimmen)
und streust Wundersamen auf meine Haut
wir haben uns noch flüstere ich
du nickst
verzögert
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Klara
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Beitragvon Klara » 18.11.2020, 14:15

Keine Verlegenheit ist zu klein
Eine jede ist kostbar
besteht den Atemtest
wandert als hitzige Kälte ins Herz
wölbt sich als kalte Hitze ins innere
Meer, dabei
sauerstoffreich
bis auf weiteres
blutend

Tausendmal Minus ergibt Plus
oder?

Nifl
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Beitragvon Nifl » 18.11.2020, 19:51

Gratwanderung
dein heißes Laub
(Tausendundeinenacht)
verschüttet nicht
du zählst
für den sicheren Schritt
ich zähle zurück
mein Kopf ist kühl
(piep piep low temperature)
gefühlt überhitzt
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 18.11.2020, 21:48

fernes laub
knistert an meinem ohr
oder ist es das feuer im kamin

du ziehst deine schuhe aus
ich spüre

deine zwei deutigkeit
leoniden spähen durchs fenster
das parkett schwingt

und das meer
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nikolaus
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Beitragvon Nikolaus » 04.12.2020, 16:28

.

das meer
es erreicht uns
in wellen
nehmen wir es wahr

und uns

denken wir traumwärts:
du und ich
zwischen den plejaden
singen wir das verschwiegene lied
der inneren sonne

und wir schmelzen dahin...

.
Ich lese Lyrik. Das spart Zeit.

(Marilyn Monroe)

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birke
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Beitragvon birke » 15.12.2020, 15:06

einfach so

im sommer leben
aus eiswaffeln löffeln
im winter
schneetage begrüßen
und das feuer
im innern
nicht löschen
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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nera
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Beitragvon nera » 21.12.2020, 01:58

ja, wir haben gewartet auf den schnee
nach dem langen sommer
dieses jahr
das uns zeigt
was wir sind
sein können sein müssen
sein müssten
einfach so habe ich angst
begebe mich auf die suche nach einfachen worten
verzichte auf satzzeichen

bühl
sagt mein geliebter
bedeutet hügel
ich attackiere ihn mit knallerbsen

der behtlehemstern, jetzt und dann in 20 jahren
ich attackiere ihn

ich will das nicht hören
ich will

schlafen wir doch besser
lieber
bis moos zwischen meinen fingern wächst
ich träume schon
ich träume
ich träume mich in wälder
erkennst du ich mich

und stottere mich in neue sprachen

Nifl
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Beitragvon Nifl » 23.12.2020, 14:26

Ich erkenne dich
an deinen ausgebreiteten Armen
deinem Wortwohlgeruch
deinen Zügen
durch meine Landschaft
wenn du dich hineinerzählst
als Übersetzerin
dein Leben auf Säulen stellst
für den richtigen Blick
auf neue Sprachgewänder
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Nikolaus
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Beitragvon Nikolaus » 25.12.2020, 00:49

zwischen all dem verschwiegenen
schwammen wir auf floskeln
und erblickten nicht
das vergessene das immer
wieder anklopft zwischen uns
steht eine gewissheit
es könnte anders sein
voller wandlung und weite
und dann
öffnest du die augen
und mein herz
zwischen all dem verschwiegenen
Ich lese Lyrik. Das spart Zeit.

(Marilyn Monroe)

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nera
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Beitragvon nera » 31.12.2020, 02:58

mein herz ist eine narbenlandschaft
nichts besonders
ein lädierter muskel
meine leber schmerzt noch nicht....maule ich
und und und ein lächeln wegen
wegen dem säulenleben
und dem mäuseloch
oder der bärenhöhle

sag was sagen sie sage ich
zwischen meinen schwimmhäuten
meine schwimmhäute zwischen meinen
worten
wächst gestern kein moos

ich häute die sprache und es bleibt nichts

der schnee ist eine pampige illusion
von damals
nichts desto
trotz
hätschele ich das knirschen
die kristalle
gepresste ideen von irgendwas
unter den buchen
den eichen schwimmen
öffnest du die arme
wünsche ich mir
veilchen

mir ist die tarnmütze abhanden gekommen und ich stolpere durch landschaften
gnadenlos

Nifl
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Beitragvon Nifl » 31.12.2020, 09:31

Vor- und Zurückfragmente


Mir fehlt das Baumaterial
im Kopf wiegt es schon

Warten bis das Jahr rum ist
vor oder hinter
(das verwechsele ich immer)
dem Zaun blüht es

Zurück im Windkanal:
nützt ja nichts sage ich
(ständig in letzter Zeit)

Aus dem Ärmel
eine Immobilie schütteln
(Konservatismus ist die neue Progressivität)

Satiniert sein ist hochnäsig
(ich will Licht Licht Licht)

Ausgang versperrt
(zwei Hausstände in einem Bett)
(Platzangst)
(der Hund will nach acht nicht mehr raus)
(vor acht auch nicht)

vermisse dich
immer noch
und dich sowieso
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)


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