Lyrischer Dialog

Hier ist Raum für gemeinsame unkommentierte Textfolgen
Nifl
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Beitragvon Nifl » 11.08.2006, 17:59

Liebe Schreibfanatiker,

ich möchte hier in diesem vitalen Forum einen "lyrischen Dialog" beginnen. Lyrische Dialoge sind kooperatives Schreiben, Gedichte, die (auf-)einander aufbauen. Das können inhaltliche Bezüge sein, oder es werden Worte des "Vorschreibers" aufgegriffen, oder man übernimmt einfach nur die Stimmung.
Hierdurch entstehen unkommentierte Gedichtfolgen. Die Form bleibt dem Autoren überlassen (zB. ob gereimt oder ungereimt ...)
Würde mich über rege Beteiligung freuen!

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Zuletzt geändert von Nifl am 30.08.2006, 19:10, insgesamt 2-mal geändert.

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birke
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Beitragvon birke » 14.11.2019, 08:30

und dann ein atemzug
stille
gestimmt
auf blaue töne
(in rot und orange)
ach, wie sie schwingen
deine blätter unter meinen
spürst du
den aufwind
wie er leise
an unsren worten
zaust
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

Nifl
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Beitragvon Nifl » 14.11.2019, 19:22

Auffliegen
weil wir Wort gehalten haben
(wir sind keine unbeschriebenen Blätter)

Durch die Gardinen
flüstere ich dir Kosenamen zu

Dann entfliehen wir
damit wir nicht freigelassen werden

So ziehen wir
von Gedicht zu Gedicht

nehmen uns in Schutz
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 14.11.2019, 22:09

durch die gardinen
seh ich dich
lächeln
direkt ins herz
rollt ein kosewort
aufgeblättert
ein buch
mit beschriebenen seiten
du trittst ein
und legst deine hand
an mein gedicht
und gedicht an gedicht
gehen wir weiter
(befreit)
durch die blätter
die tosenden
lockt ein nordischer klang
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nifl
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Beitragvon Nifl » 15.11.2019, 18:45

Safranunzucht (Blüten unserer Narben)

Lose Blätter sind wir
stieben und segeln
entfliehen der Binderei

Nachts finden wir Heim
verspeisen Gerichte nur wegen des Namens
(Risotto alla milanese)
Schauen in den Ofen
zum Feuer und weiter

Dann breitest du deine Sprachen aus
und ich darf sie lernen
bis sie in meine Lippen übergehen
bis zum Höhepunkt

Am Morgen bist du Glaskünstlerin
bemalst die Fenster
mit Tausendschön mit dir
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 15.11.2019, 23:27

meine safransprache
mischt sich mit deiner
auf den lippen
ein rausch
wir trinken
von unseren worten
bis wir ~
wenn ich meine sprache verlier
im gedicht
sprengen wir fesseln
/wie die blätter vor den fenstern freien/
befrei dich, geh, vergeh
zu einer neuen nacht
und lass meine lippen
nicht
los
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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birke
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Beitragvon birke » 16.11.2019, 06:59

und im morgengrau
leuchtet die sprache
in anderem
licht
an den kuppen deiner finger
tau im nebel die blätter
und wir
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nifl
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Beitragvon Nifl » 16.11.2019, 19:35

Die Dämmerung ist unsere Zeit
da finden wir freie Plätze
da glänzt das Pflaster
zu Ausklängen der Musik
heilst du mich
mit Heuduft und Milde
legst deine Landschaft an meine
und wir richten uns ein wie Verzauberte
küssen die Abdrücke der Wogen
wortvergessen
hingegeben
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Beitragvon birke » 17.11.2019, 11:56

grenzgänger wir
nachtschwärmer
gedichtflügler
fliegen um die wette
mit dem paradiesvogel
und wenn wir je landen
dann weich
dann weich nicht
bleib
an meiner landschaft
mit deinem weitklang
wort an wort
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Beitragvon Nifl » 17.11.2019, 16:11

So schreiben wir das Begreifen beiseite

Für die Landung
bauen wir einen Zufluchtsort
aus weichem Mondstein

(In Räumen mit dir
ist es warm und hell)

Ich trage dich über die Schwelle
(sie könnte unter dem Meeresspiegel verlaufen)

Wir sind dann Eingezogene
mit gelüfteten Federn
und freier Startbahn
(wissend um den Lebendrupf)
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Beitragvon Nifl » 17.11.2019, 16:12

Der Herbst ist hart geworden
ich schließe mich seiner Trauer an
vergrabe die Blutwerte solange es geht
reibe meine Bethände
und wärme seine Untertemperatur
habe zum Trost das Wort
Naos gefunden
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 17.11.2019, 23:00

und ich streiche
die traurigkeit
aus deinen händen
siehst du mich
und den mond
er schreibt zuversicht
eine geste
ein zweig
streift deinen arm
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Beitragvon Klara » 19.11.2019, 16:52

hey hast du liebe
im lauf oder doch eine hölzerne
brüchigkeit so eine holprige löchrigkeit
die suche nach dem letzten tor
schluss endlichst du gern vor der panik
oder hast dich gewöhnt
an die tragende leere
die fragende lehre
da kommt nichts mehr oder
auf jeden fall
bist mein kaliber

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birke
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Beitragvon birke » 19.11.2019, 23:56

da ist ein raunen
zausen, flausen
im gedicht
die blätter fallen
mit ihnen der nebel
darüber
helle worte
an dich
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Klara
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Beitragvon Klara » 22.11.2019, 17:07

Novemberdisco

Die Nachtigall nieselt Es ist
06:40 Uhr
In mir tanzt ein Lichtball
Der dreht mich im Kreis
mit dem Neon
Das vorm Nagelstudio kreischt
lächerlich schreit es auch nachts auf entleerten
Straßen Mein Fahrrad glitscht sachte Ich rase und bange
Unsichtbare Blätter lassen Farben hören
Anstößige Kanten bringen
nur fast zu Fall, denn der schwarze Morgen
streckt sich zum Tag


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