Eines Tages

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Oldy

Beitragvon Oldy » 14.08.2011, 21:38

Link zur Hörversion
Hintergrundmusik:
Kendra Springer -Hint of Dawn-
Lizenz (Jamendo): http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Eines Tages

In mondhellen Nächten sehe ich dich über die Felder laufen, mit nackten Füßen und offenen Haaren, diesen wunderbaren weichen Haaren, welche ich so liebte, die sanft meine Wangen strichen, wenn ich an deiner Schulter ruhte. Und ich höre immer noch dein Lachen, das du jedem geschenkt hast, mir jedoch immer mit einem leicht spöttischen Blick, du kanntest mich genau.
Weit hinten glitzert der Fluss, wo im Mai die Forellen steigen, die ich nie fangen durfte, denen du Namen Verstorbener gabst, an dem du mich überredet hast, eine Fischtreppe zu bauen, damit die Forelle es leichter hat und später ein Gewirr von an Bindfäden gebundenen Blechdosen, weil der Bär mir dafür dankbar war.
Und dann ist da der Duft deiner Haut, der aus jeder Ecke des Zimmers zu dringen scheint, alles umgibt, den ich mit tiefen Atemzügen zu fangen suche, eine Zeitlang halte, wieder freigeben muss, um dich gleich mit dem nächsten wieder aufzunehmen. Auf dem Kaminsims liegt immer noch dein Armreif, du hast ihn immer da hingelegt, immer an dieselbe Stelle, ich habe ihn liegengelassen, weil er da hin gehört, deine Worte. Ich werde ihn mitbringen, wenn die Zeit da ist.
Noch aber ist es nicht so weit, der Gemüsegarten ist noch nicht angelegt, das Dach ist immer noch undicht und die Obstbäume sind noch nicht gesetzt. Erst wenn alles getan ist, kann ich mich ausruhen, hast du mir gesagt, Zeit soll ich mir lassen, alles mit Ruhe angehen. Das tue ich, doch eines Tages, wenn alles so gemacht ist, wie du es wolltest, wenn meine Zeit abgelaufen und ich dann bei dir bin, dann sehen wir den Forellen beim Steigen zu, beobachten, wie Krume in den Beeten aufbricht und erwarten die erste Blüte des Kirschbaums.
Bis dahin aber werde ich abends zum Fluss schauen und dich atmen.
Zuletzt geändert von Oldy am 15.08.2011, 21:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Eule
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Beitragvon Eule » 15.08.2011, 14:49

Hallo oldy, kann hier irgendwie gar nix hören ??!! ;-)
Ein Klang zum Sprachspiel.

Oldy

Beitragvon Oldy » 15.08.2011, 14:51

Eule hat geschrieben:Hallo oldy, kann hier irgendwie gar nix hören ??!! ;-)

Ach nö. Nicht schon wieder. :12:
Ich habe hier lediglich den Link eigefügt, den der Blaue Salon mir gesendet hat. Zuhause funktioniert es.
Ich sitze hier gerade auf der Dienststelle, da klappt es auch.
Kann mir nicht erklären, woran das liegt.

lg
Uwe

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 15.08.2011, 16:15

Ich vermute, dass Eule den Player nicht sieht? Ich habe es nun nochmal als normalen Link dazugestellt. Geht es jetzt, Eule?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Mucki
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Beitragvon Mucki » 15.08.2011, 19:08

Mit dem Link von Flora kann ich es jetzt auch hören, vorher jedoch auch nicht.
Dito mit deinen anderen Texten, Uwe. Kann ich leider nichts hören.
Da will immer ein Programm laden, was jedoch nicht klappt. Könnte aber auch an meinem apple liegen, weil er das irgendwie blockiert.

Saludos
Gabriella

Oldy

Beitragvon Oldy » 15.08.2011, 21:10

Nun oben nur noch der reine Link zur Hörversion.
Wenn das jetzt nicht klappt, gebe ich es auf.

Ich bitte um Rückmeldung, ob man die Hörversion nun einfach abrufen kann.

lg
Uwe

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 15.08.2011, 23:21

Hallo Uwe,
mit meinem Firefox unter Windows klappte das problemlos, ein neues Fenster ging auf mit Link
http://www.blaueschublade.de/blauedaten ... eshigh.mp3
Schöne Atmosphäre, warm gelesen, durchgezogene Melancholie (Irritation trat beim Bären auf, den ich nicht in dem für mich sehr zivilisiert wirkenden Umfeld erwartete)
Grüße
Franz

Oldy

Beitragvon Oldy » 16.08.2011, 07:50

Irritation trat beim Bären auf, den ich nicht in dem für mich sehr zivilisiert wirkenden Umfeld erwartete

Mhmm. Eine zivilisierte Umgebung hatte ich gar nicht vor Augen.
Ich dachte da an ein einzelnes Haus auf dem Land, ein wenig Wald, einen Bach. Natur eben.
Danke für den freundlichen Kommentar.

lg
Uwe

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Eule
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Beitragvon Eule » 16.08.2011, 09:29

Hallo Uwe, jetzt hats auch bei mir geklappt. Mir ist der Text aber zu oberflächlich-romantisch, auch in Deinem Vortrag. Das lI schwelgt in überwiegend sinnlichen Erinnerungen, die kaum die Ebene der Trivialität verlassen. Andeutungen, wie der "spöttische Blick" werden nicht weiter ausgeführt.
Dieser "Zuckerguss" klebt dann auch an den kreativeren Momenten der Fischtreppe oder der Bärenfütterung. Der Schluss dokumentiert dann das dafür nötige Selbstmitleid in der Vorstellung, die Trennungssituation einfach zu ignorieren und so zu tun, als wären die Erinnerungen "Liebesdienst" oder nachträglich etwas gutzumachen. Herzliche Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

Oldy

Beitragvon Oldy » 16.08.2011, 09:40

Hallo Eule,

danke für deinen freundlichen Kommentar.
Das lI schwelgt in überwiegend sinnlichen Erinnerungen

So sollte es sein, es sind einfach nur Gedanken an jemanden, der nicht mehr da ist. Trivialität liegt in den Augen des Betrachters. Diese "leise'" Schreiben ohne allzu tiefschürfend zu werden, war meine Absicht.
Andeutungen, wie der "spöttische Blick" werden nicht weiter ausgeführt

Muss es das? Ich werde drüber nachdenken, ob ich diesen Aspekt mehr Raum schenke.
Der Schluss dokumentiert dann das dafür nötige Selbstmitleid in der Vorstellung, die Trennungssituation einfach zu ignorieren und so zu tun, als wären die Erinnerungen "Liebesdienst" oder nachträglich etwas gutzumachen
.
Ich glaube, hier hast du die Situation fehlgedeutet. Es geht nicht um Trennung und Schuld, sondern um einen Menschen, der zu früh verstorben ist.
Das ist nichts gutzumachen.
Da ist nur Sehnsucht. Die darf nach meinem Dafürhalten auch einen "Zuckerguß" haben.

Wenn wirklich nicht klar herauskommt, das jene Person, auf jene sich die Sehnsucht projiziert, so muss ich diesbezüglich den Text etwas deutlicher formulieren.
An meiner Vorragssprache arbeite ich noch.
lg
Uwe
Zuletzt geändert von Oldy am 18.08.2011, 08:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 16.08.2011, 09:54

Hallo Oldy, ich empfinde den Text als sehr innig (für mich ging es übrigens ohne Zweifel um eine Verstorbene - ich habe mich nur gefragt, ob durch Suizid oder nicht, aber das spielt vermutlich keine Rolle) - gerade auch in der gelesenen Form. Deine etwas rauhe Stimme und der "romantische" Text: Diesen Zusammenklang finde ich sehr spannend. Mag sein, dass etwas Triviales, wie Eule sagt, mitschwingt. Das finde ich aber in diesem Fall nicht schlimm, da es ja um ziemlich "multiple Gefühle" geht. Trivial wäre für mich die Eindeutigkeit, die ich hier nicht sehe.

Oldy

Beitragvon Oldy » 16.08.2011, 10:01

Hallo Amita,

danke für deinen freundlichen Kommentar.
An einen Suizid habe ich gar nicht gedacht, sondern nur an einen Menschen, der viel zu früh gegangen ist.
Das Problem bei solchen "Gefühlstexten" ist es, nicht jene "Kitschgrenze" zu überschreiten, die dann letztlich doch jeder für sich definiert.
Beim Zusammentreffen von Gedanken, Sehnsucht und Romantik ist das nicht einfach.

lg
Uwe

eve
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Beitragvon eve » 19.08.2011, 15:38

auch mir war sofort klar, dass es um einen verstorbenen und geliebten menschen geht. ich empfinde den text als sehr warm und weich ( sowohl gelesen als auch in der hörversion) und er hat für mich absolut nichts zuckriges.
schön!

eve

Oldy

Beitragvon Oldy » 19.08.2011, 19:11

Hallo,
danke erst einmal für die freundlichen Kommentare.
Dieser Text war hier vo ein par Jahren mein Einstiegstext und jemand schrieb dazu:
der Text erinnert mich von der Machart her stark an Nicholas Sparks. Das muss man mögen. Ich nenne es Kitsch, andere sind begeistert.

Das trifft es wohl genau. So ein Text ist nicht jedermanns Sache und man muss so etwas mögen, um es gut zu finden.
Da ich ein hoffnungsloser Romantiker bin, ist mir diese Art zu Schreiben sehr nahe.

lg
Uwe


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