An die Heckenrose

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 06.07.2009, 18:05

So, hier ist mein erster Vertonungsversuch. Ist ja alles gar nicht so einfach. Es gibt soooo viele Möglichkeiten, einen Text zu intonieren!

Also, bitte reichlich Tipps und Kritik!

Hörversion




Ode an die Heckenrose


Hagerose Hundsrose Heckenrose
von den Wegelagerern bist du mir die Liebste;
du bestichst durch die Schlichtheit einer
Königin Mutter!

Während Flieder, Rotdorn und Heckenkirsche
früh schon ihre Blüten verschenken,
hangelst du noch heimlich höher in alte Eichen
häkelst in Zäunen.

Hab dich selbst auf staubigem Bahndamm angetroffen,
über karge Viehweiden wachst du,
wenn die Junisonne sich wendet,
Ländlichschönste der Blumen.

Manchen Feldweg hältst du versperrt,
doch jeden Tropfen Blut, den du mir genommen,
gibst du zurück nach klirrendem Frost
wenn weich dein Buttenmark zergeht.

Einmal fand ich in deinen Zweigen
wirre Knollen, herbe struppige Äpfel,
die ich unters Kissen legte -
da wuchs die Hecke riesengroß.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 06.07.2009, 18:45

Hallo fenestra,

ich weiß nicht, ob es gemäß einer Ode gelesen ist, dazu kenne ich mich zu wenig aus, aber was ich sagen kann: du hast es sehr schön und mit klarer Stimme gelesen!
Vor allem bin ich von der Qualität deiner Vertonung begeistert! Was benutzt du? Audacity oder ein anderes spezielles Aufnahmegerät?

Und zu deiner Frage zur Verschönerung des Links:
Gib einfach folgendes ein:
Hörversion

Dann sieht man nur "Hörversion" und nicht den Link dahinter.

Ups, jetzt siehst du ja nur "Hörversion" *lach*
Also du gibst ein:
[url=www.blaueschublade.de/blauedaten/heckenrose.mp3]
dahinter dann Hörversion (ohne Leerzeichen davor und danach und dann: [/url] wieder ohne Leerzeichen.
Wenn du mein posting zitierst, siehst du genau, was ich eingegeben habe, unter dem ersten Link.

Saludos
Mucki, die schon sehr gespannt auf die Vertonung deines Rap-Textes ist *ggg*

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 06.07.2009, 23:04

Danke für das Feedback, Gabriella!

Die Qualität mag vom Mikrophon abhängen, da ich tatsächlich Audacity benutze und dabei nichts besonders eingestellt oder nachbearbeitet habe. Ich habe ein Sennheiser-Mikrophon mit Schaumgummikopf und stabilem Ständer benutzt, ein ziemlich gutes, das ich mal vor längerer Zeit für Radiointerviews angeschafft hatte.

Bin selbst mit meiner Stimme noch nicht so ganz zufrieden. Mit der Vertonung des Rap bin ich sogar so unzufrieden, dass ich ihn lieber nochmal aufspreche ... (sorry, Trixie).

Ist ja witzig, dass da jetzt "Hörversion" steht! Ich hab einfach nur den Link eingegeben. Vielleicht hat ein Mod da etwas nachgeholfen? ;)

Viele Grüße
fenestra

Mucki
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Beitragvon Mucki » 06.07.2009, 23:10

Alles klar fenestra,

das ist ein Profi-Mikro, das du da benutzt, deshalb die geniale Qualität!
Sicher hat ein Mod geholfen. Trixie ist doch unsere Hörbarfee. Sie hat sicher den Link umgewandelt. ;-)

Saludos
Mucki

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 07.07.2009, 09:46

Hallo fenestra,

oh...mmmmh... ich habe es ganz anders gehört/für mich gelesen, viel geheimnisvoller, langsamer und verzauberter, magischer, näher. So hört sich die erste Zeile für mich eher an, als ob du sagen wolltest: Wie man das Ding nun nennt, ist ja einerlei. Und diese „Gleichgültigkeit“ oder Nüchternheit zieht sich für mich durch die ganze Lesung, zumal du das Tempo noch anziehst.
Mit dem gesungenen Part am Schluss tue ich mir auch schwer, es springt dadurch auf eine kindliche und verspielte Ebene, die für mich nicht zum Rest des Gedichtes passt. Das Märchenhafte hatte für mich etwas mitgewachsenes, erwachsengewordenes.
Ich muss aber dazusagen, dass es Hörversionen bei mir immer sehr schwer haben. :rolleyes:

liebe Grüße
Flora

Trixie

Beitragvon Trixie » 07.07.2009, 14:55

Hi ihr!

Ich finde, schwarz auf weiß gelesen ist es allein natürlich durch die Aufteilung in Verse und Stophen, als Gedicht tatsächlich erkennbar, allerdings gelesen ist es kaum möglich, daraus noch ein Gedicht zu machen, finde ich. Alles greift ineinander über und es wird, überspitzt gesagt, eher zu einer Beschreibung aus einem Lexikon, klar, mit schönen Formulierungen. Ich finde einfach, laut gelesen, funktioniert das einfach nicht so gut, egal wie man es zu lesen versucht (Flora, hättest du eine alternative Version?).

Ansonsten finde ich die Leseart sehr schön, klar und deutlich, laut, und eine gute Technik. Da würde ich gerne noch mehr Texte hören :)!

Liebe Grüße
die Trixie

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noel
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Beitragvon noel » 07.07.2009, 17:28

die tonqualität ist einsA aber ansonsten halte ich es wie flora

Flora hat geschrieben:Hallo fenestra,

oh...mmmmh... ich habe es ganz anders gehört/für mich gelesen, viel geheimnisvoller, langsamer und verzauberter, magischer, näher.
liebe Grüße
Flora


es entzauberte mir den text,machte ihn nüchtern, schwer verdaulich
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 07.07.2009, 19:31

So, das ist ja interessant, dass Ihr die Aufnahme zu entzaubert findet. Ich persönlich fand sie an einigen Stellen (Eichen, Buttenmark) sogar zu emotional. Es ist wirklich eine spannende Frage, wie man Lyrik vortragen soll. Neulich las ich in der Zeitschrift federwelt eine Folge des Rezitationskurses von Michael Rossié, darin schreibt er:

... oft versucht der Autor, die Stimmung seiner Gedichte durch die Dekoration oder Räucherstäbchen in der passenden Duftnote zu verstärken. Das gilt dann auch für die Vortragsweise. Wenn der Wald also still steht und schweiget, wird das flüsternd mit großer Ehrfurcht gesprochen .... Solche Abende sind unerträglich. Dabei ist das Anliegen des Vortragenden ehrenwert: Er möchte beim Zuhörer eine Stimmung erzeugen. Und doch erreicht er meist das Gegenteil: Der Zuschauer ärgert sich. Warum? Weil er keine Wahl hat. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Sonnenuntergang neben jemandem, der ununterbrochen schwärmt, wie schön es hier sei. Mindestens Ihr zweiter Impuls ist, zu widersprechen oder sich zu ärgern. Sie würden gerne selbst entscheiden, wie Sie den Sonnenuntergang finden.
Gerade Lyrik sollte so einfach wie möglich gesprochen werden, damit das Wort wirken KANN, aber nicht MUSS.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 07.07.2009, 20:27

Hallo fenestra,

fehlt da nicht ein Teil unter deinem letzten posting?

Saludos
Mucki

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 07.07.2009, 20:32

Du merkst aber auch alles! :mrgreen:

Erst wollte ich eine neue Vertonung verlinken. Aber es klappte nicht sofort. Dann hab ich sie nochmal angehört und fand sie nur wenig aufregender, als die erste. Also hab ichs gelassen.

Allerdings fehlt noch ein

"
viele Grüße
fenestra

"

Mucki
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Beitragvon Mucki » 07.07.2009, 20:39

Hi fenestra,

ich hab in der email-Benachrichtung gelesen, dass du eine zweite Vertonung druntergesetzt hattest mit Link.
Und das wollte ich natürlich h ö r e n! ;-)

Saludos
Mucki

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 07.07.2009, 20:54

Hallo Fenestra!

Zumindest für mich haben Gedichte auch immer etwas mit Spannung zu tun, mit dem Aufbau von Erwartungen und deren Einlösen (wie?) bzw. Nicht-Einlösen (warum?) Das fehlt mir in deinem Vortrag völlig. Das könnte auch daran liegen, dass du das metrische Oden-Schema, das du zugrunde gelegt hast, nicht nur in der Augen-Form - durch die die Verse zerbrechenden Zeilen - sondern auch in der Ohren-Form komplett ignoriert hast: Gleich die erste Zeile Hagerose Hundsrose Heckenrose hast du ja Hagerose Hundsrose Heckenrose gelesen statt, wie das Oden-Metrum es verlangt, Hagerose Hundsrose Heckenrose. Das mag etwas künstlicher klingen, klar, aber es leistet zweierlei: Wenn du die Oden-Verse durchgängig wenigstens im Hinterkopf hast und zumindest in Bezug auf sie sprichst, wird der Hörer einen festen Rahmen im Hintergrund zumindest ahnen; und durch die Erhöhung der Anzahl der betonten Silben (fünf gegenüber drei) stellt sich auch ein "Lyrik-Gefühl" ein (tendenziell ist Lyrik einfach reicher an betonten Silben als Umgangssprache). Von daher wage ich mal, Trixies "Egal wie..." zu widersprechen :-)

Hm. Aber das ist von einem Formstandpunkt gedacht und daher vielleicht etwas angestaubt ;-) Und sooo fatal wirkt sich das alles ja auch nicht aus, der Vortrag schafft trotzdem Wirkung. Nur etwas langsamer zu lesen wäre vielleicht wirklich eine Idee?! Das Singen am Ende stört mich gar nicht - warum denn nicht :-)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 07.07.2009, 23:35

Hallo fenestra,

*lach* ich stelle immer wieder fest, dass ich nur sehr selten zu „den Lesern“ gehöre und wohl auch nicht zu „den Zuhörern“. Wenn jemand (s)ein Gedicht liest, möchte ich es auch hören können, die Augen schließen können und es „erleben“. (Am liebsten natürlich so, wie ich es auch selbst lesen würde. .-) )
Michael Rossiés Vergleich hinkt für mich, denn es wäre doch eher so, als sei man blind und auf die gesprochenen Worte und ihren Klang angewiesen, um den Sonnenuntergang überhaupt „sehen“ zu können. Ich würde mich sehr ärgern, wenn ich in eine Lesung gehen würde, bei der der Autor jedes Gedicht wie eine Seite aus dem Telefonbuch vortragen würde (nicht, dass du das gemacht hättest). Ich würde erwarten, dass er die Worte lebendig werden lässt, und sie dem Inhalt und seiner Interpretation, Auffassung nach vorträgt. Wenn natürlich die Gedichte alle vom Sonnenuntergang handeln, und Deko und Räucherstäbchenduft gleichermaßen zu allen passen, ist der Abend sowieso verloren, egal, wie gelesen wird. ;-)
Wenn ich einen Text lese, dann lese ich ihn doch auch nicht neutral, wieso sollte ich das dann vom Vortragenden, oder gar vom Autor erwarten? Auch Neutralität kommt daher bei mir als Teil des Textes, als Interpretation an.
Eine Lesung ist etwas anderes, als das geschriebene Wort, und damit sollte man meiner Ansicht nach dann auch arbeiten und nicht versuchen diesen Unterschied zu neutralisieren.

Ich würde wirklich gerne einen Versuch, eine zweite Lesung von dir hören, in dem du all diese „Grundsätze“ sausen lässt und uns verzauberst. :hexe0013:
(Und das muss/soll ja weder dramatisch noch kitschig sein, das ist das Gedicht ja auch nicht.)

liebe Grüße
Flora

Mucki
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Beitragvon Mucki » 07.07.2009, 23:51

Ganz allgemein zu Lesungen:
Ich finde, dass Texte durch Lesungen erst richtig lebendig werden. Auch wird durch die Vertonung die Intention des Autoren erst wirklich deutlich, je nachdem, wie er es spricht oder singt.
Schon etliche Male wurde mir bei Lesungen hier im Blauen Salon erst klar, was der Autor mit seinem Text aussagen wollte, sprich, ich konnte mich erst nach der Lesung dem Text nähern.


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