Tiger und Pi

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Eule
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Beitragvon Eule » 09.08.2019, 22:42

Wer erinnert sich noch an den erfolgreichen Film und das zugrunde liegende Buch. Neulich zog ich es aus einer Verschenkkiste, es ist klein wie die früheren Ausgaben von Astrid Lindgrens Pippilotta und genauso anhänglich. Der Sternenhimmel über der Südsee wird wohl selten besser beschrieben. Ein Buch über eine Geschichte, die so indisch klingt, dass ich es gerne glaube. V.Jeferejev schrieb einmal, dass in Indien schon alle Gesellschaftssysteme dieser Welt (der vergangenen und zukünftigen) realisiert wären. Das schmeichelt dem Subkontinent zwar mit Sicherheit, aber wer weiss schon, welche Reise sich am meisten auszahlt. Viele der schlimmsten als auch der schönsten Dinge geschehen wohl häufig ungeplant. :x:
Ein Klang zum Sprachspiel.

aram
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Beitragvon aram » 24.08.2019, 03:09

hallo eule,
film hab ich nicht gesehen, buch life of pi hab ich gelesen kurz nachdem es rauskam - lebte damals in tamil nadu, in der nähe von pondicherry, der lokale bezug erschien bemerkenswert. woran ich mich noch erinnere ist der enorme kontrast zwischen naturwissenschaftlich detailreicher fachsprache, authentisch wirkender lokaler bezüge und feiner, farbiger erzählweise einerseits, und andrerseits den geschildeterten abläufen auf dem rettungsboot, z.b. dem tierverhalten, die sehr deutlich fiktional, dh. inhaltlich so überhaupt nicht glaubhaft, soweit ich mich erinnere sogar immer abstruser wirkten - das zog sich als permanente irritation bis zu einer art spaltung durch den text, in dem erst nach längerer zeit einzelne punkte auftauchten, die als direkte hinweise auf trauma und verschiebung gelesen werden konnten. damit war klar was die spaltung im text abbildete, aber nicht wo die 'geschichte' hingehen würde - die 'auflösung' fand ich dann entäuschend, einerseits unnötig explizit, da die zwangsläufige fiktionalität des geschilderten längst auf feinere art klar geworden war, andererseits trotzig unklar, als solle nun nichts mehr 'erzählt' werden. plump runtergebrochen auf eine art trivialphilosophie, uninteressant schien es mir damals. die farbigkeit der schilderung verlor sich in eine stumpfe problemorientierung - das erschien mir als misslungen, als wolle man langeweile durch einen langweilig geschriebenen text illustrieren. meine erinnerung ist aber unscharf, das ganze ist lange her und ich hab das buch nicht mehr gelesen, möglicherweise auch damals nicht ganz bis zum ende. trotzdem bleibt etwas bemerkenswertes vom anfang des buches, eine art leuchten.

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Eule
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Beitragvon Eule » 29.08.2019, 08:02

Hallo aram, danke für Deine Leseerinnerungen ! Vielleicht sind ja gerade die Gegensätze im Text etwas Authentisches. Im Film ist es eher die Länge der Odysee, was ihn liebenswert macht - der Gegensatz zwischen persönlichen und erzwungenen Schrecken.
Ein Klang zum Sprachspiel.


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