Die Blumenwiese ...

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 08.04.2021, 14:33

Die Blumenwiese

und der Wald sind meine Kirche;
ein göttliches Flüstern in allen Zweigen,
und als sängen die Vögelchen mir Chorale.

Will ich Gott danken für all diese Gaben,
fiele es mir leichter, den personifizierten
Gottvater der Kirchengemeinde anzurufen, als
meinen Konturlosen, an den ich glaube.
Nicht dass er konturlos wäre, aber mich
mit meinem Menschenverstand und
meiner Vorstellung übersteigt.
Ich spüre lediglich etwas Unsagbares,
Spirituelles von ihm in allen Wipfeln.
Lange Zeit hat es mich bedrückt,
kam mir so hilflos und verloren vor.
Die Welt erschien fremd mir und ihr Dahinter.
Inzwischen freut es mich, soweit vom Göttlichen
und dessen Wahrheit entfernt zu sein,
unerreichbar in meiner Vorstellung. Und
wenn ich sterbe, so gehe ich in eine göttliche
geheimnisvolle Welt über.
Das lässt hoffen.

Meine persönliche Ansicht ist die, dass der Urknall, aus dem ursächlich unsere endliche Welt entstand, in einem allumfassenden unendlichen Universum sich ereignete. Sie kommt also nicht aus dem Nichts. Stelle ich als endliches Wesen mir aber die Frage, ob und wann das unendliche Universum entstanden ist, so muss ich antworten, es war immer schon da, unendlich. Das endliche Wesen in mir kann es sich aber nicht vorstellen, und meint fälschlicherweise, es müsse doch auch einen Anfang haben bzw. irgendwann erschaffen worden sein. Nur ehrlich gesagt, was bringt mir diese Erkenntnis, außer einer abstrakten Entfremdungstheorie.

Nikolaus
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Beitragvon Nikolaus » 15.04.2021, 11:54

Hallo Epiklord!
Grundsätzliche Frage an dich: Was ist in deinen Augen ein Gedicht, was ist Lyrik?
Irgendwie kann ich beides nicht recht erkennen im Text..... Für mich klingt es zumindest nach Prosa.

Herzliche Grüße - Nikolaus
Ich lese Lyrik. Das spart Zeit.

(Marilyn Monroe)

Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 15.04.2021, 15:30

Ja, Niko, da sprichst du etwas an. Gedichte? Ich war noch ein Junge, da hat meine Mutter immer wieder alte Küchenlieder gesungen und zwischendurch Gedichte aufgesagt, den Osterspaziergang von Goethe zum Beispiel oder von Lenau den Postillion. Sie war stets gut gelaunt dabei und so habe ich ein positives Verhältnis zu jenen Gedichten gehabt. Bei Lenaus hörte ich sogar die Hufschläge der Pferde vor der Kutsche. Schien mir alles sehr rhythmisch mit dem Inhaltlichen ineinander zu gehen. Das waren für mich Gedichte. Ist lange her.

Doch bevor ich im Netz aktiv war, interessierten mich schon keine Gedichte mehr, auch Prosa habe ich kaum gelesen. Hat sich nichts dran geändert, außer die Forenbeiträge. Kann sein, dass ich nur Prosagedichte schreibe. Vielleicht sind mir aber auch schon richtige? Gedichte oder Lyrik gelungen. Ist mir eigentlich wurscht. Is ja nur Feierabendgeschriebsel.

LG Epiklord

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birke
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Beitragvon birke » 16.04.2021, 15:28

Die Blumenwiese

und der Wald sind meine Kirche;
ein göttliches Flüstern in allen Zweigen,
und als sängen die Vögelchen mir Chorale.

Will ich Gott danken für all diese Gaben,
fiele es mir leichter, den personifizierten
Gottvater der Kirchengemeinde anzurufen, als
meinen Konturlosen, an den ich glaube.
Nicht dass er konturlos wäre, aber mich
mit meinem Menschenverstand und
meiner Vorstellung übersteigt.
Ich spüre lediglich etwas Unsagbares,
Spirituelles von ihm in allen Wipfeln.
Lange Zeit hat es mich bedrückt,
kam mir so hilflos und verloren vor.
Die Welt erschien fremd mir und ihr Dahinter.
Inzwischen freut es mich, soweit vom Göttlichen
und dessen Wahrheit entfernt zu sein,
unerreichbar in meiner Vorstellung. Und
wenn ich sterbe, so gehe ich in eine göttliche
geheimnisvolle Welt über.
Das lässt hoffen.

Meine persönliche Ansicht ist die, dass der Urknall, aus dem ursächlich unsere endliche Welt entstand, in einem allumfassenden unendlichen Universum sich ereignete. Sie kommt also nicht aus dem Nichts. Stelle ich als endliches Wesen mir aber die Frage, ob und wann das unendliche Universum entstanden ist, so muss ich antworten, es war immer schon da, unendlich. Das endliche Wesen in mir kann es sich aber nicht vorstellen, und meint fälschlicherweise, es müsse doch auch einen Anfang haben bzw. irgendwann erschaffen worden sein. Nur ehrlich gesagt, was bringt mir diese Erkenntnis, außer einer abstrakten Entfremdungstheorie.



für mich ist dies ein zwischending zwischen lyrik und prosa; ich finde durchaus lyrische elemente hier, insofern hat der text in dieser rubrik durchaus seine berechtigung, meine ich. dies ist aus einem kommentar entstanden, oder? wie ich schon sagte: interessante gedanken :)

hier fehlt mir etwas zur vervollständigung des satzes? was übersteigt das ich?

Nicht dass er konturlos wäre, aber mich
mit meinem Menschenverstand und
meiner Vorstellung übersteigt.


lg, birke
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 16.04.2021, 16:12

Ja, ist aus einem Kommentar entstanden. Habe auf die Schnelle ein bisserl komprimiert. Dennoch sind einige kantige Prosazeilen klar erkennbar. Ein Gedicht muss aber doch wohl durchgehend rhythmisch sein. Könnte ich ja nun noch verbessern. Aber ich fühle mich derzeit gegenüber der ganzen Gottes-Thematik noch ein wenig befangen, und möchte nicht weiter an diesem Gedicht arbeiten, könnte aber vielleicht eins draus machen, ein Naturgedicht, wo Gott nicht direkt benannt würde. Unsere Diskussionen über Gott oder an anderer Stelle über das Glücklichsein waren aber nicht fruchtlos. Ich habe für mich meine Lehren draus gezogen. Dank an alle Beteiligten.

LG Epiklord


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