Raumzeit

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5746
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 12.03.2025, 21:28

meine Gedichte sind
innere Zimmer
die ich nicht abschließe
denn: wer mir nahe kommt
den muss ich nicht riechen

ich kleide mich täglich anders
in Worte – verschwenderisch oder karg
von Sandpapieren geschliffen oder
voll blumiger Pracht
niemand spricht mir hinein

wenn ich fremde Gedichte lese
erkenne ich: mein Wortschatz
passt in einen einzigen Koffer
den kleinen
für höchstens zwei Nächte

ich rolle ihn scheppernd
über buckeligen Asphalt
leichtes Gepäck mit Buchstaben
in Schatullen gebettet oder
eingeschlagen in Fettpapier – je nachdem

ich setze mich in mein Abendzimmer
gebe Geheimnisse preis – tilge sie wieder
manches verziere ich mit verliebter Hand
dann plötzlich der Blitz der Ideen frisst
und gebiert: Gebilde, Gebäude, ein Raum ein Reim

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5746
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 13.03.2025, 10:34

lichte Zimmer?

Benutzeravatar
birke
Beiträge: 5424
Registriert: 19.05.2012
Geschlecht:

Beitragvon birke » 13.03.2025, 11:46

ja, wenn du an der stelle denn ein attribut brauchst, dann wäre das eine schöne möglichkeit.
wer lyrik schreibt, ist verrückt (peter rühmkorf)

https://versspruenge.wordpress.com/

Benutzeravatar
Pjotr
Beiträge: 6788
Registriert: 21.05.2006

Beitragvon Pjotr » 13.03.2025, 13:45

Ja, das ersetzt auch das "nicht abschließen", da das "lichte" die Offenheit darstellt. Somit hast Du nun mehr Zeilenraum für die Beschreibung des Gegensatzpaares "einerseits nah" versus "andererseits fern", denke ich.

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5746
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 13.03.2025, 13:55

@birke: ja, das brauche ich rhythmisch, oder jedenfalls soll Zimmer nicht allein in einer Zeile stehen.

@Pjotr: eigentlich wollte ich die Zimmer, die ich nicht abschließe, so lassen.

Es wäre dann so:

meine Gedichte sind
lichte Zimmer
die ich nicht abschließe
denn wer mir nahe kommt
der reist in meinen Gedanken


??

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5746
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 13.03.2025, 14:01

oder

der reist nicht an

??

Benutzeravatar
Pjotr
Beiträge: 6788
Registriert: 21.05.2006

Beitragvon Pjotr » 13.03.2025, 14:05

Wie meinst Du das "der reist in meinen Gedanken"? Im Sinne von "der kommt mir NUR in meinen Gedanken nahe und nicht köperlich"?

Das Reisen-Verb an sich zeigt noch keine Reise-Richtung. Er könnte auf Dich zu reisen und Dir nahe kommen.

Wie wärs mit "schweben" statt "reisen"? Dann spielt das nah/fern keine missverständliche Rolle mehr.

"der schwebt nur in meinen Gedanken"

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5746
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 13.03.2025, 14:17

Ja, aus meiner Perspektive reist er "nur". Aus seiner aber nicht (denn er liest ja meine Gedichte, die ihn – hoffentlich – reisen lassen).

Schweben würde ich an dieser Stelle glaube ich nicht schreiben ...

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5746
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 13.03.2025, 14:23

gemeint wäre:

reist höchstens in meinen Gedanken

(oder allenfalls) – aber beides finde ich nicht ideal, ein Synonym fällt mir nicht ein ...

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5746
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 13.03.2025, 14:27

erfährt allein meine Gedanken

??

Benutzeravatar
Pjotr
Beiträge: 6788
Registriert: 21.05.2006

Beitragvon Pjotr » 13.03.2025, 14:43

Vielleicht: "erfährt nur Gedanken"? Das wäre rhythmischer. 3/4-Takt Walzer :-)

Benutzeravatar
Amanita
Beiträge: 5746
Registriert: 02.09.2010
Geschlecht:

Beitragvon Amanita » 13.03.2025, 22:22

DANKE für alle Vorschläge!


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste