Sehr geehrte Frau Sexton

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 29.05.2010, 17:08

Sehr geehrte Frau Sexton,

Allmählich wird es hell
Das Licht teilt das Wasser
D.h. ich könnte gehen
Wenn ich mich bloß erinnern könnte
Wie man einen Schritt vor den anderen setzt
Statt ihnen hinterher zu trauern
Bevor sie gegangen sind

Ihnen zu schreiben
Ist ein wenig so
Als würde jemand ein Portrait von mir malen lassen
Nur um es später in einem modrigen Keller zu vergessen
(allein des Geruches wegen)
Ich möchte Sie fragen ob Sie jemals über Lots Frau nachgedacht haben
Ich meine warum sah sie zurück?
Ich stelle mir manchmal vor
Wie Sie mit Frau Plath an der Theke sitzen
Sie unterhalten sich über den Tod
Sie amüsieren sich prächtig
In einer dunklen Ecke sitze ich
Ich schreibe Ihnen dann zerreiße ich die Briefe und rudere zurück
Habe ich Ihnen das jemals erzählt?
Ich habe Kinder, wie Sie
Wenn ich sie morgens weggebracht habe an diese Orte
An denen sie lernen wie traurig das Leben ist,
Sitze ich im Auto auf dem Parkplatz
Meistens ist es grau und feucht und lau.
Irgendetwas in mir versucht mich zu wecken
Ich denke schon lange nicht mehr aber ich schreibe
Als wäre das ein Grund noch länger zu leben
Ich habe bald Ihr Alter erreicht, Frau Sexton,
Das macht mir Angst.
Wir haben nur scheinbar einige Dinge gemeinsam
Wenn ich die Insel erreiche (rudernd)
Werde ich an Lots Frau schreiben.

DonKju

Beitragvon DonKju » 30.05.2010, 12:15

Hallo Xanthippe,

liest sich flüssig herunter, Dein Text und regt zum Nachdenken an. Allerdings hätte ich mir betreffs Mrs. Sexton eine kleine Fußnote gewünscht, man sollte nicht immer als selbstverständlich voraussetzen, daß jeder gleich weiß, wer damit gemeint ist, es ginge auch ein Link zu Wikipedia, gugge mal da:

==> http://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Sexton

MlG DonKju

Quoth
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Beitragvon Quoth » 31.05.2010, 10:14

Hallo, Xanthippe,
mir gefällt Dein huldigender Brief an eine tote Dichterin, mit der Du Dich sehr, hoffentlich nicht zu sehr identifizierst.
DonKjus Link hat mich mit der Adressatin Deines Schreibens bekannt gemacht, deren Gedichte hier zu finden sind.
Mir war sie vorher unbekannt, ich kannte nur Sylvia Plath.
Wäre es nicht toll, wenn wir hier mal eins ihrer Gedichte übersetzten? Du suchst eins aus, wir setzen uns einen Termin (etwa 2 Wochen) und stellen dann gleichzeitig unsere Übersetzungen ein. Man lernt einen Text dadurch sehr gut kennen!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 31.05.2010, 10:22

Hallo Quoth,

Quoth hat geschrieben:Wäre es nicht toll, wenn wir hier mal eins ihrer Gedichte übersetzten? Du suchst eins aus, wir setzen uns einen Termin (etwa 2 Wochen) und stellen dann gleichzeitig unsere Übersetzungen ein. Man lernt einen Text dadurch sehr gut kennen!

Was für eine feine Idee!
Ihr "wichtigtes" Gedicht, das mit dem sie nahezu jede Lesung begonnen hat, ihre Vorstellung sozusagen: "Her Kind", das ist bislang nicht übersetzt. Merkwürdigerweise. Also ich bin dabei, wenn es darum geht, zu versuchen, dieses Gedicht zu übersetzen.
Und Danke auch für den Kommentar überhaupt und an DonKjus für den eingefügten Link.

Klara
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Beitragvon Klara » 31.05.2010, 10:55

ich bin auch dabei!
Und poste auch hier noch einen musik mercy street LInk ("for Anne Sexton") - ebenfalls eine Huldigung plus Textlink dazu von Peter Gabriel (weiß nicht, wie viel Textbezug zu Sexton besteht, kenne mich auch mit der Dichteirn nicht aus - weiß jemand mehr?):

http://www.youtube.com/watch?v=NX7zIypE ... re=related

http://www.lyricsfreak.com/p/peter+gabr ... 07511.html

gruß, k

Quoth
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Beitragvon Quoth » 31.05.2010, 11:26

O, da wären wir ja schon zu dritt! Vielleicht dass wir bis Mittwoch noch weiter Werbung machen und dann loslegen.
Das Gedicht "Her Kind" findet sich hier. Es ist gereimt ... Nun, jede Art der Übersetzung, gereimt und frei, muss erlaubt sein. Besser hier im Forum den Originaltext nicht explizit machen (Urheberrecht). Für Übersetzungen gibt es hier ja ein Unterforum.
Freue mich drauf!
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 31.05.2010, 12:59

Liebe Xanthippe,

auch ich habe erst durch den Link so richtig begriffen, um was es geht (hätte ja auch selbst mal googeln können). Der Text transportiert eine eindringliche Stimmung, die in dieser Zeile besonders gut zusammengefasst wird:

Meistens ist es grau und feucht und lau.


Es ist sicher kein Zufall, dass viele Autoren (und nicht die schlechtesten) seelisch labil waren und sind. Erhöhte Sensibilität führt zu einer klareren Sicht auf die Dinge, zu eindringlicheren Texten, aber auch zur Verzweiflung am eigenen Leben.

Ich denke schon lange nicht mehr aber ich schreibe


Ein intuitives, fast automatisches Schreiben, abgekoppelt vom Intellekt. Manche versuchen das mit Psychopharmaka. Aber in einer depressiven Verfassung geht es vielleicht auch.

Woran ich einzig hängenbleibe bei diesem Text, ist die steife Anrede. (Warum nicht einfach: Anne)

Auf eure Übersetzung freue ich mich, werde mich aber nicht beteiligen, da ich mit dem Englischen auf wenig vertrautem Fuß stehe.

Viele Grüße
fenestra

Klara
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Beitragvon Klara » 31.05.2010, 16:01

Dann starte ich mal einen zaghaften Versuch (Her Kind ist furchtbar traurig... erschütternd... )--- und stelle das Ergebnis dann am 7. Juni ein :)
Zuletzt geändert von Klara am 31.05.2010, 17:46, insgesamt 1-mal geändert.

Quoth
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Beitragvon Quoth » 31.05.2010, 16:51

Hallo, Klara,
Du stürmst echt wie ein Teufel voran - ich hatte es mir etwas gemächlicher vorgestellt - und auch nicht als Zusammenarbeit, sondern als selbständiges Parallelübersetzen mit späterer gleichzeitiger Veröffentlichung der verschiedenen Ergebnisse wie oben beschrieben. So können wir es dann ja bei einem anderen Gedicht der Autorin mal machen - hier hast Du nun eine Vorgabe eingestellt.
Wie gehen wir weiter vor? Klara verbessernd - oder - Augen zu! - eigene Versionen erstellend? Ich bin für Letzteres, sage deshalb auch jetzt noch nichts zu Deiner Übersetzung, Klara - ich habe sie nämlich noch nicht gelesen, um unbefangen zu bleiben!
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Klara
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Beitragvon Klara » 31.05.2010, 17:00

oh, pardon, missverständnis... miss sexton hat mich offenbar völlig überrumpelt -

ich glaube ohnehin, hier ist der falsche faden - irgendwo gibt es einen übersetzungsfaden...

dein vorschlag ist gut: jeder macht, dann schauen wir vergleichend krittelnd konstruktiv - ok?

Quoth
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Beitragvon Quoth » 31.05.2010, 17:19

Okay, Klara, dann schlage ich Folgendes vor: Du nimmst Deinen Text noch mal wieder raus, und wir stellen heute in einer Woche, also Montag 7. Juni 2010 (das Gedicht ist ja nicht sehr umfangreich), unsere Übersetzungen im passenden Unterforum Übersetzungen ein.
Dieser Faden ist dann wieder ausschließlich Xanthippes Brief an Frau Sexton gewidmet, der uns zu dem Projektchen angeregt hat. Gruß Quoth
PS: Wer Lust hat, noch mit einzusteigen - kein Problem! Und kein Wettbewerb, keine Abstimmung über die Resultate - nur wechselseitiges Vergleichen!
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Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 31.05.2010, 17:34

Ich finde es ganz ganz schön, dass hier so viel (so schnell ;-) passiert, weil ich dieses Gedicht schon arg lange übersetzt lesen möchte und es auch schon versucht habe, aber ich finde es sehr sehr schwer mich da zu lösen, und das gehört natürlich alles nicht hier her. Ich wollte nur sagen, ich freue mich sehr, dass diese Idee entstanden ist und freue mich noch mehr auf den 07. Juni und auf das, was dann geschehen wird.

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 31.05.2010, 17:40

Liebe Fenestra,

Danke für Deinen Kommentar.

auch ich habe erst durch den Link so richtig begriffen, um was es geht (hätte ja auch selbst mal googeln können).

Ja, das ist eine Frage, die mich immer wieder beim Schreiben verfolgt. Wie viel muss man kenntlich machen, wie viel "Hilfe" muss/sollte man anbieten und wieviel darf/soll man dem Leser selbst überlassen?
Vermutlich ist es also so, dass dieses Gedicht nur "funktioniert", wenn man Frau Sexton wenigstens ansatzweise kennt. Genau das war tatsächlich eine Frage, die mich bewegt hat, das hier einzustellen.

Die steife Anrede. Ja, vielleicht hast Du recht. Allerdings war das ja nicht ganz zufällig, Anne wäre mir eben zu vertraulich gewesen, hier sucht ja jemand gerade den Abstand von zu großer Vertrautheit. Aber möglicherweise hast Du Recht und das wird durch die Anrede nicht deutlich. Ich werde darüber nachdenken.

Klara
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Beitragvon Klara » 31.05.2010, 17:47

Okay, Klara, dann schlage ich Folgendes vor: Du nimmst Deinen Text noch mal wieder raus, und wir stellen heute in einer Woche, also Montag 7. Juni 2010 (das Gedicht ist ja nicht sehr umfangreich), unsere Übersetzungen im passenden Unterforum Übersetzungen ein.
Dieser Faden ist dann wieder ausschließlich Xanthippes Brief an Frau Sexton gewidmet, der uns zu dem Projektchen angeregt hat. Gruß Quoth

Vorschlag angenommen und ausgeführt - see you on june 17th ;)


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