Rückkopplung

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Kurt
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Beitragvon Kurt » 01.10.2011, 00:57

Zu viele Zähne säumen
den Weg zur Quelle,
in gespitzten Mäulern.

Die Herde schmaust
auf grüner Au.
Ungespeiste
Bescheidenheit.

Der einsame Baum,
noch ohne seinen
neuen Jahresring.

Auf kahler Prärie
lauscht man dem
nachwachsenden Gras.

Bald werfen Gerippe
Schatten auf mickrige
Stoppel. Immenser
Gebissausfall.

Später versinkt alles in
alter Glückseligkeit.
Zuletzt geändert von Kurt am 19.03.2014, 23:34, insgesamt 5-mal geändert.
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)

Max

Beitragvon Max » 03.10.2011, 16:12

Hallo Kurt,

das ist kein einfacher Text für mich.

Seine hermetische Gestaltung scheint es beinage abzulehnen, verstanden zu werden. Hinzu kommt, dass der Text für ein Bild nicht mehr als zwei Zeilen verwenden mag. Das gesicht (in Zeile 1/2) und die Zähne (Z. 3/4) passen ja noch zusammen, wie du dann aber zur Quelle kommst, bleibt mir schleierhaft. Hinzu kommt, dass jedes Bild stark ist und sich auch starker Vokalen bedient.
Spätestens, wenn das Gedicht mit

Jedoch die Wirkung,
sie schwächt ihre Ursache


ins Abstrakte wechselt, steige ich ganz aus - vielleicht liegt mir abstrakt nicht so.

Das ist schade, denn ich hätte gerne mehr verstanden.

Liebe Grüße
max

Kurt
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Beitragvon Kurt » 04.10.2011, 12:05

Hallo Max,

für mich stellt es sich einfach dar, aber für den Leser? Die Quelle ist eben die Nahrungsquelle; wenn es sich um eine Rinderherde handelt natürlich Gras; aber auch eine Assoziation zu der biblischen Herde (Menschen) auf grüner Au ist impliziert eben u. a. durch den gespitzten Mund (allgemein). Die Wirkung nun, wenn zuviele grasen, ist, dass ihre Ursache sich irgendwann schwächt – schneller Tod, Geburtenrückgang. Und letztendlich bewirkt diese Rückkopplung, dass die Nahrungsquelle wieder sprudelt und alles in immante Glückseligkeit taucht.

LG Kurt
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Kurt
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Beitragvon Kurt » 16.03.2014, 09:02

Rückkopplung

Ein maßloses Sperren
in gespitzten Mäulern.

Zuviel Zähne säumen
den Weg zur Quelle.

Die Herde schmaust auf
grüner Au. Ungespeiste
Bescheidenheit.

Der einsame Baum,
noch ohne neuen
Jahresring. Da lauscht
man schon begierig
dem nachwachsenden Gras.

Bald werfen Gerippe
Schatten auf mickrige Stoppel.
Darauf versinkt alles
in alter Glückseligkeit.
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)


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