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Miniaturen mit Musik

Verfasst: 07.04.2012, 13:25
von Cicero
Miniaturen mit Musik

*

Chorprobe -
in der Pause singt
ein Teekessel

*

Hafenmelodie -
über dem Krabbenkutter
kreischen die Möwen

*

Im Nachtcafé -
paar Groschen für die Jukebox
und Elvis lebt

*

Sommerkonzert -
über dem Notenpult
summt eine Hummel

Verfasst: 07.04.2012, 22:21
von RäuberKneißl
Hallo Cicero,
Das scheint mir sehr schmale Kost, die du hier vorsetzt. Ist das poetische Moment eines Hummelgesumms durch die Benennung wirklich eingefangen? Analog für die anderen Stücke - ich kann momentan nur Allerwelts-Zusammenstellungen entdecken, die verschiedene Geräusch-dimensionen nebeneinanderstellen. Fliegt - für mich - nicht.
Grüße
Franz

Verfasst: 07.04.2012, 22:48
von Niko
aber immerhin, franz, vermögen diese schnipsel ein bild zu erzeugen. den rest muss man selber hinkriegen.
lyrisch vielleicht nicht hochtrabend, aber für mich effektvoll. also ich hab bilder im kopf. und mehr...

liebe grüße: niko

Verfasst: 07.04.2012, 23:04
von Amanita
Für mich einfache Skizzen (was Cicero sicher ähnlich im Sinn hatte, da er sie Miniaturen nennt). Schnipsel sagt Niko - auch passend.
Schmale Kost will ich sie nicht nennen, allerdings: unprätentiös. Was aber ja kein Fehler ist.

Die Hummelstrophe finde ich auch nicht ideal - vor allem, dass sie die letzte Strophe ist, tut ihr keinen Gefallen. Von Elvis zur Hummel: Dieser Gedankensprung ist für mich alles andere als plausibel. "Elvis lebt" könnte ich mir als Schluss vorstellen (auch wenn ich kein Elvis-Fan bin und nie war) und die Hummel irgendwann vorher, als zweite Strophe vielleicht?

Verfasst: 07.04.2012, 23:51
von Mucki
Hi Cicero,

ich mag deine Miniaturen, da sie zum einen wunderbar bildhaft sind und alle so schön unterschiedlich.

Liebe Grüße
Gabi

Verfasst: 08.04.2012, 13:09
von Cicero
Hallo Franz, Nico, Amanita und Gabriella,

herzlichen Dank für Eure Rückmeldungen, vielleicht war es ein Fehler, nicht darauf hinzuweisen, dass jede Miniatur für sich stehen soll. So entsteht der Eindruck, dass es sich um ein Gedicht in vier Strophen handelt, den ich aber so nicht vermitteln wollte. Für jede Miniatur einen neuen Faden aufmachen, das wollte ich nicht.

Wie eine Teeblume, die sich erst in der gläsernen Kanne mit heißem Wasser zu voller Blütenpracht öffnet, so sollen die Miniaturen auf den Leser wirken. Wie Nico schon schrieb, im Kopf entstehen die Bilder ...

Mit Dir, Franz, kann ich ja bei der Lesung in Hamburg - vielleicht bei einer Tasse Tee - darüber diskutieren. :o)

Ostergruß
Cicero

Verfasst: 08.04.2012, 16:26
von Mucki
Hallo Cicero,
Cicero hat geschrieben:vielleicht war es ein Fehler, nicht darauf hinzuweisen, dass jede Miniatur für sich stehen soll. So entsteht der Eindruck, dass es sich um ein Gedicht in vier Strophen handelt, den ich aber so nicht vermitteln wollte.

als einzelne Miniaturen habe ich es auch gelesen und nicht als zusammenhängend, da die einzelnen Strophen zu unterschiedlich sind. Das einzig sie verbindende Element ist die "Musik", die in jeder Passage vorkommt, jedoch immer auf verschiedene Weise eingeflochten.

Liebe Grüße
Gabi

Verfasst: 09.04.2012, 09:56
von Ylvi
Hallo Cicero,

wenn es für dich Einzeltexte sind, würde ich sie auch einzeln einstellen, dazu haben wir ja die Kurzlyriksparte. ;-) Wenn du allerdings selbst das Gefühl hast, dass sie dafür nicht stark genug sind, ist das vielleicht ein guter Indikator?

Chorprobe und Sommerkonzert gefallen mir einzeln sehr gut. Das Sommerkonzert ist vor allem auch klanglich fein gelungen. In einem Faden oder in einen Zusammenhang gesetzt stören sie sich jedoch gegenseitig.

Hafenmelodie ist mir zu verbraucht als Bild und dadurch z.B. auch die Benennung der Möwen für eine Miniatur schon zu "geschwätzig". Nachtcafé ist mir sprachlich zu unrund, so dass dann für mich insgesamt der Eindruck entsteht, dass es keine (konzentrierte/haikuangehauchte) Miniaturen sind, sondern spontane Assoziationen auf Zuruf. Das wird durch die Gedankenstriche noch unterstützt, die würde ich auf jeden Fall weglassen.

Liebe Grüße
Flora

Verfasst: 09.04.2012, 16:02
von RäuberKneißl
Hallo Cicero,

das Bild, die Stimmung, das'Geistige', was man im Kopf hat, bevor man etwas niederschreibt muss die Durststrecke der Worte überstehen, bevor es (oder davon angeregtes) im Leser wieder erwacht. Die eigene Empfindung im Text wiederzufinden macht, glaube ich, selten Mühe. Die Fragestellung innerhalb eines Literaturportals ist mehr, ob die gewählten Worte und Stilmittel als 'Transportmittel' ihrer Aufgabe gewachsen sind. Mein Eindruck hier ist: sie sind es nicht. 'Summende Hummeln' ist in meinen Augen eine Figur, die schon zweihundert Jahre lang verwendet wird und immer schon schlecht war, das wird auch durch die Assonanz mit 'Pult' nicht gerettet.
Die verwendeten Wörter sind überwiegend positiv belegt, wer denkt bei Sommerkonzert, Krabbenkutter, Teekessel oder Nachtcafé schon an unangenehmes, so dass auch ich problemlos in eine positive Befindlichkeit wegträumen könnte - nur Bilder, die sich am Text entzünden könnten (und nach meinem Lyrikverständnis bei einem gelungenen Gedicht sogar: müssten) sehe ich nicht.
Herzliche Grüße
Franz

Verfasst: 09.04.2012, 16:35
von ferdi
Hallo Cicero,

sehe es wie Flora: "Zwei" und "Drei" weg, weil wenig aussagekräftig; "Eins" und "Vier" einzeln einstellen, die tragen. Die Gedankenstriche sollten allerdings bleiben. Nur-mal-so-Abwandlung von "Vier":

Über den Noten
Fürs Sommerkonzert
Summt eine Hummel


Ferdigruß!

Verfasst: 09.04.2012, 16:47
von Mucki
Ich stimme mit meinen Vorkommentatoren nicht überein.
Die Hafenmelodie empfinde ich z.B. nicht als "geschwätzig", sondern als die lebendigste und bildhafteste Miniatur von allen.

Cicero, mach doch einfach zwischen jeder Miniatur eine Trennlinie, so dass klar wird, dass es vier getrennte Miniaturen sind.
Entweder diese Linie:


Oder: -------------------
Oder: ~~~~~~~~~

Dies wäre mein Vorschlag.

Liebe Grüße
Gabi

Verfasst: 10.04.2012, 00:08
von ferdi
Hallo nochmal,

"Zwei" leidet auch darunter, dass die erste Zeile nicht wie bei den anderen drei Texten eine Verortung ist, sondern eine Erklärung. Und alles Haiku-artige, bei dem die beiden Teile aufeinander aufpassen müssen statt ein Spannungsfeld zu erzeugen, ist erst einmal höchst verdächtig.

Ferdigruß!

Verfasst: 10.04.2012, 09:51
von Ylvi
Hallo Franz,

Die verwendeten Wörter sind überwiegend positiv belegt, wer denkt bei Sommerkonzert, Krabbenkutter, Teekessel oder Nachtcafé schon an unangenehmes, so dass auch ich problemlos in eine positive Befindlichkeit wegträumen könnte - nur Bilder, die sich am Text entzünden könnten (und nach meinem Lyrikverständnis bei einem gelungenen Gedicht sogar: müssten) sehe ich nicht.
Das fand ich gerade interessant gemacht bei Chorprobe und Sommerkonzert, da für mich eine Spannung und Irritation durch die Zusammenstellung entsteht. Beide sind für mich nicht geeignet wegzuträumen. Ich sehe und höre die Szenen sehr klar vor mir, kann mich hineinversetzen (kleine Geschichten dazu laufen los :)) und weder der Fokus auf den singenden Teekessel, noch die summende Hummel wecken da bei mir positive Gefühle, auch wenn sie es in einen anderen Kontext gesetzt sicher könnten.

Liebe Grüße
Flora

Verfasst: 10.04.2012, 19:46
von Cicero
Herzlichen Dank an Euch für Lob und Tadel!

Die eine oder andere Miniatur werde ich nochmals kritisch unter die Lupe nehmen. Ferdis "geschüttelte" Hummel gefällt mir sehr gut. Mit Franz werde ich wohl in Hamburg statt Tee einen Schnaps trinken müssen.

:smile:

Ein Schwarm Hummeln vertrieb die Möwen vom Deck des Krabbenkutters. Was tun? Sie flogen vor das Nachtcafé und kreischten traurig mit, als Elvis sang: "In the Ghetto".

:smile:

Liebe Grüße
Cicero