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Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Niko
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Beitragvon Niko » 02.01.2018, 23:06

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.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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Klimperer
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Beitragvon Klimperer » 04.01.2018, 11:39

Titel und erste Strophe

Der Titel verrät uns der Schwerpunkt des Gedichts, das, was den Dichter zum schreiben bewegt. Die Ursache der Inspiration, sozusagen.
Er fängt damit an, uns zu verkünden, wie die Anderen, die Meisten, ihn sehen bzw. wie er glaubt, dass die Anderen ihn sehen.
Ich neige dazu, zu vermuten, dass, mit "die Meisten" er eigentlich nur wenige meint, die Menschen, die ihm nahe stehen, die sein lyrisches Ich ahnen oder zu kennen glauben.
Weiß steht hier als Farbe der Unschuld? Für die alten Römer war weiß die Farbe der Freude.
Der Dichter bezeichnet das Innere als ein Ort, in dem sich das lyrische Ich befindet. Und wo es Anlass gibt, etwas, was in Gang setzt, ein Motor, wie es in der dritten Strophe definiert wird.

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Klimperer
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Beitragvon Klimperer » 05.01.2018, 10:20

Zweite Strophe

In der zweiten Strophe sagt uns der Dichter, wie er sich selbst sieht, nämlich als ein Rätsel.
Distanziert spricht er von sich selbst, eigentlich von seinem Alter Ego, von seinem lyrischen Ich.
Ein verwundertes, fragendes Ich, das sich mit metaphysischen Sachen auseinandersetzt.
Was könnte er unter "die flüchtigkeit der Dächer" meinen?
Dächer, an sich, sind, müssen, stabil sein. Außer in den USA...
Obwohl, auch hierzulande, unlängst, man die Wirkung von Tornados zu spüren bekommen hat.
Früher, vor dem Krieg, hätte man gleich an Hüte gedacht.
Dann spricht er von dem Thema der Themenlosigkeit. Was an lyrische Erschöpfung denken lässt. Worüber soll man noch dichten?
Darum geht es ihm aber nicht, sondern um sein lyrisches Ich, das er zu definieren versucht. Er selbst fragt sich und findet, zuerst, keine Antwort.
Die Antwort ist in der letzten Strophe vorhanden.

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Klimperer
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Beitragvon Klimperer » 06.01.2018, 07:47

Dritte Strophe


"ich habe eine frage an mich und antworte mir nicht..."
Der Dichter hat eine Frage an sich. Er hat eine Frage, aber, stellt er sie?
"im bleiben fliege ich davon"
Wenn er so bleibt, also, so wie er ist, hat er das Gefühl, dass er sich von sich selbst entfremdet.
Das war noch in der zweiten Strophe.
Jetzt erscheint wieder das Wort des Titels, zwischen, mit dem Präfix da:
"dazwischen ist es drängend und laut".

Wo liegt dieses "dazwischen"? Wo liegt dieser Ort?
Offensichtlich ist es ein Ort zwischen zwei Fronten, eine Art Niemandsland, ein von gegensätzlichen Kräften umkämpftes Gebiet, eine Art Verdun, "drängend und laut".
Weit entfernt von dem Ort der ersten Strophe, so wie die Anderen, und zeitweise wahrscheinlich auch er selbst sich sieht, ein Ort der Ruhe, wo es weiß ist. Weiß wie es früher die weihnachtliche Landschaft, die Kindheit war.
"im nebel blinkt ein unsichtbarer weg"
lautet der letzte Vers.
Nicht ein Licht, ein Weg blinkt, ein Weg, den der Dichter hinter dem Licht im Nebel vermutet.

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Niko
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Beitragvon Niko » 06.01.2018, 19:32

Lieber klimperer,

es macht mich glücklich und ich empfinde soetwas wie "bescheidenen stolz", dass du dich meinem Gedicht so intensiv widmest!
Und darüber hinaus ist es noch um so schöner, weil ich für mich feststellen kann, dass dieser Text sich jemandem völlig öffnet, der (sich) darin widerspiegeln kann. Es gibt für mich als Autor keinen anderen Begriff als "Erfüllung", wenn mein Text diese Reaktion auslösen kann. Denn.... Dafür, genau dafür schreiben wir doch. Das jemand beim Lesen nickt, oder er vor unfassbarkeit mit dem Kopf schüttelt, weil er sich darin entdeckt oder er einfach nach dem Lesen da sitzt, aus dem Fenster sieht und der Text nach und nach immer tiefer in den Leser sinkt.
Vielleicht sehe ich das völlig verromantisiert. Aber ich jedenfalls bin genau so.
Ich danke dir und freue mich sehr über deine Deutung des Textes.
Übrigens: "weiß" finde ich deswegen so herrlich, weil es für all das steht, was du beschrieben hast. Aber weiß ist auch in manchen Ländern Europas die Farbe der Trauer. Man zieht sich weiß an zur Beerdigung. Ich persönlich mag das sehr!

Herzlichst - Niko
.Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)


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