Orpheus für Euridice

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Erman

Beitragvon Erman » 17.01.2018, 20:39

Orpheus für Euridice / Triptychon für Euridice

I.

An der verfluchten Küste, länger als der Tag, wo die Nachtigallen
alle tot sind, hier, wo vor mir der rote Stahl war,
habe ich den bitteren Geschmack deiner Abwesenheit
in meinem Mund gespürt. Noch dröhnt der Tod in meinen Ohren.

Die Nacht auf dieser Seite des Mondes versinkt öfter
in unbrauchbaren Wahrheiten und begeisternden Schlachten.
O, unter der Haut, der Blutstrahl meiner Sehnsucht,
die Nacht von der anderen Seite des Mondes, Nacht der Kirschen.

Doch alle Türen sind verschlossen. Jeder Widerhall ist tot.
Nie haben sie so geliebt.
Ich, das Opfer, werde ich das Geheimnis des Todes überraschen?

Bittere Träne im Herzen. Im Wind der Prüfung bin ich allein.
Enden will dieser steinerne Traum nie.
Ich muss Dich aufwecken, tote Euridice.

II.

Auf dem Grund der blinden Landschaft, wo es mich nicht gibt,
sind Grauenbilder, von der Seite des Blutes wo die giftige Frucht wächst
stieg ich hinab, dort wo die Nacht bald das Gestirn der Tränen
veruntreut, das in mein Auge reifen

und sich in meinen Schläfen ansiedeln wird.
Hier bin ich, ohne Gegenwehr, vor der Schrecklichen Einsamkeit.
Wenn auch der Wunsch, sich umzudrehen, quält - vergeblicher ist der Versuch.
Das Gesicht ohne Augen auf der Wand des Seins.

Rote Vögel singen in meinem Fleisch.
Schwarze Vögel kreisen über meinen Kopf.
Aufgebrochen sein soll meine Stirn im Geflecht

mit Lepra und Stein , unter der Sommerwiese,
falls ich dein Wunderbares Gesicht auf diesem
Bitteren Strand der Finsternis und Fieber verliere.

III.

Die Nacht, das sind Sterne. Aus meinem schlafenden Haupt
fliegen die Vögel. Zwischen zwei Bitteren Tiefen ein Vogel und das Horn
der guten Hoffnung. O, wäre ich nur tot. Doch Verwünschungen helfen nicht.
Meinen Tod trage ich in meinem Haupt. Ich, der Suchende ohne Mittel und Gesicht.

Verloren habe ich Dich des Nachts an die Unterwelt,
ich, der Wilde Stern-Jäger, durch Falsches Zeugnis, der Täuschung
gegenübergestellt, unversöhnlicher Schläfer vom Schicksal gezeichnet,
ich, dessen Tränen über ein Fremdes Gesicht rinnen.

Wo bist Du außer in meinem Lied, Du Wunderbare Euridice?
Reif bist Du in jeder Gestalt der Erscheinung, O, Du, das Bild
meiner Schwarzen Stadt und des verlorenen Augenmerks.

Überall auf der Welt herrscht grauenvolle Liebe.
Sie zeigen sich am Horizont als letzte Hoffnung.
Wolken voller Vögel und den Zukünftigen Pflanzen.

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