Kniekehlen

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Schwarzbeere
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Beitragvon Schwarzbeere » 25.06.2018, 10:42

Lausche

:guckguck:
Da überholte mich eine große, mehr magere als schlanke
Dame, denk ich, doch nicht unhübsch von hinten anzusehen,
und angeregt beginne ich zu phantasieren,
dass mich die Kniekehlen der Schlanken so faszinieren.
Und ich starre dorthin, wo die Beine immer weiter gehen…
Dann hole ich tief Atem und flüstere nur: Danke!

Was Kniekehlen wohl so bedeutend macht?
Jene Kehlen, sie singen ja nicht, noch haben sie andere Ziele.
Was mich jedoch so erregt, ist allein der Gedanke,
dass diese Kehlen mich fassen wie eine Pranke
eines Raubtiers, dem ich zur Beute fiele,
nach der erträumten Eroberung lustvoller Nacht.

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Schwarzbeere
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Beitragvon Schwarzbeere » 25.06.2018, 11:52

neulich sah ich tatsächlich ein Paar langer, schlanker Beine und das Wort "Kniekehle" überfiel mich. Ich spielte damit und hier ist das Resultat,

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nera
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Beitragvon nera » 29.06.2018, 01:53

nachtigall und lerche
lausche
nichts dröhnt
gewaltig
deine sixbrust lockt
die säbelbeine dein stülbbauch

kehlt ( rasiert my dear)
noch im gleichschritt
ein zirben
die heimsuchung
die biblische plage
die kehle
das knie
kehle
die langbeinige die wunschmaria
dorthin wo alles beginnt undalles endet
unter den röcken der weiber
-gott will es, alter mann, träume
hadere

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 29.06.2018, 08:30

Wunschmaria :DD:

@ Schwarzbeere: Ja, Kniekehlen-Träume. Wenns denn unbedingt sein muss, hätte ich das gern selbstironischer!

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Schwarzbeere
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Beitragvon Schwarzbeere » 29.06.2018, 19:51

Nero dünkte sich als Dichter,
War Lyrazupfer, Romvernichter
Und auch sein eignener Gott und Richter.

Gilt dies auch, wenn statt -o ein -a?
Schilt man den Nächsten als “gaga“?
Ein Kratzfuß Euch, erhabene Nera!

Doch denkt daran, dass die Natur
Den Leib allein lässt altern nur,
Doch nie Erlöschen macht l’Amour!

Nikolaus
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Beitragvon Nikolaus » 29.03.2021, 15:33

Hallo Schwarze Beere!

Dein Gedicht ist cool! mir gefällt die Versform besonders. ABCCBA - Das ist toll. Ich persönlich habe diese Versform noch nicht oft gelesen.
Allerdings ist die Metrik holprig. In den Hebungen uns Senkungen ist es nicht immer gleich und die Betonungen laden zum Stolpern ein. :cool:
Ich begradige mal die erste Strophe. Vielleicht macht es dir dann bewusst, was ich meine....


Da überholt mich eine große und mehr magere als schlanke
Dame, denk ich, doch nicht unhübsch hinterwärtig anzusehn,
und angeregt beginne ich darauf schon wild zu phantasieren,
dass mich der Schlanken Kniekehlen so stark und maßlos faszinieren.
Ich starre dorthin, wo die Beine scheinbar immer weiter gehen…
Dann hole tief ich Luft und flüstere voller Andacht nur ein "Danke!"


Vielleicht kannst du erkennen, was ich meine? Für mich!!!!!!!!!!!!! liest es sich auf Grund der nun verbesserten Metrik geschmeidiger und ohne holpern.

Herzliche Grüße - Niko
Ich lese Lyrik. Das spart Zeit.

(Marilyn Monroe)

aram
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Beitragvon aram » 02.04.2021, 05:21

hollarethuliöö.
jetzt hab ich doch glatt "beginne ich darauf schon wild zu onanieren" gelesen. (lesenswerter text von nera übrigens, mitten unter den zahlreichen kommentaren.)

schwarzbeere - ehrliche anerkennung:
kaum jemand schreibt technisch so bewandert und flüssig wie du.

jedoch - die zeiten haben sich auch oder vor allem inhaltlich gewandelt; mit so etwas wie der oben verlinkten hörversion kannst du dich quasi schon nahtlos in den maßnahmenvollzug mit sicherheitsverwahrung buchen - zumindest fakultativ, und wenn sich unsere kultur weiter so entwickelt, vielleicht demnächst obligat.

ist so.

...warum? - dazu lege ich das buch "männerphantasien" von klaus theweleit ans herz, in zwei bänden 1977/78 erschienen, somit vor über 40 jahren.

schon damals intensiv rezipiert - band 1 wurde von rudolf augstein als die „vielleicht aufregendste deutschsprachige publikation des jahres“ bezeichnet -, hat es entscheidenden anstoß gegeben, vieles, das bis dahin als "normal" galt, in seinen in der psyche darunter schlummernden abgründen aufzuzeigen.

und zwar besonders an literarischen beispielen realer autoren - die auf den ersten blick sehr oft bloß mehr oder weniger poetisch, oder harmlos, oder höchstens unfreiwillig komisch wirkten.

die aufgezeigten parallelen zwischen sprachausdruck, gefühlsleben, fantasien, wie in dieser generation üblich, "in zucht und ordnung" erzogener männer und ihrer inneren, ihnen selbst gar nicht bewussten leere und entfremdung durch die erfahrene züchtigung ließen echt inne halten - auch mich damals.

und sie haben zu einem paradigmenwechsel beigetragen, der inzwischen weitgehend historisch vollzogen ist: danach versteht man texte wie den obigen einfach anders als vor diesem historischen wechsel, liest einfach anderes heraus.

männer wie vielleicht du, die noch der ursprünglichen generation angehören und diese entwicklung möglicherweise (bzw. offensichtlich) nicht mitvollzogen haben/ mitvollziehen konnten, fallen inzwischen unangenehm auf, wenn sie sich so ausdrücken, wie es für sie zeitlebens normal und angemessen war.

bitte werte das nicht als persönlichen angriff, es ist keiner. auch wenn mir selbst bei texten wie dem obigen eine art übelkeit hochsteigt, die nicht oder wenig in vordergründigem, aber sehr oder überhaupt den von theweleit aufgezeigten zusammenhängen im hintergrund wurzelt, deren präsente wahrnehmung vielen männern der jüngeren generationen doch schon 'in fleisch und blut' übergegangen ist.

denn dann geht es einfach nicht mehr so wie früher - es geht einfach nicht.
- und zwar keineswegs bezogen auf das, was jemand vielleicht 'sagen dürfen soll' oder auch nicht - es geht nicht um zensur, sondern um: wie sich das als leser anfühlt, im eigenen inneren.

vielleicht bist du ja neugierig genug, um in die "männerphantasien" mal reinzulesen -
das leben ist groß.

aram


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