Diese Nachmittage

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Eule
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Beitragvon Eule » 03.06.2019, 11:38

Diese Nachmittage an denen es
Kuchen und Obst regnete und
so viele Stunden ohne Reue

Sie tropfen aus den Juligewitterwolken wie
Himbeeren und Stechmücken und löchrige
Turnschuhe warum haben wir uns nicht

Eingegraben in den Geräteschuppen es ist
So weit bis zu dem kaputten Schutzblech an
Dem jede Hoffnung zugrunde ging und keine
Radtour scheiterte.
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 03.06.2019, 13:00

Das klingt ja mal schön wuchtig und direkt ...

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birke
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Beitragvon birke » 05.06.2019, 08:18

ich weiß gar nicht, was ich mehr schreiben soll, als dass ich das ganz wunderbar finde!
es ist diese mischung aus himbeeren und löchrigen turnschuhen, dieses üppige aus kuchen- und obst-regen, und doch eben aus gewitterwolken, dann diese hoffnung, die sich aus allem ergibt und dann doch scheiterte... am ende (des gedichts); ganz famos. bunt und nahegehend.
lg, birke
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Klara
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Beitragvon Klara » 09.06.2019, 10:20

gefällt mir auch - vielleicht wäre zu überlegen, ob das erste Wort von "diese" zu "jene" werden könnte, weil sie ja vorbei sind, die Nachmtitage? Aber nee, "diese" ist besser, sie stehen da vor dem Ich, direkt vor ihm, vergangen und präsent zugleich

flyy
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Beitragvon flyy » 14.06.2019, 21:26

Hallo Eule,

dieser Text gefällt mir auch richtig gut. Er nimmt mich von Anfang an mit,
dabei mit Lust und Erwartung auf die Bilder und Worte, die noch kommen
werden. Bis zu

dem kaputten Schutzblech an
Dem jede Hoffnung zugrunde ging.


Denn die Sache danach mit der gescheiterten Radtour verstehe ich nicht
wirklich. Kannst du mir da weiterhelfen?

LG, flyy

Ach, und wäre in der zweiten Strophe statt tropfen nicht tropften
richtiger? Du bleibst ja auch sonst im Pretäritum.

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birke
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Beitragvon birke » 16.06.2019, 20:38

flyy hat geschrieben:Bis zu

dem kaputten Schutzblech an
Dem jede Hoffnung zugrunde ging.


Denn die Sache danach mit der gescheiterten Radtour verstehe ich nicht
wirklich.


es steht ja da: keine radtour scheiterte!
ich verstehe es so, dass die radtour nie an irgendwas scheiterte, nicht mal am kaputten schutzblech, allerdings die hoffnung auf das andere schon ;) bei der vllt auch das scheitern der radtour geholfen hätte...



Ach, und wäre in der zweiten Strophe statt tropfen nicht tropften
richtiger? Du bleibst ja auch sonst im Pretäritum.


das lese ich so, dass die erinnerung daran ja /jetzt/ stattfindet... also ins jetzt tropft.

lg
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Eule
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Beitragvon Eule » 17.06.2019, 21:58

Danke für Eure Kommentare, der Text enthält mehrere Zeitebenen, deshalb lasse ich ihn erst einmal so stehen.
Ein Klang zum Sprachspiel.

flyy
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Beitragvon flyy » 22.06.2019, 00:12

Ja, birke, so hab ich den Text auch verstanden ...
Hab ihn aber wohl so nicht verstehen wollen, weil mir das Ende
so schwach erscheint. Zu schwach für einen so schönen Text.

Aber es hat ja letztendlich immer der Autor die alleinige Hoheit.

LG, flyy


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