Der letzte Tanz

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 04.01.2020, 10:39

der letzte Tanz

wird aufgespielt
draußen heraufgespült werden
Regenmassen
die uns am Ende nichts übrig lassen

die Musikinstrumente
husten Rost
über den Fluten die Luft
ist giftig für alles

lass uns noch einmal
ein einziges Mal –
deine Augen sind
riesige Austern

so nah am Wasser
(es steht uns bis zum Hals)
das Salz
legt sich auf das Leben

die Welt
die auseinanderfällt

Kurt
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Beitragvon Kurt » 04.01.2020, 10:50

Gefällt mir.

LG Kurt
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)

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birke
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Beitragvon birke » 04.01.2020, 11:58

oh ja, gefällt mir auch.
(irgendwie kommt es mir bekannt vor, hab mal geschaut, hier im salon jedenfalls stand es noch nicht vorher - aber vielleicht hattest du diese thematik schon mal, zwei (ganz nah, im tanz) zusammen und drumherum die welt, die auseinanderfällt. starkes bild.)
liebe grüße und ein rundum frohes 2020 wünsch ich dir!
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 04.01.2020, 12:07

Danke an Euch.

Ja, liebe birke, dieses Thema (abgewandelt: Tanz auf dem Vulkan) habe ich öfter mal, da hast Du recht.

Der Schluss gefällt mir noch nicht so ganz, irgendwie fehlt mir da was. Hat jemand eine Idee?

Nifl
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Beitragvon Nifl » 04.01.2020, 15:23

Hallo Ama,

puh, ganz schön dystopisch.


wird aufgespielt
draußen heraufgespült werden

diese Nähe von wird/werden gefällt mir nicht so


über den Fluten die Luft
ist giftig für alles

"für alles" ist mir zu einfach, da hätte ich gerne was Spezifischeres


die Musikinstrumente
husten Rost

stark (vielleicht ohne Musik)


lass uns noch einmal
ein einziges Mal –
deine Augen sind
riesige Austern

reichte groß auch?


die Welt
die auseinanderfällt

vielleicht:

die Welt
im (Um)Schwung

Hätte dann auch einen Rückbezug zum Tanz.

Schwieriger Text, der aneckt und selbst etwas eckig wirkt.

Grüße
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 04.01.2020, 16:13

hallo nochmal,


über den Fluten die Luft
ist giftig für alles

"für alles" könnte sogar einfach entfallen, meine ich?


lass uns noch einmal
ein einziges Mal –
deine Augen sind
riesige Austern

oder auch nur "Austern"? das bild ist ja an sich schon stark... da braucht es eigentlich keine weitere verstärkung?

nifl,
die Welt
im (Um)Schwung

... das wäre allerdings ein ganz anderer sinn als "auseinanderfallen"!
ich finde den schluss an sich so, wie er ist, stimmig und stark.
evtl noch so? auch um das doppelte "die" zu vermeiden..

während die welt
auseinanderfällt


lg
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Nifl
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Beitragvon Nifl » 04.01.2020, 17:08


über den Fluten die Luft
ist giftig für alles

"für alles" könnte sogar einfach entfallen, meine ich?

ja, das wäre eine gute Lösung.


lass uns noch einmal
ein einziges Mal –
deine Augen sind
riesige Austern

oder auch nur "Austern"? das bild ist ja an sich schon stark... da braucht es eigentlich keine weitere verstärkung?

ja, wobei ich bei der Verstärkung sofort an Margaret Keane denke und das passt sehr schön, finde ich.


nifl,
die Welt
im (Um)Schwung

... das wäre allerdings ein ganz anderer sinn als "auseinanderfallen"!
ich finde den schluss an sich so, wie er ist, stimmig und stark.
evtl noch so? auch um das doppelte "die" zu vermeiden..

während die welt
auseinanderfällt

Fällt sie denn auseinander? Ich glaube, der Welt ist das schnurz, aber die Menschen nehmen sich so wichtig, dass sie glauben, sie seien die Welt?
Und der Reim, hm, nimmt er das nicht auf die zu leichte Schulter?
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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birke
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Beitragvon birke » 04.01.2020, 17:14

Nifl hat geschrieben:

nifl,
die Welt
im (Um)Schwung

... das wäre allerdings ein ganz anderer sinn als "auseinanderfallen"!
ich finde den schluss an sich so, wie er ist, stimmig und stark.
evtl noch so? auch um das doppelte "die" zu vermeiden..

während die welt
auseinanderfällt

Fällt sie denn auseinander? Ich glaube, der Welt ist das schnurz, aber die Menschen nehmen sich so wichtig, dass sie glauben, sie seien die Welt?
Und der Reim, hm, nimmt er das nicht auf die zu leichte Schulter?


oh ja, der reim war mir in der tat gar nicht aufgefallen. vielleicht statt "welt" auch "erde"?
naja, schau mal, amanita! :)
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.01.2020, 09:33

Oh, danke! Ist ja richtig was los hier!

Einige Kritikpunkte springen mich regelrecht an, ich freue mich. "Wird" und "werden" ist blöd, ja. Mal schauen, ob da noch was geht ...

"Alles" ist vielleicht auch blöd, aber ich finde schon, da muss was hin.

"Umschwung" hingegen gefällt mir überhaupt nicht ...


Nifl, danke, vielleicht könnte ich noch mehr Ecken einbauen. Damit der Tanz ordentlich eiert.


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