Der gealterte Frühling

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Kurt
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Beitragvon Kurt » 31.03.2020, 14:46

Der gealterte Frühling

schlurft über den flirrenden Asphalt
seine Schicksalshölzchen sind gefallen
Füßchen so schwer im Fundament

Er hält inne
ein leichtes Wehen aus
fernen Gärten herüber
ein Duft von Flieder

Der Blick des Alten streift
die leere Werbetafel
von Schmetterlingen überzeichnet
mögliche Reklame in
zarte Poesie

entfacht nochmal Gedanken an
erste Liebe an süße Verlockungen
an die Träume seiner Jugend

Wie Killerbienen schwirren
die Erinnerungen
ihm durchs Gehirn ohne das
ihre Stachel ihn injizieren
mit etwas von Bedeutung

Dann ein frisches Wehen
und alles ist verflogen
mit dem Duft von Flieder
Zuletzt geändert von Kurt am 30.04.2020, 15:57, insgesamt 2-mal geändert.
"Wir befinden uns stets mitten im Weltgeschehen, tun aber gerne
so, als hätten wir alles im Blick." (Kurt)

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birke
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Beitragvon birke » 31.03.2020, 18:25

das finde ich unglaublich anrührend... sehr schön.
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

https://versspruenge.wordpress.com/

jondoy
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Beitragvon jondoy » 22.04.2020, 20:00

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Kurt
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Beitragvon Kurt » 23.04.2020, 00:09

No, mein Lieber, mit Amanitas Gedicht hat meins nischt zu tun, sondern eher mit meinem eigenen, welches ich vor Jahren hier reinstellte. Gehe in letzter Zeit ma alte Texte durch und schreibe sie auch schon mal nach spontanem Gusto um. https://www.blauersalon.net/viewtopic.php?f=2&t=14167
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jondoy
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Beitragvon jondoy » 23.04.2020, 11:44

Das war mir schon klar, habs ja extra deklariert, dass die aneinandergefügten Zeilen aus dem jeweiligen Kontext herausgelöst wurden. deiner ist ein bischen der sanftere Text, amanitas Text etwas temperamentvoller.
Es waren Textpuzzlebausteine, die vom Klang her auf mich artverwandt gewirkt haben, egal, welche Intension dem/der Autor/in beim Schreiben seines Textes da tatsächlich vorgeschwebt ist, und deshalb hat es mich deshalb gelockt, sie zusammenzustecken.

Das neugeschaffene Ergebnis hat einen trocken-herben, melancholischen Ton am Ende mit einem aufbegehrenden Unterton . Ich seh da zwei ältere Männer vor mir...ziemlich schräge Typen....

Ich weiss nicht, mit diesen Jugendremiszenzen und diesem Flieder, das allein bewegt (mich) noch nicht.
Der Text ist eindeutig leicht-melancholisch....eigentlich mag ich das, aber irgendwas fehlt....

...dennoch gefallen mir beide Textbeginns von der Wortwahl her.....es sind artverwandte Bilder...deswegen habe ich mir die Zeit genommen, amanitas Text zu finden und diese Umkomposition aufzuschreiben, um sie mir anzuhören....hab das Ergebnis nicht verworfen...

Kurt
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Beitragvon Kurt » 23.04.2020, 14:17

Ja, sehe ich auch so. Es fehlt was. Außerdem kam es mir auch zu einfach vor, diese Jugenderinnerungen und Befindlichkeiten, irgendwie zu schlicht.

Danke für deine Anregungen. Werde dann wohl irgendwann versuchen, mehr draus zu machen.

LG Kurt
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birke
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Beitragvon birke » 23.04.2020, 16:12

... an sich fehlt (mir) hier nichts, vielleicht aber ist es ein bisschen zu süß, verklärt, - dadurch auch zu viel erklärt?
wörter wie "wehmütig" und "süß" bspw. befinden sich auch so im text, ohne sie explizit nennen zu müssen.
also, solche wörter könnten m. e. tatsächlich gestrichen werden, ohne dass der text etwas von der stimmung einbüßen müsste.
die strophe mit der werbetafel finde ich übrigens besonders fein!
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Kurt
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Beitragvon Kurt » 23.04.2020, 16:24

Danke, Birke. Das mache ich jetzt auch zunächst ma, das Streichen . Alles andere wird sich irgendwann ergeben.

LG Kurt
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Kurt
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Beitragvon Kurt » 28.04.2020, 20:30

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