[mein körper]

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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birke
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Beitragvon birke » 08.02.2021, 18:06

.

mein körper ist ein schrank
mit löchern
seine oberfläche ist weich
und biegsam
ich kann nicht hinein-
blicken nur heraus
seinen inhalt fühlen
er ist beweglich
etwas beschwerlich
mit der zeit
aber untrennbar verbunden
mit mir so trag ich ihn
bei mir putze ihn
von innen
und außen hüll ich ihn ein
in buntes warmes luftiges
bin ihm zugetan
wie einer langjährigen
liebe




("ich" vor "bin ihm zugetan" gestrichen.)


.
Zuletzt geändert von birke am 02.04.2021, 10:30, insgesamt 1-mal geändert.
tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 08.02.2021, 18:38

Eine nicht unwitzige Liebeserklärung :-)

Als Dir dieser Text einfiel, warst Du da gerade im Badezimmer bei der Körperpflege?

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birke
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Beitragvon birke » 09.02.2021, 10:22

lach, danke pjotr!
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Nikolaus
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Beitragvon Nikolaus » 29.03.2021, 14:48

Hallo Diana!
Ja...Eine "jecke" Art der Eigenbetrachtung. Wobei die ersten beiden Zeilen ja schon obszön wirken....naja......."Für jugendliche unter 16 nicht geeignet!" :guckguck:

Ich hätte mir gewünscht, dass du den letzten drei Zeilen eine extra Strophe gegönnt hättest. Denn ich versuche immer, die vorangegangenen Zeilen im Kontext mit der darauffolgenden Zeile zu lesen. Das machst du ja immer sehr gekonnt. Insofern ist es ein Bruch bezüglich den letzten drei Zeilen, finde ich.
Aber........Jeck! Ich mag solche Gedichte, die eine neue Idee sind und aus der Gedichte-Art ausbrechen.

Herzlich grüßend - Niko :blumen:
Ich lese Lyrik. Das spart Zeit.

(Marilyn Monroe)

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birke
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Beitragvon birke » 29.03.2021, 21:10

also, ich fänd es ja eher obszön, von einem körper ohne löcher zu reden/ schreiben, schmunzel. der körper besteht doch quasi aus löchern? :) aber okay, lässt sich sicher auch in eine leicht andere richtung lesen.
ja, die letzten drei zeilen könnte man tatsächlich gut absetzen, das ist eine überlegung wert.
danke dir, niko!
herzlich grüßend zurück,
diana
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aram
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Beitragvon aram » 02.04.2021, 00:09

liebe birke,

&niko: ..oder vielleicht "ich" in der drittletzten zeile streichen? - einzeln abgesetzte strophe täte der gesamtform abbruch, oder?

~
die stelle die ich beim ersten lesen am spannendsten fand: "ich kann nicht hinein- / blicken nur heraus" - aus teil eins der aussage geht hervor dass lyrich draußen ist , aus teil zwei dass es ebenfalls draußen ist - aber wie blickt es "zu sich her", von wo aus?

diese doppelte betonung eines draußen-seins aus dem eigenen körper, verbunden mit gleichzeitigem widerspruch (oder ist es bloß ein paradoxon? - ..ich glaube nicht..), plus der aussage 'ich seh nicht rein' - alles zusammen in zwei kurzen zeilen aus insgesamt fünf (enhalb) wörtern - finde ich klasse.

"ein schrank mit löchern" ist dominierendes bild, hat in seiner sprödigkeit was - zugleich lässt es mich aber auch ratlos, weil ich mir weder unter einem löchrigen noch unter einem gelochten schrank was rechtes vorstellen kann - bzw. wüsste ich gar nicht, wie ich mir ein exemplar solcher art vorstellen könnte.

so etwas ist aber vielleicht für sich genommen schon was seltsam-seltenes, und somit wohl kein missglücktes bild - da letztere meist unwillkürliche vorstellungen evozieren, die nicht passen/ nicht gewollt sein können; vermag ein bild dagegen gar keine vorstellung zu erwecken, ist das vielleicht schon wieder was besonderes - mutmaße ich.

und das würde zu dieser beschriebenen beziehung passen - leichte ratlosigkeit, etwas nicht sehen können, widersprüche - und doch: tun, pflegende maßnahmen, innen/aussen, zuwenden, kümmern, beobachten, zusammen sein - lieben.

irgendein element in der beschreibung dieser sperrig-liebevollen beziehung fehlt mir dennoch zu einem einem - ja, 'ganzheitlichen' körperlichen daseinsgefühl, das ich bei aller brüchigkeit doch auch vermuten würde oder gar durchschwingen zu spüren glaube, analogen 'lesegefühl' - aber vielleicht bleibt da auch einfach nur etwas in schwebe, das genau so soll -

"bin ihm zugetan" finde ich schön in seiner hier doppelsinnigkeit, plus noch zart-altmodischen romantik - wie etwas, mit dem man auch deshalb behutsam ist, weil man es trotz prolongiertem miteinander-bekannt-seins nicht recht fassen kann.

gern gelesen, lg **

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birke
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Beitragvon birke » 02.04.2021, 10:28

sehr feine und interessante gedanken hierzu - danke, aram!
wenn ich den text jetzt wiederlese, dann erscheint es mir auch so, als wäre das ich mal innen, mal außen, sicher ist nur, dass es das innere nicht so richtig fassen oder sehen kann ...
das "ich" vor "bin ihm zugetan" zu streichen ist eine gute idee, danke.
lg, birke
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