töne einer leuchtenden dunkelheit

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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birke
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Beitragvon birke » 24.01.2023, 16:24

.

in eine zerlaufende nacht
fließen zeilen aus halbhohen
bäumen leuchtet ein blatt
wir pendeln zwischen
sprachlosigkeit und knistern
im gehölz war der tag
ein wort oder tatort
waren wir durstig waren wir
wirklich oder nicht
zurechnungsfähig zeugungsfähig
sind träume kinder
einer versäumten zeit
und wie lange hält eine erinnerung
an der fensterscheibe
an der einsamkeit einer erde
einer frau
bedachte gemeinsamkeiten
zwischen himmel und
herrlichkeit
bin ich du
sind wir
tagundnachtgleiche

.
Zuletzt geändert von birke am 27.01.2023, 09:40, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Pjotr » 25.01.2023, 11:27

Das ist ja mal eine geradezu epische, klassisch-romantische, leidenschaftlich-drängende Bilderflut, oder besser: Bilderglut, aufsteigend zu buchstäblich astronomischen Größenordnungen. Ich glaube, größer gehts nimmer :-)

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Beitragvon birke » 25.01.2023, 15:00

... ich hoffe, im positiven sinne? :)

Pjotr hat geschrieben:Ich glaube, größer gehts nimmer :-)

ach, doch, doch, bestimmt ... :DD:
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Beitragvon Pjotr » 25.01.2023, 15:37

Positiv! Ja. Ich mag große Erscheinungen ebenso wie kleine. Meine Geschmacksbandbreite ist breit :-)

Oder so gesagt: Ich mag Dynamik. Und die impliziert natürlich das Kleine und Große, das Leise und Laute, was die Spannung erzeugt, die nötig ist, um den Drang und die Leidenschaft auszudrücken. Für sowas bin ich immer zu haben. Gerne auch übertrieben. Ohne Übertreibung keine Fantasie ...


P.S.: Die lyrisch-dramatische Funktion des Adjektivs "halbhoch" habe ich im gegebenen Kontext nicht verstanden.

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Beitragvon birke » 25.01.2023, 21:01

fein, dann freuts mich!
ach, halbwüchsig, jung, halbhohe vorlage...? ;)
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Beitragvon Pjotr » 26.01.2023, 04:18

Im Sinn von halberwachsen?

Die Vorsilbe "halb-" verstehe ich immer in Bezug auf einen absoluten Höchstwert, wie beispielsweise bei "halbgar", "halberfroren" etc. Hingegen bezieht sich "halbhoch" auf "hoch", und "hoch" ist leider nicht absolut, sondern relativ, denn nach hoch kommt höher und noch höher. Deswegen hat sich an der Stelle mein Lesefluss kurz verwurschtelt, was schade ist, weil Dein Film ansonsten geschmeidig durchrollt ...

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Beitragvon birke » 26.01.2023, 09:15

ja, verstehe. vielleicht besser "aus jungen bäumen"?
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Beitragvon Pjotr » 26.01.2023, 09:46

Wie jung soll das Bild wirken? Wie ein 14-jähriger Mensch? 16? Mit 18 ist meistens die maximale Körperhöhe erreicht :-)

"Halbwüchsig", wie Du vorgeschlagen hast, fände ich auch gut. In meinen Augen wäre das gleichbedeutend mit "jugendlich", vielleicht sogar jünger ...

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Beitragvon birke » 26.01.2023, 10:13

stimmt, halbwüchsig ist auch aufgrund der doppeldeutigkeit sehr schön.
nehme ich!
aus "halbhohen bäumen" werden also "halbwüchsige bäume". :)
danke, pjotr.
ps: wobei mir das jetzt ein wenig sperrig erscheint. ich muss das noch mal überdenken..
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Beitragvon Pjotr » 26.01.2023, 18:32

Sperrig im Klang?

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Beitragvon birke » 26.01.2023, 20:26

ja...
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Beitragvon Pjotr » 27.01.2023, 04:32

Musikalisch betrachet empfinde ich das "ha-ho-he" eher als abgehackt und das "ha-wü-si" eher als melodisch-fließend.

Kommt natürlich drauf an, wie mans liest :-) Man kann den Effekt auch umdrehen:

haalbooee

halpp-wükk-sikk



Apropos. Es gibt da ja einige englischsprachige Komiker, die die Härte der deutschen Sprache parodieren am Beispiel des Wortes "Schmetterling" (der Witz wird oft weiterkopiert). Der Komiker sagt zuerst ganz sanft und leise "butterfly" und macht dabei anmutige Bewegungen mit Blick auf die Weichheit des Butters und die Leichtigkeit des Fliegens. Dann bringt er den Kontrast und schreit "SCHMETTERLING!". Das Publikum lacht. -- Rein lautmalerisch kann man den Gag auch umdrehen. Das "Schschschmmmm..." klingt an sich äußerst geschmeidig; man kann es geradezu auf der Zunge zergehen lassen. Danach das "etter" ist keinesfalls härter als das "utter". Und das "ling" am Ende ist doch wohlklingender als das lippenflappsige "FL".
Alles eine Sache der Kinositzposition.

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Beitragvon birke » 27.01.2023, 09:40

ja, interessant, pjotr, ein gutes beispiel. aber - es ist nicht nur der klang. im halbwüchsigen steckt mir doch jetzt zu sehr das "halbstarke" mit drin, oder auch minderjährig, unmündig, was hier gar nicht passt (für mich), sondern es geht mir schon eher um die größe, die höhe, und auch wenn "halbhoch" streng genommen eine referenz bräuchte, mag ich es hier, auch oder vllt sogar gerade deswegen.
das "-wüchsig" empfinde ich inzwischen als fremdkörper, vom klang und auch von der bedeutung her.. deshalb ändere ich oben zurück in die ursprungsversion. manchmal bin ich zu schnell mit dem ändern ;)
allerdings hat das halbwüchsig in verbindung mit einem baum durchaus was, vielleicht in einem anderen gedicht...?
danke dir sehr für den interessanten austausch diesbezüglich, bin ich mir dieser worte doch noch mal bewusster geworden. :)
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