Wenn ...

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Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 30.03.2024, 05:12

Wenn ...

man Markus ADHS unterstellt,
er mit der Therapeutin
in Mini und Busen dick,
nicht hatte rechnen können,

und Mütter Lichter
entzünden auf den Gräbern
ihrer jungen Helden, die eben
noch ausgeschwärmt waren,
(so kam es ihnen vor) Kinder,
in die nahen Wälder,
im Spiel Fahnen eroberten
und gegnerische Burgen,
sich metzelten im Spaß,

wenn wir auf der Suche nach
außerirdischer Erkenntnis
immer nur uns selbst begegnen,

wenn wir das Gras wachsen hören,
in Gedanken durch Wände gehen,
Strickleitern von DNA erklimmen,
in Sternenhaufen die berühmte
Nadel suchen und den Faden,
welcher alles zusammenhält,
uns immer nur in uns selbst
verstricken, ratlos auf dem Klo
sitzen, auf Erleichterung
hoffen,

wenn Markus, egal, wie auch
immer und auch wir...
was dann?
Zuletzt geändert von Epiklord am 12.04.2024, 18:13, insgesamt 4-mal geändert.

OscarTheFish
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Beitragvon OscarTheFish » 03.04.2024, 14:19

Hier flossen die einzelnen Fragmente zusammen. Aus meiner Sicht sogar überzeugend. Unerwartet blieben Aufmerksamkeitsreaktionen jedoch aus. Warum?
Ein paar ausgewählte Werke zur Stillung weiterer Neugier:
AKUTES ABDOMEN, OBWOHL WIR BLIND SIND, SCHMUSEREI, MUCH ADO ABOUT FUJI.
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birke
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Beitragvon birke » 04.04.2024, 22:36

[ich empfinde die bezeichnung "titten" als extrem abwertend, dichterische freiheit hin oder her, das gilt hier wie dort (s. haiku). es kommt natürlich auch immer auf den kontext an, der mir hier wie dort jedoch nicht plausibel oder genug überzeugend erscheint; der dieses wort weder rechtfertigt noch benötigt.]
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Epiklord
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Beitragvon Epiklord » 05.04.2024, 00:02

ADHS ist eine Erfindung der Moderne. Dienlich ist in der Schule und für die Gesellschaft, wenn ein Kind sich auf eine Sache konzentrieren kann. In der freien Natur war es eher gefährlich.

Ein Bild von der Welt machen, ist willkürlich und ergibt sich aus Aufmerksamkeiten auf anschauliche oder pragmatische Umstände. Manche Dinge scheinen wichtig, andere werden ausgeblendet. Auch ein Kontext wäre konstruiert. Die Welt vorgestellt als ein Ganzes gibt es nicht. Trotzdem entwerfen wir uns unsere Welt, wie es uns gefällt. Die Omma, die BILD liest zeichnet meist ein düsteres Bild. Von Einzelfällen wird gerne aufs Ganze geschlossen. Ist natürlich fragwürdig. Im Grunde genommen ist es unmöglich, sich ein Bild von der Welt zu machen oder ein Weltbild.

Und "geile Titten" find ich geil.

E.

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birke
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Beitragvon birke » 05.04.2024, 11:37

Epiklord hat geschrieben:ADHS ist eine Erfindung der Moderne. Dienlich ist in der Schule und für die Gesellschaft, wenn ein Kind sich auf eine Sache konzentrieren kann. In der freien Natur war es eher gefährlich.

was das angeht, es ist ja nicht so, dass sich ein kind dann auf mehrere sachen gleichzeitig konzentrieren könnte, nein, es schafft es nicht mal längere zeit auf eine. das phänomen ist keine erfindung, sondern kam vermutlich schon immer vor, nur die benennung ist (relativ) neu.
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OscarTheFish
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Beitragvon OscarTheFish » 05.04.2024, 13:29

Epiklord hat geschrieben:ADHS ist eine Erfindung der Moderne. Dienlich ist in der Schule und für die Gesellschaft, wenn ein Kind sich auf eine Sache konzentrieren kann. In der freien Natur war es eher gefährlich.

Hierzu möchte ich Widerspruch anmelden!

ADHS unterliegt in volkstümlicher Betrachtung häufig diesem Klischee. Selbst in der modernen Medizin wird eher von einer Normvariante gesprochen.
ADHS-Betroffene haben im Leerlauf Konzentrationsprobleme bzw. wenn sie sich mit Dingen beschäftigen sollen, die keinen ausreichenden Reiz bieten. Als Grund wird ein Transmittermangel (Dopamin) angeführt. Dieser relative Dopaminmangel sorgt für diese oft beobachtete motorische Unruhe (das betrifft aber nicht alle Betroffene), um den Dopaminmangel durch Dopaminausschüttung zu beseitigen. Man kann das als Suche nach einem "Kick" betrachten.
Dieser "Kick" kann durch riskanteres Verhalten (u.a. auch Drogenkonsum), Beschäftigung mit wirklich interessanten Dingen (tatsächliche Interessensbefriedigung intellektuell oder motorisch) erreicht werden. ADHS-Betroffene können sich nämlich auch stundenlang mit einer Sache konzentriert beschäftigen, sofern ein besonderer Anreiz dafür vorliegt.

ADHS kann eigentlich nicht anders therapiert werden, außer durch die bekannten Medikamente. Als Wirkstoff kommt dabei hauptsächlich Methyphenidat (Arzneistoff aus der Gruppe der Phenylethylamine) zum Einsatz (welches unter verschiedenen Handelsnamen erhältlich ist). Es handelt sich dabei um ein indirektes Sympathomimetikum, d.h. es blockiert keine Rezeptoren, sondern hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin). Dadurch hat es eine konzentrationsfördernden sowie eine beruhigende Wirkung. Im Gegensatz zur häufig hörbaren Volksmeinung ist Methylphenidat ein stimulierendes Medikament, da es sich um ein Amphetaminderivat handelt.
Die pharmakodynamischen sowie -kinetischen Eigenschaften sind sogar recht günstig, da die mittlere Halbwertzeit bei 2-3 Stunden liegt und die volle Wirkung bei ca. 4 Stunden. Dadurch kann es gezielt für eine Situation (z.B. Schule / Hausaufgaben) eingesetzt werden. Es bedarf keines gleichbleibenden Spiegels. So bleibt auch genug Tageszeit ohne Medikamenteneinfluss.

Als selbst Betroffener kenne ich die andere Seite der Theke und wäre froh gewesen, so ein Angebot gehabt zu haben, obwohl ich ansonsten gern um die pharmakologischen Produkte einen Riesenbogen mache.

Problem bei Methylphenidat ist das Abhängigkeitspotential. Daher ist eine sorgfältige und kompetente Diagnostik sehr wichtig, da dieses Präparat für Nichtbetroffene nur gesundheitliche Risiken mit sich bringt.

ADHSler haben unbehandelt (bzw. zumindest kein Erhalten einer fundierten Psychoedukation) ein hohes Risiko, gesellschaftliche Anforderungen nicht erfüllen zu können. (darüber lässt sich diskutieren, da auch ich der gesellschaftlichen Haltung bei vielen Themen sehr skeptisch generell gegenüberstehe)
Ebenso haben ADHSler ein hohes Risiko in Drogenabusus abzugleiten (Alkohol, andere harte Drogen), da diese Mittel ebenso eine höhere Dopaminausschüttung induzieren und so zur symptomatischen Linderung beitragen können.

Ihrer Schlussfolgerung
Epiklord hat geschrieben:(...) wenn ein Kind sich auf eine Sache konzentrieren kann. In der freien Natur war es eher gefährlich.
verstehe ich so, dass die Fähigkeit, sich hoch auf abstrakte Dinge (wie in der Schule) konzentrieren zu können, eher in der Natur zur Gefährdung des Individuums führt. Diese Ableitung halte ich für richtig, insbesondere wenn man ADHS als Normvariante begreift. Menschen mit ADHS neigen durchaus dazu, in stressigen / "aufregenden" Situationen einen kühlen Kopf behalten zu können, während andere eher zu Panikreaktionen neigen. Sie haben also ein Normalniveau in außergewöhnlichen Situationen. Dort haben sie tatsächlich ihre Stärken.
Dies kann bei unglücklicher Biographie nicht selten eine erfolgreiche Karriere auf der schiefen Bahn ermöglichen, weil das Nervenkostüm unter Druck belastbarer ist.
Zuletzt geändert von OscarTheFish am 05.04.2024, 20:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Epiklord » 05.04.2024, 15:39

Ich überlege gerade, wo hatte ich mal ein Defizit an Dopamin. Ach ja, es war damals, als ich Liebeskummer hatte. Aber nicht der Mangel an Dopamin hat dazu geführt, sondern der Liebeskummer hat den Mangel bewirkt. Ich glaube kein Arzt hätte mir ein Medikament gegeben. Geht von alleine wieder weg, hätte er gesagt. ADHS funktioniert meines Erachtens so ähnlich. Aber es ist unglücklicherweise als eine Art Krankheit mit genetischer Komponente klassifiziert. Wenn ich also alle Symtome und Verhaltensauffälligkeiten von ADHS zeige, wird ein Arzt es auch als jenes diagnostizieren. Da es nun aber mit Medikamenten zu behandeln und als schicksalhaft gilt, wird der Arzt keine Psychotherapie versuchen, weil zwingend Medikamente erforderlich sind. Und das Schicksal dieses Patienten ist besiegelt.
Wenn familär irgendeine als Psychokrankheit ausgewiesene gehäuft auftritt, ableitet man einfach auf Genetik. Beweisen lässt es sich nicht. In den Genen wird man ja keine Schriftrolle mit Definitionen finden. Ich habe mal Kinder beaufsichtigt bei einer Alleinerziehenden, weil die mal Ausgehen wollte sich zu vergnügen. Die Kinder waren außer Rand und Band. Eines wollte mir etwas malen, wurde aber immer wieder gestört und unterbrochen von der Rasselbande. Ich kann mir vorstellen, dass sich in so einem Milieu ADHS bildet.

E.


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