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Ständig machen wir uns ...

Verfasst: 08.08.2025, 19:21
von Epiklord
Ständig machen wir uns was vor

der eine säuft sich die Welt schön;

ein anderer, dessen Freund gestorben ist,
hofft, er werde ihn irgendwann wiedersehen;

ein dritter, dem sein Raucherbein amputiert
wurde, ist glücklich, noch ein intaktes Bein
zu haben;

mancher knallt sich den Kopf zu mit
rosarot färbender Lyrik;

dann gibt es noch die, welche die höchsten
Berge erklimmen müssen,

oder jene, die Orgasmen vortäuschen.

Verfasst: 08.08.2025, 21:34
von taiga
Wäre auch ziemlich langweilig und grau ohne all dies; oder, wie Tania Blixen mal sagte: Es stimmt nicht, daß Gott von uns die Wahrheit verlangt. Die kennt er doch sowieso.

:engele:

Verfasst: 08.08.2025, 23:45
von Epiklord
Naja, ich befürchte, da macht Tania Blixen sich selbst was vor. Der liebe Gott hat uns vielleicht mit Humor ausgestattet, um alles leichter zu nehmen.

Verfasst: 09.08.2025, 21:21
von birke
Epiklord hat geschrieben:Ständig machen wir uns was vor

... ja. vermutlich wäre sonst das leben ziemlich unerträglich? ;)

Verfasst: 10.08.2025, 14:13
von jondoy
Bekanntlich gibt es keine gute Fee. Du kannst dich nur selbst verzaubern.

Es hilft nichts, zuzusehen,wie sie sich vernaschen,
du musst wachsam sein, wenn du nicht aufpasst, könnte dir das noch selbst passieren, um buddhas willen.

Ich glaub nicht daran, dass "wir" uns ständig was vormachen.

Weitere verlängernde Beispiele könnten diesen Text bevölkern....

Jemand denkt sich, alle Menschen sind blöd
nur mein Haustier versteht mich.

Amand denkt sich, wenn die Richtigen drankommen,
bricht auf der Erde endlich das Paradies an.

In meinen Augen beinhaltet dieser Text eine Sammlung negativer Glaubenssätze.
Das komplexe Wesen 'Mensch' wird im Text vielfältig jeweils auf eine "Eigenschaft" reduziert, zum Ende hin gerät er dann selbstverliebt auch noch ins Fahrwasser, dass er zu verallgemeinern beginnt.

Immerhin kein sinnfreier Text.

Verfasst: 25.08.2025, 20:39
von OscarTheFish
Die letzte Zeile mit dem verbotenen Alltagswort bringt es auf den Punkt. Machen wir uns selber nicht ständig etwas vor und dann den anderen? Alles so alltäglich oberflächlich, bis man nicht mehr bereit ist, sich blind im Tiefgang zu stellen.
Es wirkt wie der beiläufige Text zum Prozess des Abwurfs der sozialen Maske. Eine Form des Verrottens eigener Selbstvorstellungen im Spiegel eines Registers zur Hinwendung zur Authentizität.