Blick in eine Ausstellung

Hier ist Raum für Werke, die das Zusammenspiel zwischen Literatur & anderen Künsten betonen, etwa Inspirationsfotos, fiktive Postkarten
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 05.09.2010, 00:02

Linolschnitte/ Grisailles, 2010.

(+ Skulpturen von einer Kollegin, nicht von mir)
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4.JPG

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 28.08.2018, 12:08

Durch einen Link in einem anderen Faden bin ich heute wieder hier gelandet und möchte jetzt auch, acht Jahre später, etwas zu den Linoldrucken sagen.

Das sind höchst ausgereifte Arbeiten, in meinen Augen.

Wenn man diesbetrachtend den Begriff "Reduktion" benutzt, dann ist da wohl die Abwesenheit von ... von was gemeint? Ich suche gerade die passenden Wörter. Abwesenheit von Menschen, Tieren, Pflanzen, Bergen ... Abwesenheit von Natur ... oder?

Oder die Abwesenheit einer Pistole oder Geschichte, oder sonst irgendetwas speziellem in der Art?

Wie auch immer. Ich sehe hier keine Reduktion im allgemeinen. Im Gegenteil. Ich sehe einen vollen Naturkosmos. Die Drucke wirken wie ein Fenster. Es ist ein Blick auf die Musik der Welt, auf ihre ästhetische Struktur, auf und unter ihre Oberfläche. Auf ihr Gewebe. Ihr feinmaschiges Netz. Nicht nur Blick; es ist auch ein Lauschen auf die Töne, die diesen Kosmos zusammenhalten. Musik- und Farbtöne. Ja, Farben sind auch enthalten. Das ist nicht alles monochromatisch. Die Farben passen harmonisch zueinander. Warum passen sie zueinander? Das ist eine der spannenden Fragen. Es ist eine lebenslange Suche. Einige Antworten stecken in diesen Drucken, und deshalb bezeichne ich sie als höchst ausgereift; man sieht, dass da enorm viele Überlegungen vorausliefen.

Hinzu kommt die 3-dimensionale Vielschichtigkeit bei manchen Drucken. An der Stelle kommt auch mein persönlicher Geschmack ins Spiel. Ich liebe Raumtiefe. Mit den Drucken von HAP Grieshaber beispielsweise kann ich überhaupt nichts anfangen, weil sie radikal 2-dimensional flächig sind (ich mag auch nicht die Art, wie er sein Handwerk verrichtete; es erschien mir aggressiv und hingeklotzt). Mir sagt 2-Dimensionalität durchaus zu, wenn es um Linienkunst geht, wie etwa auch in der chinesischen Kalligrafie. Wenn in der 2-Dimensionalität dann aus Linien aber Flächen werden, fühle ich mich erdrückt, flachgedrückt, raumlos, erstickt. Das ist bei Amanitas Linoldrucken ganz anders: Sie sind für ihr Genre außergewöhnlich tiefräumig, 3-dimensional, vielleicht sogar 4-dimensional, wenn man die Rhythmik, also die Zeit, hinzurechnet. Und das, obwohl flächige Objekte abgedruckt sind. Es sind auch Drucke nur mit Linien dabei, die sind weniger 3-dimensional, aber sie lassen Raum zwischen den Linien, und somit erdrücken sie nicht, sie schwingen -- frei.


Ahoy

Pjotr


Bezugnehmend auf das von Amanita:

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 28.08.2018, 22:03

Hallo Pjotr, ja, mit Deinen Ausführungen fühle ich mich gut verstanden. Vielen Dank!

Die Drucke sind mit ganz verschiedenen Farbmaterialien gemacht (oft mit denselben Druckstöcken), so dass ganz unterschiedliche Strukturen entstehen, die teilweise wirklich reliefartig sind. Außerdem ging es mir um sensible Farbnuancen, z. B. finde ich es sehr spannend, wenn dieselbe Farbe auf verschiedenen Trägern anders aussieht.

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ZaunköniG
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Beitragvon ZaunköniG » 20.10.2018, 16:09

Quoth hat geschrieben:Hallo, Amanita,
... mich langweilt Kunst, die reduziert, reduziert, bis sie gegen Null, gegen Monochromie geht,


Das geht mir genauso. Und der einzelne Linolschnitt löst in mir nichts aus.
Wenn ich aber über den Bildrand hinausblicke und die Tafeln nicht als abgeschlossene Bilder begreife, sondern als Installation, die bewusst miteinander, mit den Objekten, mit dem Raum korrespondieren, stößt es durchaus etwas in mir an.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 22.10.2018, 20:11

Danke sehr. Die "funktionieren" auch nur als Serie ...


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