die lider
öffnen sich
wie türen
plankton
treibt
durchs augenmeer
bis hin zur tafel
wo es im wein
aus kelchen rinnt
mit stumpfen klingen
kerben
in ein schweigen schlägt
den rest
von tellerrändern
wäscht
die lider
schließen sich
wie türen
und blind
tritt er heran
zum kuss
http://www.tate.org.uk/colddarkmatter/3 ... silver.htm
http://www.artnet.de/artwork/423940479/ ... haled.html
silberlinge
hallo pandora!
dies hier gefällt mir sehr, sehr.......
es lässt mir viel spielraum, es ist ein bogen gespannt. deine verlinkung verstehe ich als inspirationsquelle. dein gedicht sagt mir etwas anderes. da ist die rede vom enttäuschung über nicht erkannt/ nicht angenommen sein am ende. ein nicht erkennen dessen, was im gedicht voran geschrieben steht. bei "im wein" lese ich "im weinen".
bin beeindruckt!
lieben gruß: Niko
dies hier gefällt mir sehr, sehr.......
es lässt mir viel spielraum, es ist ein bogen gespannt. deine verlinkung verstehe ich als inspirationsquelle. dein gedicht sagt mir etwas anderes. da ist die rede vom enttäuschung über nicht erkannt/ nicht angenommen sein am ende. ein nicht erkennen dessen, was im gedicht voran geschrieben steht. bei "im wein" lese ich "im weinen".
bin beeindruckt!
lieben gruß: Niko
Hallo pandora,
Dein Text deutet ja mehr noch als auf ein nicht-angenommen-sein, wie Niko sagte, auf einen Verrat hin. Es ist wörtlich der Augenblick vor dem verratenden Kuss. Wie in Zeitlupe sieht man, was dem Verrat vorangeht.
Da sind viele Bilder, die ich nicht einordnen kann, die für mich aber trotzdem wirken.
plankton
treibt
durchs augenmeer
Das Plankton macht die Szene für mich ein bisschen rauschartig, die Bewegungen scheinen verlangsamt, intensiviert.
mit stumpfen klingen
kerben
in ein schweigen schlägt
Deutet voraus auf die Gewalt. Ansonsten bin ich nicht bibelfest genug, weiß nicht, welche Rolle Schwerter/Messer beim Mahl spielten.
und blind
tritt er heran
zum kuss
Blind, weil er nicht weiß, was er da tut und wozu es führt? Oder weil er nicht hinsehen kann?
Bilder wie das des Plankton und das des Tellerrandes kann ich schlecht in die Geschichte einordnen. Daher denke ich, dass der Text noch eine andere Ebene haben muss, die ich nicht erkenne, nur ahne.
Vielleicht soll darauf auch der Umstand hinweisen, dass der Judas-Kuss nicht bei Tisch stattfand?
Mir gefällt der Text sehr gut, ungewöhnlich gut - gerade zusammen mit den verlinkten Bildern, die vermutlich die Bilder von Meer und vom Fließen wachgerufen haben.
Gruß, annette
Dein Text deutet ja mehr noch als auf ein nicht-angenommen-sein, wie Niko sagte, auf einen Verrat hin. Es ist wörtlich der Augenblick vor dem verratenden Kuss. Wie in Zeitlupe sieht man, was dem Verrat vorangeht.
Da sind viele Bilder, die ich nicht einordnen kann, die für mich aber trotzdem wirken.
plankton
treibt
durchs augenmeer
Das Plankton macht die Szene für mich ein bisschen rauschartig, die Bewegungen scheinen verlangsamt, intensiviert.
mit stumpfen klingen
kerben
in ein schweigen schlägt
Deutet voraus auf die Gewalt. Ansonsten bin ich nicht bibelfest genug, weiß nicht, welche Rolle Schwerter/Messer beim Mahl spielten.
und blind
tritt er heran
zum kuss
Blind, weil er nicht weiß, was er da tut und wozu es führt? Oder weil er nicht hinsehen kann?
Bilder wie das des Plankton und das des Tellerrandes kann ich schlecht in die Geschichte einordnen. Daher denke ich, dass der Text noch eine andere Ebene haben muss, die ich nicht erkenne, nur ahne.
Vielleicht soll darauf auch der Umstand hinweisen, dass der Judas-Kuss nicht bei Tisch stattfand?
Mir gefällt der Text sehr gut, ungewöhnlich gut - gerade zusammen mit den verlinkten Bildern, die vermutlich die Bilder von Meer und vom Fließen wachgerufen haben.
Gruß, annette
Liebe pandora,
ich finde das wieder einen ganz starken Text von Dir, vor allem, weil Du im Grunde ja das Ganze beschreibst wie einen Augenblick (Zeitlupe trifft es gut).
Ich habe etwas Mühe zu verstehen, wofür genau das Plankton steht, das als Subjekt der folgenden Strophen erscheint. Ist es schon der sich anbahnende Verrat, der Gestalt gewinnt? Plankton als eine Art "Eintrübung", die sich verstärkt und fortsetzt bis zum Kuss?
Es ist ja ein Bild aus einem ganz anderen Kontext, und ich frage mich, warum Du gerade das verwendest.
Gern gelesen
Liebe Grüße
leonie
ich finde das wieder einen ganz starken Text von Dir, vor allem, weil Du im Grunde ja das Ganze beschreibst wie einen Augenblick (Zeitlupe trifft es gut).
Ich habe etwas Mühe zu verstehen, wofür genau das Plankton steht, das als Subjekt der folgenden Strophen erscheint. Ist es schon der sich anbahnende Verrat, der Gestalt gewinnt? Plankton als eine Art "Eintrübung", die sich verstärkt und fortsetzt bis zum Kuss?
Es ist ja ein Bild aus einem ganz anderen Kontext, und ich frage mich, warum Du gerade das verwendest.
Gern gelesen
Liebe Grüße
leonie
hallo niko, annette und leonie,
ich weiß, dass dieses gedicht schwer zu verstehen ist, nicht ohne grund blieb es so lange ohne kommentare.
zur erhellung kann ich vielleicht drei dinge beitragen.
- die instellationen von mrs parker habe ich vor zwei jahren im norwich castle gesehen und sie haben mich zutiefst beeindruckt. für "thirty pieces of silver" hat die künstlerin, und einer der links enthält ein bild dazu, silberne gegenstände mit einer dampfwalze plattfahren lassen. (ihnen den gebrauchswert genommen. etwas sehr wertvolles gewissermaßen "entwertet".") danach hängte sie die flachen teile in gleicher höhe an durchsichtigen fäden auf und arrangierte sie so, dass der eindruck einer schwebenden tafel entstand. mehrere gedecke (auf den bildern sieht man jeweils nur eines - aber ich denke, es waren zwölf?), symmetrisch im raum angeordnet - eine wunderbar leichte, weil sich ab und an im luftzug bewegende und geräusche verursachende, fragile installation. MICH erinnerte sie an das letzte abendmahl,vielleicht hatte ich auch leonardos berühmtes bild mit der langen tafel im sinn, an die zwölf apostel und vor allem an den verrat des judas ischarioth. (letztgenannter fand ja unmittelbar nach dem abendmahl am ölberg statt: "der, den ich küsse, der ist es." --->letzte strophe)
- wenn erste und vorletzte strophe die binnenhandlung verlangsamt darstellen, ihr sogar von zeitlupe sprecht, so freut mich das. mir würde reichen, wenn der leser von einer intensiven und teifgründigen betrachtungsweise ausgeht. wenn das wasser einen lupen(=vergrößerungs)effekt erzeugt. das plankton steht für kleine schwebeteilchen, die sich im glaskörper des auges befinden können, und die das sogenannte "mückensehen" hervorrufen. vielleicht kennt ihr das. vor weißem oder hellem hintergrund, an sonnigen wintertagen zum beispiel, fallen einem kleine schwarze strukturen auf, wenn man "sieht". oder habe ich das hier als einzige?
die kleinen gewebeteilchen, schwarze schatten, folgen jedenfalls dem blick, in diesem falle dem blick auf die bestandteile der installation. sie lassen die szene lebendig werden, jedesmal, wenn sie einen teller oder ein messer... berühren, wird die szenerie lebendig und erschließt sich dem betrachter mehr und mehr.
- "und blind tritt er heran zum kuss" schließt das eigentliche betrachten ab. ich könnte auch sagen bzw schreiben, das lyrICH denkt die szene mit dem nächsten lidschlag fort. "blind", ohne blick auf die tafel.
"blind" steht auch für das schlechte gewissen des verräters, der jesus für dreißig denare (---> SILBERLINGE) verriet.
lg
p.
-
ich weiß, dass dieses gedicht schwer zu verstehen ist, nicht ohne grund blieb es so lange ohne kommentare.
zur erhellung kann ich vielleicht drei dinge beitragen.
- die instellationen von mrs parker habe ich vor zwei jahren im norwich castle gesehen und sie haben mich zutiefst beeindruckt. für "thirty pieces of silver" hat die künstlerin, und einer der links enthält ein bild dazu, silberne gegenstände mit einer dampfwalze plattfahren lassen. (ihnen den gebrauchswert genommen. etwas sehr wertvolles gewissermaßen "entwertet".") danach hängte sie die flachen teile in gleicher höhe an durchsichtigen fäden auf und arrangierte sie so, dass der eindruck einer schwebenden tafel entstand. mehrere gedecke (auf den bildern sieht man jeweils nur eines - aber ich denke, es waren zwölf?), symmetrisch im raum angeordnet - eine wunderbar leichte, weil sich ab und an im luftzug bewegende und geräusche verursachende, fragile installation. MICH erinnerte sie an das letzte abendmahl,vielleicht hatte ich auch leonardos berühmtes bild mit der langen tafel im sinn, an die zwölf apostel und vor allem an den verrat des judas ischarioth. (letztgenannter fand ja unmittelbar nach dem abendmahl am ölberg statt: "der, den ich küsse, der ist es." --->letzte strophe)
- wenn erste und vorletzte strophe die binnenhandlung verlangsamt darstellen, ihr sogar von zeitlupe sprecht, so freut mich das. mir würde reichen, wenn der leser von einer intensiven und teifgründigen betrachtungsweise ausgeht. wenn das wasser einen lupen(=vergrößerungs)effekt erzeugt. das plankton steht für kleine schwebeteilchen, die sich im glaskörper des auges befinden können, und die das sogenannte "mückensehen" hervorrufen. vielleicht kennt ihr das. vor weißem oder hellem hintergrund, an sonnigen wintertagen zum beispiel, fallen einem kleine schwarze strukturen auf, wenn man "sieht". oder habe ich das hier als einzige?

die kleinen gewebeteilchen, schwarze schatten, folgen jedenfalls dem blick, in diesem falle dem blick auf die bestandteile der installation. sie lassen die szene lebendig werden, jedesmal, wenn sie einen teller oder ein messer... berühren, wird die szenerie lebendig und erschließt sich dem betrachter mehr und mehr.
- "und blind tritt er heran zum kuss" schließt das eigentliche betrachten ab. ich könnte auch sagen bzw schreiben, das lyrICH denkt die szene mit dem nächsten lidschlag fort. "blind", ohne blick auf die tafel.
"blind" steht auch für das schlechte gewissen des verräters, der jesus für dreißig denare (---> SILBERLINGE) verriet.
lg
p.
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pandora hat geschrieben:wenn erste und vorletzte strophe die binnenhandlung verlangsamt darstellen, ihr sogar von zeitlupe sprecht, so freut mich das. mir würde reichen, wenn der leser von einer intensiven und tiefgründigen betrachtungsweise ausgeht.
Ja, sowohl Verlangsamung des Augenblicks als auch Intensivierung kommen für mich wie gesagt sehr gut rüber.
pandora hat geschrieben:das plankton steht für kleine schwebeteilchen, die sich im glaskörper des auges befinden können, und die das sogenannte "mückensehen" hervorrufen. vielleicht kennt ihr das. vor weißem oder hellem hintergrund, an sonnigen wintertagen zum beispiel, fallen einem kleine schwarze strukturen auf, wenn man "sieht". oder habe ich das hier als einzige?
Nee, ich denke, das kennt jeder, also ich jedenfalls. Ich habe sogar beim Lesen genau daran gedacht (ja, kann man hinterher immer sagen), konnte das aber nicht gut in das Geschehen einbauen. Trotzdem war das genau das, was ich beim Lesen vor Augen hatte.
Die Erläuterung zur Installation ist sehr hilfreich, vielleicht nicht so sehr zum Verständnis, aber zur Visualisierung des Textes.
Aber auch ohne Erklärung: ein starker (bezugs)reicher Text!
Gruß, annette
das plankton steht für kleine schwebeteilchen, die sich im glaskörper des auges befinden können, und die das sogenannte "mückensehen" hervorrufen. vielleicht kennt ihr das. vor weißem oder hellem hintergrund, an sonnigen wintertagen zum beispiel, fallen einem kleine schwarze strukturen auf, wenn man "sieht". oder habe ich das hier als einzige?
Liebe pandora,
ja, ich kenne sie auch, es sind Glaskörpertrübungen, die sich mouches volantes nennen. Manche behaupten, dass sich der "Müll" der Seele dort in den Augen sammelt, sprich, je mehr "Seelenmüll" ein Mensch in sich trägt, um so mehr mouches volantes hat er.
Ich habe jedoch nicht verstanden, was diese mouches volantes in deinem Gedicht ausdrücken sollen.
Sie springen irgendwie aus dem Gesamtbild.
Saludos
Magic
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