Bethlehem 2006

Hier ist Raum für Werke, die das Zusammenspiel zwischen Literatur & anderen Künsten betonen, etwa Inspirationsfotos, fiktive Postkarten
moshe.c

Beitragvon moshe.c » 28.12.2006, 10:22

Text: moshe.c
Bild: Orit

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Bethlehem 2006

Wenige Schritte
sind zu hören,
das Entsichern der Gewehre

Wenige Krippen und Kreuze
habe ich verkauft
an seltene Pilger

Wenige Lichter
sind in der Nacht,
hinter Hamas-Fahnen

Ich esse den Hering
und meine Kartoffel
ist zu klein
für alle Kinder

Meine Kinder wissen
warum ich weine
und schmiegen sich an mich

Wenige Augen
sehen uns in dieser Nacht,
die Einschüsse
in der Kirchenwand
Dateianhänge
Bethlehem2006-Moshes Gedicht.jpeg
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Niko

Beitragvon Niko » 13.01.2007, 17:37

hallo moshe!
das gedicht hat mich schon "damals" beeindruckt. die weihnachtszeit hatte das noch verstärkt. aber auch ohne sie (naja......bis epiphanias ist ja noch zeit...) verfehlt der text nicht die wirkung.
ich persönlich empfinde die erwähnung der hamas als störend. so wird mir der text zu eindeutig. der text kommt ansonsten ohne korsett aus. hier hätte ich mir das auch gewünscht.
aber ansonsten (nicht ansonsten, sondern generell) geht mir dieser text unter die haut.
lieben gruß: Niko

Sabine

Beitragvon Sabine » 13.01.2007, 20:22

Das Bild, moshe, ist der Hammer. Es sagt mehr aus als tausend Worte. Und es läßt viel Raum für eigene Gedanken und Gefühle. Es ist ein schwieriges Thema, vielleicht das schwierigste der letzten Jahre und ein Ende der Problematik ist leider nicht in Sicht. Zu sehr haben sich die Fronten verhärtet.
Dieses Bild ist ein ganz leises, aber in seiner Aussagekraft sehr, sehr stark.
Was die Erwähung der "Hamas" in deinem Gedicht betrifft, so entspricht es ja der Realität, einer Realität, der sich niemand entziehen kann. In deinem Text finde ich keine Wertung, nur dieses Bild in Worte gekleidet. Daher stört mich die Hamas in deinem Text nicht. Sie gehört dazu.
Was dieses Wort in unseren Köpfen auslöst, ist eine andere Sache.

Liebe Grüße
Sabine

Max

Beitragvon Max » 14.01.2007, 14:26

Lieber Moshe,

ich denke, dass Dein text durch die kOmbination mit dem Bild gewinnt.

Zum Text selbst (ich habe gerade erstmal übrprüfen müssen, ob es denn derselbe ist oder ob sich etwas verändert hat): Mir scheint als könntest Du in den ersten Strophen noch an den Übergängen arbeiten. Trotz des vereinheitlichenden 'wenige' kommt er mir sprunghaft vor wie sehr spontante Ideen. Die Strophe um den Hering gefällt mir, die doppelten Kinder am Ende der Strophe und am Beginn der nächsten dagegen weniger. Das stärkste Bild ist zweifellos die Gleichsetzung von Augen und Einschüssen in der letzten Strophe.

Liebe Grüße
max


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