Lyrik & Prosa, ein kleiner Disput

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 07.01.2007, 20:32

Bild


Bild
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Niko

Beitragvon Niko » 07.01.2007, 21:54

vielleicht bin ich zu simpel gestrickt, aber ich kann dem titel und den beiden bildern nicht folgen.......

kannst du dazu vielleicht etwas erläutern, lisa?

lieben gruß: Niko

moshe.c

Beitragvon moshe.c » 07.01.2007, 22:49

Die beiden Bilder kann ich mit dem Titel sehr gut verbinden, aber ich kann den Text nicht so recht lesen, vor allem beim ersten Bild.

moshe.c

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 08.01.2007, 00:25

Lieber Niko,
da eigene Interpretationen immer etwas von "über" haben, warte ich damit erstmal nochmal ;-).

Lieber moshe,

meinst du visuell lesen oder inhaltlich? Ersteres würde mich wundern, letzteres bleibt dann Ansichtssache (außer du sagst warum) ;-).

Liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Max

Beitragvon Max » 08.01.2007, 20:58

Liebe Lisa,

ich finde das absolut genial, besonders das Gedicht, das zur Lanze wird.

Liebe Grüße
max

Hakuin

Beitragvon Hakuin » 08.01.2007, 21:28

liebe lisa,

ja die lanze hat es mir auch angetan ;-)

grüße herzlich
hakuin

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 14.01.2007, 12:59

Hallo Niko und andere,

nagut, jetz, wo es keiner verstanden zu haben scheint (außer max, dem habe ich es ja aber vorher erklärt ;-)): Das ganze sollte, wie der Threadname sagt, ein kleines Wortduell zwischen Lyrik und Prosa sein. Was bemängelt die Prosa an der Lyrik? Damit beschäftigt sich der erste (blaue) Text/das Bild.
Was wiederum findet die Lyrik so richtig falsch an der Prosa? Man wende sich der roten Grafik zu ;-).

Lyrik ist in meinen Augen fast immer steril (was ihre Stärke ist, aber auch ihre Schwäche). Sie verschreibt sich ganz klar ganz bestimmten Blickwinkeln, die allein Geltung haben im Moment des Textes. Sie ist narzsitisch ;-):

Prosa dagegen erzählt Wirklichkeit anders (nicht besser oder schlechter). Sie erzeugt Raum, sie ist bereit, sich selbst zu schwächen, um etwas zwischen den Sätzen zu sagen. Sie fährt durch die Ausführlichkeit ihren Eigenschutz ihrer Welt runter und über diesen Verlust des Eigenschutzes gewinnt sie ihre Art etwas zu fassen und verliert zugleich dafür ihren Lanzencharakter Und gewinnt ihn wieder würde sie sagen ;-)).

Jaja, das klingt alles wirr, aber für mich durchaus "passgenau" :spin2: (die Erklärungen hinken nur, weil ich es ja gerade nciht erklären konnte/wollte, daher die Bilder). Der Text auf dem ersten Bild ist noch nicht so, wie ich ihn haben wollte, es mangelt ihm noch ;-).

Liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

Max

Beitragvon Max » 14.01.2007, 14:27

Liebe Lisa,

vielleicht hätte ich es ja auch so verstanden ... :-)

Liebe Grüße
max

Nifl
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Beitragvon Nifl » 14.01.2007, 15:49

Huhu Lisa.

(keine Kommentare gelesen)
Blüten, die aus dem Kopf wachsen, tolle Idee. Ich hätte die Ebenen nicht ineinander kopiert, sodass der Kopf durch die Blüten schimmert. Das schwächt mE. das Bild, weil es unentschlossen, mutlos wirkt (auf mich) (besonders die linke)(und auf "Wucherungen" treffen diese Attribute ja eigentlich nicht zu). Aber vielleicht ist auch gerade diese Unentschlossenheit/Unsicherheit/Substanzlosigkeit gewollt (würde ja zur Lyrik passen). Der "anstürmende" Kolibrischwarm ist stark geworden. Er hat einen bedrohlichen Ausdruck (verstärkt auch dadurch, weil man nur schwer einzelne Vögel ausmachen kann (bis auf den, der bereits saugt) und die "Gefahr" nicht "quantifizierbar" ist, was ja immer Ängste schürt.
Die Augen …hm …weiß nicht recht, ob dieser "Rauscheffekt" ("macht sie von Nektar träumend") das Bild überlädt.
Versuche mir gerade das Bild mit "Originalaugen", "echten Augen" oder "schwarzen Löchern" vorzustellen … bin unentschlossen, tendiere aber zu dunklen, "echten" Augen. Hm gut, sie haben die Farbe der Kolibris, was wohl bedeuten muss, dass sie nicht nur saugen, sondern auch "einspeisen" … also eine Interaktion stattfindet….
Insgesamt ist mir der Bildkontrast zu scharf, das Schwarz zu abgrenzend, zu dominant und zu homogen… dadurch wirkt es aufdringlich montiert. Ich hätte vielleicht einen dunkelgrauen, leicht verlaufenden Hintergrund gewählt. Überdies stört mich das Licht links am Kopf (also seiner rechten Wange)… Woher kommt das Licht? Muss die Quelle nicht irgendwo hinter dem saugenden Kolibri sein?

Perspktivisch ist der Text nicht ä sagen wir "einfach".
"Wucherungen treiben Blüten" … eigensinnig. Hätte ja eher gedacht die Wucherungen sind Blüten. Denn von "wuchern" spricht man ja auch bei schnellem Pflanzenwachstum. Diese Verwandtschaft verwirrt mich. Alternativ hätte man im Bild noch etwas "Kraut" auf den Kopf setzen können … vielleicht wie eine Dornenkrone und dieser Blüten treiben lassen. Hm nur Auswüchse meiner Gedankenwucherungen *g.
Jetzt spricht mich plötzlich jemand an … und macht mich zum Kolibri … wer?
Ein Allwissender ("ihr duftet ihre Kehlen"), hm ... vielleicht aber auch nicht allwissend, sondern der Kopf, der sich von seinen Gedankenauswüchsen distanziert hat (dann dürften allerdings die Augen nicht verrauscht sein). "macht sie vom Nektar träumen" … die Blüten sind ohne Nektar, weil sie von mir *g ausgesaugt wurden … ja, aber dass die Blüten das träumend macht? Mich würde das wütend machen. "die euren Verlockungen folgen" … sah eigentlich die Verlockungen biologisch immer auf der Blütenseite und nicht auf der der Räuber. Komisch irgendwie. Und dann sterbe ich an meinen eigenen Verlockungen? Hm.
Fazit: ME. komplexes, aber etwas widersprüchliches Kunstgebilde… passt also hervorragend zur Lyrik. *g
Der Prosa widme ich mich später, weil mich die Lyrik etwas ausgezehrt hat *g.

LG
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 15.01.2007, 02:39

Nifl,
dein Kommentar bezieht sich auf den Prosa-Teil, dezenter Hinweis,-)

Lisa, ich finde deinen bildlichen und textlichen Disput sehr spannend! Ich muss mir das Bild mal kopieren und heller machen, damit ich es besser und genauer lesen kann, um da richtig einzusteigen.
Saludos
Magic

Nifl
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Beitragvon Nifl » 15.01.2007, 17:34

…ja menno! … nach Studium der Kommentare (verschärfend hatte ich den Zusatztitel ebenfalls nicht gelesen) bin ich auch drauf gekommen … trotzdem danke.

Hätte ich ohne Hinweis allerdings niemals ersehen -lesen…


LG
Nifl
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Niko

Beitragvon Niko » 15.01.2007, 18:11

Lyrik ist in meinen Augen fast immer steril


Prosa dagegen erzählt Wirklichkeit anders (nicht besser oder schlechter). Sie erzeugt Raum, sie ist bereit, sich selbst zu schwächen, um etwas zwischen den Sätzen zu sagen.


nicht nur, aber besonders mit diesen beiden aussagen hab ich dann doch so meine probleme.

verwirrte grüße: Niko

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Beitragvon Lisa » 15.01.2007, 18:14

Lieber Niko,
was meinst du mit Probleme? Stimmst du nicht zu (das kann gut sein, sie sind ja auf die Spitze getrieben und nicht nur humorlos) oder mit meiner Art mich auszudrücken (ebenso verständlich ;-)).

Nifl:
:antwort:

ich werde versuchen in den kommenden Tagen mal noch eine zweite Version der ersten Grafik zu machen, mal gucken, ob deine Vorschläge besser wirken. Da du ein echtes Bilderauge (hoho) zu haben scheinst, bin ich da fast sicher. Danke für die tollen Gedanken (das war schön zu lesen) und die tollen Ideen.

Liebe magic:
vielleicht hilft ja dann die hellere Version ;-). Ich dank dir!

Bis bald,
Lisa
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Niko

Beitragvon Niko » 15.01.2007, 18:33

ich frage mich wieso prosa DAGEGEN raum erzeugt, sich schwächt um etwas zwischen den zeilen zu sagen. tut dies nicht in gleichem maße die lyrik?
und was an lyrik steril ist, kann ich nicht nachvollziehen, wenn man als begriffserläuterung für "steril" keimfrei und unfruchtbar zu grunde legt.

tot straks: Niko


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