frage nicht - ich lausche

Der Publicus ist die Präsentationsplattform des Salons. Hier können Texte eingestellt werden, bei denen es den Autoren nicht um Textarbeit geht. Entsprechend sind hier besonders Kommentare und Diskussionen erwünscht, die über bloßes Lob oder reine Ablehnungsbekundung hinausgehen. Das Schildern von Leseeindrücken, Aufzeigen von Interpretationsansätzen, kurz Kommentare mit Rezensionscharakter verleihen dem Publicus erst seinen Gehalt
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birke
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Beitragvon birke » 30.08.2012, 17:42

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tu etwas mond an das, was du schreibst. (jules renard)

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DavidK88

Beitragvon DavidK88 » 09.09.2012, 22:57

Hi birke,

einerseits erkennt man hier den Willen, möglichst konkret in den Bildern zu sein, größtenteils ist es (mir!) aber zu unkonkret.
Das Anfangsbild lässt einiges offen, was ich nicht schlecht finde. Bei einem Apfel denke ich an etwas gereiftes, süßes, etwas mit Substanz, was sich gut in teils synästhetischer Weise mit Lautlichem kombinieren lässt. Dass du da ausgerechnet "töne" wählst, macht es m.E. aber etwas plump. Da denke ich nur an das Geräusch, wenn ein Apfel auf den Boden plumpst. Ich würde eher "Worte" nehmen, denn auf die lassen sich die Assoziationen besser übertragen und der Klang ist weicher und tiefer. "Apfelworte" hat mit den beiden kontrastierenden Frikativen und dem dunklen Vokal in der Kombination für mich sogar etwas von dem Reinbeißen in einen Apfel.
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Nettes Enjambement. Vielleicht ließe sich für "Heimat" noch ein genauerer Ort finden (?) Es löst noch nicht sonderlich viel aus.
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Das ist eine verblasste Metapher. Aber in Zusammenhang mit der bereits angedeuteten Naturmotivik ließe sie sich vielleicht ausbauen, neu aktivieren und bekäme dadurch einen gewissen Reiz.

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Das ist WischiWaschi für mich. Klingt wie aus einem Schlagersong. Wie kann man der Schwerkraft entgegenfliegen? Was ist das Glück?

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Ganz gut. Aber warum "leib"?

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Da klingelt der Kitschalarm. Den Vers braucht es nicht.

Diese Wort-Apfel-Sache gibt etwas her. Darauf würde ich aufbauen.

LG David
Zuletzt geändert von Mucki am 11.09.2012, 16:07, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitate von Gabriella in Hidden-Modus geändert

scarlett

Beitragvon scarlett » 11.09.2012, 12:55

„Könige, die sich /nicht nur/ mit dem Szepter berühren“ …

Es ist eine besondere Herausforderung, einen Text auf eine Verszeile eines bekannten Gedichtes zu schreiben. Man kann dabei das gesamte Gedicht als Zitat setzen, man kann den Inhalt in einen völlig neuen Zusammenhang stellen, ihn brechen, fortführen … eine Art Antwortgedicht verfassen oder ihn lediglich als Anlass für etwas ganz anderes, eigenes betrachten. Nur eines kann man dabei nicht: so tun, als gäbe es den Ausgangstext nicht.
Und Letzteres gilt gleichermaßen für den Leser, will er einem solchen Text gerecht werden.

Das vorliegende Gedicht von Birke-Diana ist in meinen Augen eine Fortführung des Lasker-Schüler Gedichtes, das ja bekanntlich in zwei Fassungen vorliegt, wobei beide Fassungen in ihrer Grundeinstellung, in ihrer Kernaussage identisch sind: es handelt sich um ein „Sehnsuchtsgedicht“. Ein Li sehnt das Gegenüber herbei, das Trennende soll überwunden werden, Einheit entstehen- „wir wollen uns lieben// über den Grabweg hinweg“.

In Dianas höchst erotischem Text hingegen ist dieses Trennende von vornherein aufgehoben, da wird sich nicht mehr gesehnt nach dem Gegenüber, die Liebessituation liegt vor und wird gelebt.

Der Apfel, seit jeher Symbol der Verführung, macht das von Anbeginn an klar- interessant finde ich, wie er sich hier über den Ton mit dem Wort verbindet und sich über das Klingen und das Süß am Ende zu den Lippen fügt. Das ist der eine Metaphernstrang des Gedichtes.
Der zweite führt über die Wurzeln, das Dunkle, Erdige zum Leib.

Das scheinbare Paradoxon des Fliegens und der Schwerkraft in der Mitte des Gedichts macht genau das Verbindende aus: was uns empor hebt, drückt uns auch wieder hinunter, das Fliegen und das Wurzeln, das Geerdetsein schließlich ist das, was Heimat für das Li bedeutet.
Die Liebe.
Das Leichte und das Schwere wunderbar vereint und ich denke dabei auch an eine Stelle bei Milan Kundera, in der er diese Ambiguität, dieses Paradoxon sehr treffend beschreibt.

Sehr bildlich, schlüssig aufgebaut, mit feiner Feder gezeichnet ist hier ein Gedicht gelungen, das eine deutliche Sprache spricht, ohne unangenehm zu wirken.

scarlett


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